Gelnhausen

Kritik an Einschnitten bei Veritas in Gelnhausen

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Der Kaufinteressent aus den USA fordert offenbar unter anderem die Streichung von 700 Arbeitsplätzen. Gewerkschafter, SPD und CDU kritisieren dies scharf.

Die Ankündigung der Gelnhäuser Veritas AG, vor dem angestrebten Einstieg des Unternehmens American Industrial Acquisition Corporation (AIAC) weitere 700 Arbeitsplätze am Stammsitz des Autozulieferers zu streichen, hat scharfe Kritik ausgelöst.

Es sei offensichtlich, „dass die Fehler im Management und bei den Eigentümern, die sich immer wieder in das operative Geschäft eingemischt haben, liegen“, sagt der Landtags- und Kreistagsabgeordnete Heinz Lotz (SPD). Die Verantwortlichen würden mit dem Verkauf der Firma für ihre Fehlentscheidungen belohnt, die Belegschaft müsse es ausbaden. Die CDU-Kreistagsfraktion betrachtet die geplanten Schritte als „besonders problematisch, weil die Beschäftigten der Veritas AG seit Jahren durch Verzicht einen wesentlichen Beitrag zur Unternehmenssicherung geleistet haben“, so Fraktionschef Michael Reul. Er fordert die Entscheider auf, die Pläne zu überdenken.

Kürzlich hatte Veritas, das zur Poppe-Veritas-Holding gehört, eine „umfassende Neuorientierung“ angekündigt, unter anderem wegen „zunehmend schwieriger Bedingungen“ in der Autoindustrie und der Produktionskosten in Deutschland. Die AIAC-Gruppe soll die Mehrheit der Unternehmensanteile übernehmen und die Zukunft von Veritas bestimmen. Zu den Bedingungen gehört offenbar, einen Großteil der Produktion ins Ausland zu verlagern und 700 Stellen zu streichen. Bei Poppe in Gießen stehen 20 Stellen auf der Liste, an Standorten in Sachsen und Thüringen 160.

Noch laufen die Verhandlungen in Gelnhausen, an denen auch Arbeitnehmervertreter teilnehmen. Laut Veritas gibt es keine Alternative zu den Maßnahmen und der Übernahme, nur so könne die Existenz dauerhaft gesichert werden. Der Konzern hatte erst 2019 entschieden, 360 von 1750 Arbeitsplätze abzubauen.

Der Betriebsrat und die Industriegewerkschaft Bergbau, Chemie, Energie (IG BCE) wehren sich gegen die aktuellen Forderungen: Diese bedeuteten, dass die Beschäftigten „nach jahrelangen Verzichtsrunden, in denen sie bereits über 40 Millionen Euro an tariflich zustehendem Einkommen in das Unternehmen investiert haben“, jetzt weitere Leistungen in Millionenhöhe erbringen sollten. Und der Stellenabbau würde große Teile der Belegschaft in die Arbeitslosigkeit schicken.

Darüber hinaus rügen die Gewerkschafter, dass die Manager einen erheblichen Zeitdruck aufgebaut hätten: Bis Mitte März müssten die Verhandlungen abgeschlossen sein, sonst platze der Deal womöglich.

Auch Landrat Thorsten Stolz (SPD) hatte die bevorstehenden Einschnitte kritisiert. Er bemängelte unter anderem, dass die Unternehmensspitze Mitarbeiter und Öffentlichkeit vor vollendete Tatsachen gestellt habe. Auch den Kreis habe das Management – anders als vereinbart worden sei – nicht informiert, rügte der Landrat.

Das Unternehmen gibt derzeit keine Stellungnahme ab.

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