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Krach bei den Linken

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Von: Pamela Dörhöfer

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Die Linken wählen am Samstag ihre Direktkandidaten für die Landtagswahl.
Die Linken wählen am Samstag ihre Direktkandidaten für die Landtagswahl. © Alex Kraus

Die Hanauer Stadtverordnete Nurhan Agit wirft dem Kreisvorstand der Linken selektive Einladungen vor: Zur Mitgliederversammlung hätten mehrere Mitglieder keine Einladung erhalten - und alle seien Migranten.

Kurz vor der Mitgliederversammlung des Kreisverbands Main-Kinzig der Linken am Samstag gärt es in der Partei. In einer Pressemitteilung erhebt die Hanauer Stadtverordnete Nurhan Agit schwere Vorwürfe gegen den Kreisvorstand; verschickt hat das Schreiben Jürgen Jacoby, Mitglied im Ortsbeirat Kesselstadt.

Die Linken wollen am Samstag im Rathaus Schlüchtern Direkt- und Ersatzkandidaten der Wahlkreise 40 (Altkreis Hanau), 41 (Hanau, Maintal, Großkrotzenburg, Erlensee) und 42 (Ostkreis) für die Landtagswahl wählen.

Nurhan Agit hält dem Kreisvorstand vor, dass mehrere Mitglieder keine Einladung erhalten hätten – und ergänzt: „Alle sind Migranten, was ich für keinen Zufall halte.“ Dabei handele sich um neue Mitglieder, aber auch um solche, die der Partei schon länger angehörten. Der FR sagte Agit, sie gehe von 18 Nicht-Geladenen aus, acht hätten sie persönlich angerufen. „Ich habe daraufhin Stadt- und Kreisverband angeschrieben, aber es kam keine Reaktion.“

Unterstellt Nurhan Agit dem Kreisvorstand damit Ausländerfeindlichkeit? Nein, sagt die 39-Jährige, deren Familie aus der Türkei nach Deutschland kam, es gehe eher um Interessen: „Vielleicht gibt es Bedenken, dass jemand mit Migrationshintergrund kandidieren könnte.“

„Ich könnte mir vorstellen, dass Nurhan Agit selbst antreten will“, sagt der Kreisvorsitzende Jens Feuerhack auf Nachfrage. Doch die Hanauerin verneint das: „Ich werde am Samstag nicht einmal dabei sein.“

Unabhängig davon stellt sich die Situation für Feuerhack anders dar: „Wir haben korrekt eingeladen, auch alle Migranten.“ Es seien aber keine Schreiben an Mitglieder gegangen, die erst kürzlich eingetreten seien und weder ihren Beitrag bezahlt noch eine Einzugsermächtigung erteilt hätten. Das habe mit der Satzung der Kreislinken zu tun, die eine sechswöchige „Probezeit“ vorsieht. Als Hintergrund für dieses Vorgehen führt der Kreischef Erfahrungen aus der Vergangenheit an: Kurz vor einer Wahl seien häufig Leute eingetreten – wohl, um einen Kandidaten zu unterstützen, wie er andeutet –, von denen man später nie mehr etwas gehört und keinen Beitrag erhalten habe. Alle, die bereits länger als sechs Wochen Mitglied seien, hätten eine Einladung für Samstag bekommen, auch sämtliche Migranten.

Auch einen weiteren Vorwurf lässt der Kreisvorsitzende nicht gelten: Nurhan Agit hatte den Veranstaltungsort in Schlüchtern kritisiert. Es sei fragwürdig, sich als Partei für den öffentlichen Nahverkehr einzusetzen „und dann in ein Rathaus zu bitten, das man ausschließlich mit dem privaten Pkw erreichen kann“. „Wir bestehen nicht nur aus Hanau“, sagt Feuerhack dazu, auch in der Region Schlüchtern gebe es Mitglieder. Außerdem seien Fahrgemeinschaften angeboten worden.

Als Direktkandidaten stehen bisher Thomas Maurer (Wahlkreis 40), Emine Pectas (41) und Helge Fitz (42) zur Wahl.

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