Langen.. 01.09.2015. Klaeranlage. Abwasserreinigung.

Main-Kinzig

Kommunen wollen Preis drücken

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Die Kosten für die Entsorgung von Klärschlamm steigen. 14 Projektpartner schreiben gemeinsamen einen Auftrag aus.

Andreas Hofmann (SPD) spricht von „Wild-West bei den Entsorgern von Klärschlamm“. Der Ronneburger Bürgermeister hat ein interkommunales Kooperationsprojekt angestoßen, dem sich nunmehr 14 Städte und Gemeinden angeschlossen haben. Anlass sind die laut Hofmann „explodierenden Preise“ für die Entsorgung von Klärwerkrückständen. Die Unternehmen nutzten die Situation aus, dagegen seien kleine Kommunen machtlos. Mit dem Kooperationprojekt wird nun auf Stärke gesetzt, um beim Preis mitreden zu können.

Das 3500-Einwohner zählende Dorf war bislang in der glücklichen Lage, die Schlämme aus der Verbandskläranlage, in die auch zwei Büdinger Stadtteile und ein Hofgut ihr Abwasser leiten, entweder im Kohlekraftwerk Staudinger verbrennen oder von Bauern abholen zu lassen. Letztere erhielten neun Euro pro Kubikmeter und obendrein geprüften Dünger für den Acker. 2017 wurde die Dünge- und Klärschlammverordnung nach den EU-Richtlinien verschärft. Auf sogenannten Roten Gebieten ist das Ausbringen künftig sehr begrenzt. Der Kreis spricht von einem „massiven Verlust“. Wegen der vielen Gewässerschutzgebiete schrumpfe die zulässige Fläche für Klärschlammdüngung auf wenige Hundert Hektar, so der Kreis auf Anfrage.

Verbrennung

Große Anlagenim Rhein-Main- Gebiet werden etwa in Heusenstamm (Energieversorgung Offenbach) und im Industriepark Höchst betrieben.

Das Kraftwerk Staudingerdarf neben Kohle unter anderem auch 60 000 Tonnen Klärschlamm im Jahr verbrennen (2013).

Monoverbrennunglautet eine künftige Gesetzesvorgabe, um aus der Asche den darin enthaltenen Phosphor zu entziehen. Dieser Phosphor kann dann als Dünger wieder auf den Acker ausgebracht werden. Somit ließen sich die knapper werdenden natürlichen Vorkommen schonen, die mit 190 Millionen Tonnen im Jahr abgebaut werden, 80 Prozent davon sind für Dünger.

Hofmann sieht in der Entwicklung den Ausstieg aus der landwirtschaftlichen Entsorgung. Mehr die billige Mitverbrennung in Staudinger zu nutzen, ist zum einen nur eine saisonale Alternative, weil der Block 5 mangels Rentabilität von Juni bis August kalt bleibt, zumindest noch in diesem Jahr, zum anderen eine ohne Zukunft ob des Kohleausstiegs.

Die Mitunterzeichner des Projektes finden sich in ähnlicher Situation wie Ronneburg. Maintal, Bruchköbel, die in Hanau klären lassen, und Hanau selbst sind nicht dabei, sie nutzten die Verbrennung der EVO in Heusenstamm und im Industriepark Höchst. Für die 14 Kommunen, darunter auch die Kreisstadt Gelnhausen, war bis zur Unterzeichnung eine Menge Vorarbeit nötig. Das Regierungspräsidium (RP) Darmstadt musste dem Vorhaben zustimmen, die Kreisverwaltung ins Boot geholt werden, um einen versierten Partner bei der Ausschreibung für die Entsorgung zu haben. Ein komplexes Thema. Es werden juristische und technische Experten benötigt, so Hofmann. Die Kosten hierfür werden vom Land übernommen. Wegen des Modellcharakters in Hessen will das Land die Zusammenarbeit mit 100 000 Euro fördern, heißt es. Die Ausschreibung wird so gestaltet, dass der Gewinner zunächst die vier besonders betroffenen Gemeinden Flörsbachtal, Hammersbach, Jossgrund und Ronneburg als Pilotkommunen bedient. Die zehn anderen Unterzeichner sollen sukzessive hinzukommen. Im Spätsommer soll es losgehen.

Um wie viel Prozent die Abwassergebühr in den 14 Kommunen steigen wird, darüber gibt es vor der Ausschreibung keine Prognose. „Sie werden steigen und ordentlich“, meint Hofmann. Ein nicht geringer Ausgabenposten stelle die Logistik dar. Potenzielle Verbrennungsanlagen liegen nicht im engeren Umkreis. Zudem müsse die Abholung in ein bis zwei Wochen erfolgen. Nicht nur die Entsorgungsdienstleistung wird mehr kosten. Es stehen zumeist auch noch Investitionen an. Der Schlamm kann mit einem Wasseranteil von höchstens 25 Prozent verbrannt werden. Mancherorts bedeutet das weitere Investitionen. Ronneburg hat für die Trockenanlage nunmehr rund 400 000 Euro ausgegeben.

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