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Uwe Hennecke zeigt sein Schifffahrtsbuch mit den Einträgen der Reeder.
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Uwe Hennecke zeigt sein Schifffahrtsbuch mit den Einträgen der Reeder.

In der Kombüse um die Welt

  • Detlef Sundermann
    VonDetlef Sundermann
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Hanau Uwe Hennecke arbeitete als Schiffskoch und erzählt gern aus seinem bewegten Leben

Herrn Hennecke braucht man nicht zu fragen, woher er kommt. Sein feiner norddeutscher Akzent verrät es sofort: Hamburg. Der Mann bekochte Mannschaften auf Frachtern. Uwe Hennecke hat die ganze Welt gesehen. Und wenn er seine Fotoalben durchblättert, dann erwartet man fast, dass eines der kleinen Schwarz-Weiß-Bilder ihn und den berühmten Hamburger Hans Albers in freundschaftlicher Pose zeigen könnte.

Am 8. Juli 1936 kam Hennecke „im Randgebiet von Hamburg“ zur Welt – als Sohn eines Gastronoms. Der berufliche Werdegang des Filius’ war somit vorgegeben. „Nach der Mittleren Reife suchte ich einen Ausbildungsplatz, aber das war schon damals schwierig.“ Im Umland der Hansestadt wollte man ihn nicht. „Der ist ja schon müde, wenn er zur Arbeit ankommt“, hieß es nur.

Die Hoffnung, auf festen Boden zu kochen, musste er aufgeben – zumindest vorerst. Hennecke blieb die Seemannschule Priwall bei Lübeck. In der Berufsbildungsstätte wurden Nautiker und Kombüsenpersonal geschult. Die Steuermänner in spe waren denn auch die ersten Bekochten. Nach ein paar Monaten kamen Passagiere und Mannschaften der Fähren dran, die zwischen Travemünde und Kopenhagen verkehrten. 1954 konnte Uwe Hennecke als Kochmaat bei einer Reederei anheuern.

Er lief Länder an und sah Städte, die auch manch heutiger, weit gereister Tourist nur aus den Inhaltsverzeichnis eines Atlas kennt. Flott reiht Hennecke Anekdote an Anekdote. „Einmal bin ich Marylin Monroe begegnet“, legt er mit einem Schmunzeln los. Die Filmdiva fuhr in einem Cabrio auf der Strandpromenade von New Orleans. Jedem Spaziergänger hielt die Monroe ein Füllhorn entgegen, um Geld für die Tornado-Opfer zu sammeln.“

Für eine Mannschaft an Bord zu kochen, ist anders als für Passagiere, sagt Hennecke. „Auf den großen Schiffen arbeiten Hotelköche in der Küche.“ Als Kochmaat sei man deshalb aber nicht weniger hohen Ansprüchen ausgesetzt. „Die Besatzung will ordentlich und ausreichend verpflegt werden.“

Die Vielzahl an Nationalitäten an Bord habe es in den 50er Jahren nicht gegeben, was den Menüplan etwas vereinfacht habe. Bei unruhiger See gab es bei Hennecke keine leichte Kost. Manch Esser in den Messen habe sich mit einer kleinen Portion begnügt. Gut so für den Küchenchef, denn bei Sturm dürften die Pötte nur halbvoll gemacht werden. Ihn selbst machte der unruhige Atlantik keinen flauen Magen. „Mich hat die stürmische See berauscht, vor allem nachts auf Deck“, schwärmt Hennecke.

Sehnsucht nach dem Frühling

Nach gut vier Jahren auf den Meeren stand der Wahl-Hanauer wieder an einem nichtschwankenden Herd. Er absolvierte eine Ausbildung als Hotelkoch und machte sich selbstständig, zunächst im Schwarzwald später in Gießen mit einem Hotel.

Viele, seinerzeit berühmte Künstler und Sportler beherbergte und bewirtete er, etwa die Sängerin Vicky Leandros. Im Album aus diesem Lebensabschnitt von Hennecke klebt eine Autogrammkarte von ihr mit Widmung und der Jahreszahl 1977. In Gießen lernte er auch seine Frau Ilse kennen. Sie war damals ein Tagungsgast und ist der Grund, warum Hennecke heute in Hanau lebt.

Die Seefahrt ist in Henneckes Erinnerungen noch sehr präsent – als sei er vor gar nicht langer Zeit letztmalig die Landungsbrücke hinuntergegangen. Es war das Heimweh, dass ihn an Land zurückbrachte. „Wenn ich im Frühling den Duft der erwachenden Natur vernahm und an der Alster die jungen Liebespaare Arm in Arm flanieren sah, da spürte ich, wie einsam ein Seemann sein kann.“ Und eines Tages sagte er sich: „Nee, du brauchst doch ein bisschen Geborgenheit.“ Und Uwe Hennecke musterte ab.

Uwe Hennecke berichtet am Montag, 5. September, im Erzählcafé Nordwest, Reichenberger Straße 59 aus seinem Leben. Beginn ist 15 Uhr.

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