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Halskette mit chinesischem Knoten: Nadescha Michailoff (vorne) und das Team der Schmuckwerkstatt im Brockenhaus.
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Halskette mit chinesischem Knoten: Nadescha Michailoff (vorne) und das Team der Schmuckwerkstatt im Brockenhaus.

Hanau Schmuckwerkstatt im Brockenhaus

Knoten, Kordeln, Kugeln

Behinderte Kunsthandwerker entwickeln im Hanauer Brockenhaus eine Schmuck-Kollektion mit Designerin Sanja Zivo.

Von Sebastian Meineck

Behinderte Kunsthandwerker entwickeln im Hanauer Brockenhaus eine Schmuck-Kollektion mit Designerin Sanja Zivo.

Wir sind alles Pioniere, mit viel Fantasie und einem großen Tatendrang!“, sagt Nadescha Michailoff, Mitarbeiterin der Schmuckwerkstatt im Brockenhaus. Vor ihr auf dem Tisch liegen Skizzen, Holzkugeln, Lineale und Bleistifte. Auf Staffeleien stehen Büsten aus Styropor mit Ketten um den Hals. Mit einem Knoten verschließt Michailoff eine Kette aus Leder und Holzperlen. „Das ist ein flacher, chinesischer Zierknoten“, erklärt sie. Weiter unten sind die Fäden der Kette miteinander verflochten, damit sie sich nicht verheddern. „Das mit dem Flechten war meine Idee.“

Echte Handarbeit

Seit Juni arbeitet Michailoff als eine von rund zehn behinderten Mitarbeitern des Behinderten-Werks Main-Kinzig an einer eigenen Schmuck-Kollektion. Alles, was sie dazu braucht, hat sie hier gelernt. „Wie sind keine Goldschmiede“, erklärt sie. „Wir müssen alles mit den Händen machen.“ Thea Zappino betreut die Gruppe, die künstlerische Leitung hat die Designerin Sanja Zivo. Mit den behinderten Mitarbeitern hat sie Schmuck-Zeitschriften durchstöbert, das Goldschmiedehaus besichtigt und die Zeichenakademie besucht. Dann ging es darum, eigene Entwürfe zu entwickeln. „Ich bin überzeugt, dass ausnahmslos jeder Mensch ein kreatives Potenzial hat“, sagt Zivo. „Es ist bei jedem wie eine Software einprogrammiert.“

Mehr als 100 Schmuckstücke haben die Kunsthandwerker in den ersten drei Monaten skizziert. Die Designerin Zivo musste die Kreativität der Gruppe sogar etwas bremsen, weil einige Ideen handwerklich nicht umsetzbar waren. Mit acht Entwürfen für Halsketten startet die neue Kollektion.

Mitarbeiter Sebastian Jung konnte kaum abwarten, die Skizzen umzusetzen. „Die Planung ist wichtig, aber sie hat lange gedauert, so viel Papier die ganze Zeit!“, erzählt Jung, der ausgebildeter Friseur ist, und fügt hinzu: „Mir geht es mehr ums Handwerkliche.“ Er sitzt vor einer Korkplatte, darin stecken Nadeln mit bunten Köpfen. Sie spreizen eine Kette, damit man sie besser knoten kann. Die Ketten, die zurzeit im Brockenhaus herstellt werden, bestehen aus Olivenholz-Kugeln und gefärbten Leder- oder Textilkordeln. Die Kugeln werden durch Knoten in der Kordel fixiert. Gedrechselt wurden sie in einer Behindertenwerkstatt in Mönchengladbach.

„Die Holzkugeln haben schon von sich aus ein Design: die Maserung, die ihnen die Natur gegeben hat“, sagt Zivo. Die Kollektion aus dem Brockenhaus wirke schlicht und verspielt. „Ich glaube, dass der Schmuck seine Träger glücklich macht“, sagt sie.

Bald sollen Anhänger und Armbänder die Kollektion erweitern. Einige Schmuckstücke werden mit Silber und Edelsteinen verziert. Zivo könnte sich auch vorstellen, hessisches Apfelholz zu Schmuck zu machen, aber erst nachdem der Verkauf der Ketten etwas Gewinn eingebracht hat.

Professionelle Vermarktung

„Wir werden den Schmuck richtig vermarkten“, sagt Zivo. Die preiswerten Schmuckstücke sollen etwa 30 Euro kosten, die edleren bis zu 300 Euro. In einer Woche könnte das Team etwa 20 Ketten produzieren.

Ab Freitag, 20. September, werden die Ketten im Congress Park Hanau ausgestellt und dann im Werkladen des Brockenhauses verkauft. Im Congress Park werden auch sechs weitere Künstler ihre neusten Stücke zeigen. Nadescha Michailoff ist schon aufgeregt, ihre Arbeit der Öffentlichkeit zu präsentieren. „Ich hoffe wir schaffen das, mit all den Profis um uns herum!“, sagt sie und zupft die Kette an einer Styropor-Büste zurecht.

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