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Damit in Hanau auch langfristig besonders kleine Frühchen behandelt werden können, soll die Klinik modernisiert werden.

Hanau

Neues Eltern-Kind-Zentrum

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Das Klinikum Hanau plant Investitionen von 90 Millionen Euro in den nächsten Jahren. 

Wirtschaftlich war 2018 ein gutes Jahr für das Klinikum Hanau: Nach Angaben von Geschäftsführer Volkmar Bölke erzielte das städtische Krankenhaus ein Plus von rund einer Million Euro und lag damit zwar 200 000 Euro unter dem Vorjahresresultat, aber 300 000 Euro über dem Ziel im Wirtschaftsplan.

Claus Kaminsky (SPD), OB und Vorsitzender des Aufsichtsrats, spricht von einem sehr zufriedenstellenden und – wenn man auf die Verluste benachbarter Kliniken blicke – „alles andere als selbstverständlichen“ Ergebnis. Bölke und er müssen aber längst nach vorne schauen; sie planen für die nächsten Jahre Rekordinvestitionen von etwa 90 Millionen Euro. Ein großer Teil soll in ein neues Eltern-Kind-Zentrum fließen, das die modernsten Anforderungen erfüllt – auch jene für den Level-1-Status der Geburtsklinik, die als einzige im Main-Kinzig-Kreis Frühgeborene mit einem Gewicht unter 1250 Gramm behandelt. Zudem sind umfangreiche Sanierungen und Neubauten geplant. Laut Kaminsky ist die Modernisierung absolut notwendig, sonst wäre „ein Bedeutungsverlust“ des Maximalversorgers, der jährlich 100 000 Patienten aus der gesamten Region behandelt, programmiert.

Sorgen bereiten den Verantwortlichen mangelnde Zuschüsse für die Erneuerung sowie Gesetzesänderungen, die mit großen Risiken behaftet seien. Bölke spricht nicht mehr von Wirtschaftsplänen, sondern nur von Prognosen. Es geht ihm besonders um das seit Januar geltende Pflegepersonal-Stärkungsgesetz: Pflege wird aus den Fallpauschalen genommen und nach dem Prinzip der Selbstkostendeckung gesondert finanziert. Hinzu kommt die geforderte Mindestbesetzung in Bereichen, in denen Pflege besonders wichtig ist.

Richtige Grundgedanken, betont Bölke. Allerdings würden damit 25 Prozent der Klinikerlöse neu definiert. Sie müssten mit den Kassen mit ungewissem Ausgang verhandelt werden, auch weil der gesetzliche Rahmen noch nicht endgültig abgesteckt sei.

Angesichts des Fachkräftemangels hat das Krankenhaus laut Bölke bereits 2018 mit Hilfe von Agenturen im Ausland zusätzliche Pflegekräfte gewonnen. Doch ob und wann das dafür aufgelegte Förderprogramm alle Kosten decke, sei ebenfalls nicht sicher. Nichtsdestotrotz müsse das Klinikum weiter Überschüsse machen, um modernisieren zu können. Finanzspritzen von der Stadt, wie sie der Kreis kürzlich seinen Kliniken zukommen ließ, seien aus rechtlichen Gründen nicht möglich, sagt Kaminsky.

Denn solche Zuschüsse und Bürgschaften könnten nur das Land, Landkreise und kreisfreie Städte leisten – weil sie nach aktueller Rechtslage einen „Sicherstellungsauftrag“ hätten. Im Gegensatz zur Sonderstatusstadt Hanau, die zwar mehr Aufgaben als Kreiskommunen übernimmt, aber nicht kreisfrei ist.

Würde die Stadt die Investitionen mitfinanzieren, setzte sie sich einem hohen Klagerisiko aus, auch wegen möglicher Verstöße gegen das EU-Verbot staatlicher Beihilfen. Für den OB ein weiterer Grund, für die Kreisfreiheit zu werben und für ein neues Gesetz zum Sicherstellungsauftrag.

Klinikumbilanz

Stationär wurden 2018 – wie 2017 – 35 000 Patienten behandelt, in der Notaufnahme 35 700 (2017: 36 600). Ende 2018 arbeiteten 23 Vollzeitkräfte mehr im Klinikum als ein Jahr zuvor.

Die Geburtenzahl lag 2018 bei 1553 – ein Plus von drei Prozent gegenüber 2017. 39 Kinder kamen mit weniger als 1500 Gramm zur Welt, 31 wogen weniger als 1250 Gramm.

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