Kirchenkreis Hanau-Stadt

Kirche wagt sich an neue Orte

  • Wiebke Rannenberg
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Das Themenjahr „Ich sehe Dich – Toleranz leben“ des Kirchenkreis Hanau-Stadt endet am Sonntag mit einem Gottesdienst im Kino. Das Fazit ist positiv: Mit dem Thema seien viele Menschen angesprochen worden, Junge und Alte, Christen und Nicht-Christen.

Die Kirche hat sich an neue Orte gewagt, Menschen kamen in Kontakt, die sich sonst nicht begegnet wären, viele Diskussionen, auch über heikle Themen, wurden geführt. Das sind einige Punkte, die die Organisatoren zur Bilanz des ersten Themenjahres im Kirchenkreis Hanau-Stadt aufzählen. „Ich sehe Dich – Toleranz leben“ lautet das Motto des Jahres, das am Sonntag mit einem Gottesdienst im Kino endet.

„Es war ein Erfolg“, sagt Dekanin Claudia Brinkmann-Weiß. Mit dem Thema seien viele Menschen angesprochen worden, Junge und Alte, Christen und Nicht-Christen. So hätten zum Beispiel Muslime und Mitglieder des Ausländerbeirats „sehr positiv“ auf den Toleranz-Schwerpunkt reagiert, sagt sie. Und die Kirche habe vermitteln können, dass sie „auch über Sparbeschlüsse hinaus thematisch etwas zu sagen hat“.

86 Meter für Toleranz

Im Laufe des Jahres kamen viele Aspekte der Toleranz in die Diskussion: Religiöse, kulturelle, sexuelle und familiäre. So ging es im Science-Fiction-Film Avatar, den die Kirche im Kinopolis zeigte, um einen Menschen und einen Außerirdischen, die mitten im Krieg ihrer Welten die Gräben zwischen ihren Rassen und Kulturen überwinden. Den Fotowettbewerb für Schulen gewannen zwei Mädchen, die eine Fotogeschichte mit einem lesbischen Paar im Mittelpunkt erdacht hatten.

Die „Tafel der Toleranz“ in der Altstadt wurde 86 Meter lang: Immer mehr Menschen kamen mit Speisen und Getränken, setzen sich dazu und unterhielten sich. Und beim Festival der Kulturen standen Christen, Muslime und Buddhisten zusammen vor dem Altar. Im Abschlussgottesdienst steht unter dem Motto „Driving home for Christmas“ die Toleranz in der Familie im Mittelpunkt.

Es sei es gelungen, auch kirchenferne Menschen mit der Kirche in Kontakt zu bringen, sagt Jens Heller, Pfarrer in Maintal-Bischofsheim. Dabei habe er nicht die Erwartung, dass derjenige, der der Kirche ins Kino gefolgt sei, sich dann unbedingt auch für die Gottesdienste am Sonntagvormittag begeistern kann. Deshalb sei es wichtig, „dass wir auch andere Formate anbieten“.

Und auch in manchen innerkirchlichen Gruppen sei die Toleranz herausgefordert worden, berichtet Heller. Zum Beispiel als es um die Fotos von dem lesbischen Liebespaar ging. Oder um die Frage, ob die Kirche gerade diesen Hollywood-Streifen im Kino zeigen sollte.

Mit der NPD reden

Doch das Wesen der Toleranz sei ja gerade, mit den Menschen zu sprechen und auch „das auszuhalten, was mich stört“, sagt Brinkmann-Weiß. Deshalb könne sie auch mit einem Mitglied der NPD reden, sagte Brinkmann-Weiß mit Blick auf die Demonstration gegen drei NPD-Kundgebungen im Herbst in Hanau. Doch auch dann noch seien Hass und menschenfeindliche Ideologien von der Toleranz ausgeschlossen.

Ein neues Themenjahr könnte es in einigen Jahren wieder geben, sagen die Organisatoren. Doch einzelne Elemente könnten auch schon im kommenden Jahr wiederholt werden, zum Beispiel die „Tafel der Toleranz“.

Der Gottesdienst „Driving home for Christmas“ beginnt am Sonntag, 22. Dezember, 11 Uhr, im Kinopolis, Am Steinheimer Tor 17. Im Foyer wird ab 10.30 Uhr ein Rückblick auf das Themenjahr präsentiert.

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