Die Polizei war mit einem Großaufgebot vertreten.
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Die Polizei war mit einem Großaufgebot vertreten.

Ostermarsch

Keine Rechten beim Ostermarsch

Die hessische Auftakt-Veranstaltung verläuft friedlich, ein Großaufgebot der Polizei ist vor Ort.

Von Christoph Süß

Der Ostermarsch verlief am Freitag in Bruchköbel ohne Zwischenfälle. Über 200 Menschen demonstrierten trotz der kühlen Witterung rund zwei Stunden lang gegen Krieg, Faschismus und Nazis. Die Veranstalter zeigten sich mit dem Ablauf zufrieden – die Rechten blieben in diesem Jahr dem Freien Platz fern, ein Großaufgebot der Polizei war vor Ort.

Im Vorfeld des Ostermarsches hatte es Aufregung über die Entscheidung von Stadt, Polizei und Verwaltungsgericht gegeben, den Kräften aus der rechten Szene eine Teilnahme zu ermöglichen. „Das haben wir mit unseren Haltung verhindert“, sagte Mitveranstalter Alexandre da Silva vom DGB in Hanau. So hatte er zivilen Ungehorsam im Vorfeld nicht ausgeschlossen.

Auflagen erteilt

Nur ein Mal – ungefähr eine halbe Stunde nach Beginn der Kundgebung – kam an dem Nachmittag auf dem Platz Unruhe auf, als das Gerücht die Runde machte, Rechte seien im Anmarsch. Sofort formierten sich – wie offensichtlich zuvor abgesprochen – Demo-Teilnehmer aus der antifaschistischen Szene, um ihnen die Stirn zu bieten und sie von der Kundgebung auszuschließen.

„Die Teilnehmer haben sich dazu entschlossen, die Veranstaltung zu schützen“, sagte da Silva durch sein Mikro auf der Bühne; in den Vorgesprächen hatte die Polizei den Veranstaltern – neben dem DGB waren das das Bündnis gegen Rechts und die Hanauer Friedensplattform – die Auflage erteilt, deeskalierend zu wirken.

Wenige Minuten später und nach einem eindringlichen Gespräch der Polizei mit einigen Teilnehmern wurde die Kundgebung fortgesetzt. Nach der Linken-Bundestagsabgeordneten Christine Buchholz, Arno Enzmann vom DGB und Nadide Aydin von der Jugendorganisation der Föderation Demokratischer Arbeitervereine sprach der Frankfurter Pfarrer Hans Christoph Stoodt. Er erneuerte seine Kritik an der Klarstellung des Gerichts.

Gier nach Bodenschätzen

„Ich bin gespannt, wie das am 1. Mai aussieht“, sagte Stoodt zur strengen Anwendung des Versammlungsrechts durch die Polizei. Der Bruchköbeler Marsch bildete auch in diesem Jahr den Auftakt zu den Kundgebungen am Wochenende. Die Teilnehmer kamen überwiegend von außerhalb. Ein Auto, in dem mutmaßlich Mitglieder der jungen Neonazi-Szene saßen, machte nach Polizeiangaben am Ortseingang kehrt – die Stadt hat den fünf Personen auf Antrag kurzfristig erlaubt, in Roßdorf zu demonstrieren.

Fast alle Redner auf dem Freien Platz gingen auf die Einsätze der Bundeswehr im Ausland ein. „Krieg erzeugt neuen Terror“, sagte Buchholz mit Blick auf Mali. Aydin kritisierte das „imperialistische Denken“ vieler Staaten und ihre Gier nach Bodenschätzen. Enzmann, ehemals DGB-Vorsitzender im Kreis, erinnerte an seine Kindheit in Trümmern im Nachkriegsdeutschland. „Lasst euch nicht provozieren“, lautete sein Appell an die Jugend.

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