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Kein echter Schutz vor Giftwolken

  • Detlef Sundermann
    VonDetlef Sundermann
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Bei Chemieunfällen wären auch in Hanau viele Menschen in Gefahr

Die jüngsten Chemieunfälle in Mönchengladbach und Wülfrath haben gezeigt, das auch für die Bevölkerung in vermeintlich sicheren Abständen ein nicht unerhebliches Risiko besteht. Die Stadt Hanau, in der zehn von 65 hessischen Störfallbetrieben nach der Seveso-II-Richtlinie liegen, hatte am 8. August ein Gutachten des TÜV Nord vorgestellt, das eine Verkleinerung der so genannten Achtungsgrenzen (Schutzzonen) für zulässig hält. Ein Teil der Betriebe befindet sich zwischen der Innenstadtbebauung, die sich über Jahren ausgebreitet hat. Die Schutzzonen nach der Seveso-Vorgabe, die die Europäische Union 2002 überarbeitet hat, hätten fast die gesamte Innenstadt überdeckt, was ein Hemmnis für die künftige Stadtentwicklung bedeutet hätte.

Bei der Feuerwehr Hanau stellt man das TÜV-Gutachten nicht in Frage, aber "es beruht nur auf einem annehmbaren Störfall", sagt Peter Hack, stellvertretender Leiter der Feuerwehr. Diese Situationen lassen sich von kommunalen und betrieblichen Wehren unter Kontrolle bekommen. Gemeinschaftliche Übungen hätten die Wehren zu einem Team gemacht, sagt Hack.

Die Wirklichkeit hält sich selten an theoretische Szenarien, sagt er und verweist auf den Unfall im Mönchengladbach am 18. August. Im Lacklager einer Fabrik entzündete sich Sägemehl in einer Holzkiste, die automatische CO2-Löschanlage sprang an, stoppte aber nicht, nachdem das Feuer aus war.

Das Kohlendioxid, das schwerer als Luft ist, strömte aus dem Gebäude und verteilte sich in den Straßen, in denen sich skurrile Szenen abspielten. Automotoren erstarben, Zweiradfahrer rutschten während der Fahrt vom Vehikel und zu Boden. 107 Menschen wurden verletzt. Im Umkreis von zwei Kilometern musste der Unfallort abgesperrt werden. Mit zwei Hubschraubern wurde die lebensbedrohliche Gaswolke am Ende aufgelöst.

Eine defektes Sicherheitsventil ließ am Montag in Wülfrath bei Düsseldorf 300 Liter einer giftigen Lösung in die Umwelt entweichen. Mehr als 50 Menschen in dem Gewerbegebiet kamen zu Schaden.

Anwohner in 600 bis 700 Meter Entfernung mussten auf Anweisung der Behörden die Fenster geschlossen halten. Die Menschen waren einer Geruchsbelästigung ausgesetzt, teilte Silke Volz-Schwach, Referentin der Bürgermeisterin, der FR mit. "Die Windrichtung stand am Montagmorgen günstig für die Kernstadt", sagt Volz-Schwach.

Das Chemieunternehmen der US-amerikanische Ashland-Gruppe ist laut Bezirksregierung Düsseldorf nach Seveso II als ein Störfallbetrieb eingestuft. Weil es sich aber um eine Altanlage handelt, wurde keine Achtungsgrenze ausgewiesen. Diese könnte aber nach dem Zwischenfall "zur Diskussion stehen", heißt es. Neues Gewerbe könnte sich dann in der Nähe der Fabrik nicht ansiedeln.

Nicht jeder gravierende Störfall werde gleich als solcher erkannt, sagt Feuerwehrmann Hack. Dies habe sich deutlich in Mönchengladbach gezeigt. Auch die Ausbreitung der Schadstoffwolke sei oft schwer zu kalkulieren. Dies gelte auch bei Bränden, bei denen Giftstoffe mit der Hitze zunächst in die Höhe getragen werden und manchmal erst mehrere Kilometer entfernt zu Boden sinken.

Für Martin Bieberle, Leiter des Hanauer Stadtplanungsamtes, gibt es "überhaupt keinen Anlass", die Empfehlungen des TÜV Nord zu überdenken und größere Achtungsgrenzen einzuführen. "Die technischen Anlagen in Hanau sind auf einem guten Standard", erklärt Bieberle.

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