Wie in alten Zeiten - bereits im Foyer.
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Wie in alten Zeiten - bereits im Foyer.

Kino

Karten gibt's von der Rolle

  • Detlef Sundermann
    vonDetlef Sundermann
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Mit moderner Technik, Engagement und Qualität soll den Mulitplex-Filmpalästen getrotzt werden. In Gelnhausen geht es daher richtig nostalgisch zu.

Das Kino als feste Institution in einer Kleinstadt – in Gelnhausen gibt es das noch. Die cineastische Grundversorgung der Barbarossastadt begann mit „Die schönste Frau der Welt“. Von Dolby Digital wusste man damals noch nicht einmal zu träumen. Ein Mann interpretierte auf einem Klavier für den Stummfilm die Emotionen der Akteure. Das Ehepaar Rosa und Georg Schneevogl eröffnet am 3. Oktober 1924 im Herzbachweg 3 mit diesem Streifen das „Casino“. Vier Jahre darauf wird der Pianospieler nicht mehr benötigt, der erste Tonfilm flimmert über die Leinwand.

Noch immer werden im „Casino“ Filme vorgeführt und noch immer ist das Kino in der Hand der Familie. Inzwischen leitet die Urenkelgeneration das Lichtspielhaus, das in einem Gebäude der Stadt untergebracht ist. Zusätzliche bauten sich die Schneevogls vis-à-vis im Jahr 1952 das Kino „Park-Lichtspiele“, das verkürzt als „Pali“ firmiert.

„Unser Publikum kommt vor allem aus Gelnhausen und dem näheren Umkreis“, beschreibt Stephan Schneevogl den Einzugsbereich. Mit dem Programm von Blockbuster bis Arthaus in den beiden Sälen will Schneevogl, Jahrgang 1975, alle Altersgruppen erreichen – was bei Kindern und Familien gut gelingt.

„Es wird zunehmend schwieriger, Jugendliche ins Kino zu holen“, sagt er. Die Ursache macht er nicht an der Qualität der Filme fest, sondern am großen Freizeitangebot: PC-Spiele und Internet machten es den Lichtspieltheatern schwer. Überdies ließen sich im Netz aktuelle Kinofilme legal oder illegal herunterladen, so Schneevogl.

An der Existenz des Kinos nage auch das Home-Cinema. „Wer sich zu Hause für viel Geld einen großen Flachbildschirm und eine Dolby-Surround-Anlage hinstellt, den sehen wir nicht mehr wieder“, weiß der Kinomanager.

Dass ein Kinosterben wie in 70er und 80er Jahren grassieren wird, glaubt er jedoch weniger. Besonders Kinder und Familien schätzten das Erlebnis, im Saal gemeinsam einen Film zu sehen. Zudem hat die Technik im „Pali“ und „Casino“ mit Digitalprojektoren aufgeholt.

Verleiher knebeln

Dass die Produktionen der Traumfabriken nicht mehr auf großen und schwergewichtigen Spulen geliefert werden, erklärt er auch mit der geänderten Geschäftspolitik der Verleiher. „Mit der Digitalisierung sind aber leider keine flexibleren Strukturen beim Verleih eingeführt worden.“ Schneevogl muss einen Film für mindestens drei Wochen mieten. Spielt der Streifen nach der Hälfte der Zeit nicht mehr genug für das rund 320 Sitzplätze große „Pali“ ein, läuft er im „Casino“, dass hundert Sitze weniger zählt.

Ob das neu eröffnete Hanauer Multiplexkino Publikum aus Gelnhausen abzieht, hat sich noch nicht erwiesen. „Bisher waren wir bei den aktuellen Filmen gleichauf. Die Nagelprobe wird sich mit ’Mission Impossible’ ergeben, der in Hanau früher anlaufen wird“, sagt der 37-Jährige.

Bei den Schneevogls weiß man aber auch, dass beim Kunden nicht immer der Film im Mittelpunkt des Abends steht. Seit drei Jahren befindet sich im „Pali“ auch ein Restaurant. Überdies versucht man das Publikum mit günstigen Eintrittspreisen, persönlicher Atmosphäre und ein bisschen Nostalgie zu halten. So gibt es an der Kassentheke die Kinokarte noch von der Rolle.

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