Der Protest der Betroffenen ist weithin sichtbar.
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Der Protest der Betroffenen ist weithin sichtbar.

Hanau

Kampf für gute Kinderbetreuung

Auf dem Hanauer Marktplatz haben am Wochenende rund 100 Eltern und Erzieher gegen das neue Gesetz der Landesregierung für die Kinderbetreuung protestiert. Sie befürchten, dass die Situation in Hanau aufgrund geringerer Mittel schlechter wird.

Von Christoph Süß

Samstag, zehn Uhr, es schneit und es ist kalt auf dem Markt. Trotzdem kommen den Käufern schon von Weitem Frauen mit roten Ansteckern, gelben Luftballons und Unterschriftenlisten entgegen. Rund 100 von ihnen haben ihre Freizeit geopfert, um gegen das neue Gesetz der Landesregierung zur Kinderbetreuung mobil zu machen. An anderen Orten im Kreis gab es bereits ähnliche Aktionen – die in Hanau ist vermutlich die Größte.

Sowohl die städtischen als auch die evangelischen und katholischen Kindertagesstätten machen mit, Kirche und Stadt begrüßen den gemeinsamen Protest von Erziehern und Eltern – den unmittelbar Betroffenen – ausdrücklich. „Wir schaffen unsere Aufgaben schon jetzt nicht“, sagt Personalrätin Kathrin Philipps.

Die städtischen Kitas haben für Philipps ausgerechnet, dass die Kommune mit dem vom Land geplanten, neuen Förderschlüssel 80 Stellen weniger finanzieren könnte. Angesichts der knappen Kassen der Stadt und des Sparzwangs, den das Land ihr auferlegt hat, drohe die Personalsituation und damit der Betreuung der Kinder schlechter zu werden.

Sozialstadtrat Axel Weiss-Thiel, der das protestierende Personal und die Eltern am Samstag gegen Mittag mit einem Besuch moralisch unterstützt, lässt indes keinen Zweifel daran, dass die Stadt nicht gewillt ist, von ihrem Standard bei der Kinderbetreuung abzurücken. Die 650000 Euro, die die Stadt ab 2014 voraussichtlich vom Land weniger für diese Aufgabe bekomme, wolle er notfalls an anderer Stelle sparen. „Wir werden dafür kämpfen“, sagt der SPD-Politiker.

In Hanau haben die Kitas länger offen als anderswo, doch das Land zahlt nur den Landesschnitt. Außerdem sind in Hanau in jeder Gruppe maximal 20 Kinder. Das Land gibt als Höchstgrenze die Zahl von 25 aus. „Das geht nicht“, sagt Kathrin Philipps. Nicht einmal zwei Stellen pro Gruppe gibt es. Auf den Schildern der Erzieherinnen und Eltern steht deshalb „KiföG so nicht!“ und „Kita-Qualität im Sinkflug“.

Katja und Florian Leißner haben mehrere Ballons an ihrem Kinderwagen befestigt. Ihre beiden kleinen Kinder werden in einem Kindergarten in konfessioneller Trägerschaft betreut. Dessen Leiterin hat die Eltern – wie viele andere – vorab über die Aktion auf dem Platz informiert. „Wir müssen beide arbeiten, damit das Geld reicht“, sagen sie. Vor der von der Stadt geplanten Gebührenerhöhung graut es ihnen.

Die Stadt will künftig mehr Geld für die Kinderbetreuung verlangen, um das Defizit ihrer Kitas zu verringern. Nicht einmal zehn Prozent der Kosten werden im Moment durch die Gebühren der Eltern abgedeckt. Dies liegt daran, dass ein Großteil von ihnen davon komplett befreit ist. „Das Geld reicht einfach nicht“, sagt Kathrin Philipps. Aufgrund des hohen Anteils von Migrantenkindern mit Sprachdefiziten sei der Arbeitsaufwand enorm.

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