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Sebastian Nellies schreibt gerade seine Abschlussarbeit in Humangeographie.

Hanau

Kampf gegen Asphaltwüsten

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Hanau Sebastian Nellies soll als neuer Klimaschutzmanager das Schutzkonzept vorantreiben.

Sebastian Nellies hat sich einiges vorgenommen und weiß, dass manchmal „viel Überzeugungsarbeit“ notwendig sein wird. Doch er ist Überzeugungstäter: „Klimaschutz und Nachhaltigkeit sind die Grundvoraussetzungen dafür, dass wir in Zukunft so leben können, wie wir es möchten. Und sie sind ein Teil der Generationengerechtigkeit“, sagt er. Nellies will deshalb die Energieberatung in Hanau ausbauen, ebenso Fortbildungen für Betriebe zu ökologischem Bauen und Kampagnen für Solarenergie sowie Entsiegelung starten.

Nellies, Jahrgang 1991, ist seit Oktober Klimaschutzmanager der Stadt. Seine Aufgabe ist es, die Umsetzung des Schutzkonzepts zu fördern und zu koordinieren. Noch studiert Nellies Humangeographie an der Goethe-Uni, wo er sich mit den Themen Umwelt, Wohnen und Verkehr befasst. Anfang 2019 will der gebürtige Offenbacher seine Abschlussarbeit abgeben. Er hat die Stadt während eines Praktikums in der von Anja Zeller (Grüne) geleiteten Stabsstelle für nachhaltige Strategien überzeugt - auch mit seiner Kampagne für Entsiegelung.

Dabei sollen Grundstücksbesitzer mit Anreizen – zu denen eine geringere Abwassergebühr gehört –, angeregt werden, aus versiegelten wieder grüne Flächen zu machen. Nellies will ein Kataster erstellen, das die potenziellen Orte für mehr Grün, etwa Höfe, zeigt.

Mit dem Humangeographen soll auf der Stelle des Klimaschutzmanagers endlich Kontinuität einkehren. Erst dauerte es etwa zwei Jahre, bis die Stelle besetzt war, da Hanau länger auf Zuschüsse wartete. Roswitha Peters, die im September 2015 startete, blieb nur ein Jahr, aus privaten Gründen, hieß es. Und ihr Nachfolger Marco Tornow, der zwei Jahre für die Stadt tätig war, hat es vorgezogen, ins Geschäft mit Lastenrädern einzusteigen, als umweltfreundliche Alternative zum Lieferdienst mit Kleinlastern.

Der Posten des Klimaschutzmanagers wurde bisher mit 85 Prozent vom Bund gefördert, in den nächsten beiden Jahren sind es 56 Prozent. Der Magistrat hat bereits beschlossen, die Stelle zunächst bis 2020 zu erhalten.

Das Parlament hat das Hanauer Schutzkonzept 2013 beschlossen. Die Stadt verpflichtet sich darin zum Beispiel, den CO2-Ausstoß bis 2020 gegenüber 2008 um gut 20 Prozent zu verringern, mehr auf Solarenergie zu setzen und die Ökobilanz in städtischen Gebäuden zu verbessern. Ein Teil der Projekte wurde zumindest weitgehend verwirklicht, etwa die Umstellung auf LED-Straßenlaternen, Broschüren mit Klimaschutztipps oder eine Fördermittelberatung. Das CO2-Ziel werde erreicht, so die Stadt. Doch es gibt noch viel zu tun. Zu den bislang nicht umgesetzten Maßnahmen zählen etwa die „Stärkung des Fußgängerverkehrs“, urbane Gärten auf öffentlichen Flächen und ein Förderprogramm für energetische Altbausanierung.

Nellies ist in Hanau verwurzelt und auch kulturell aktiv, etwa bei der Theatergruppe „Die Dramateure“. Er wolle bleiben, auch weil man als Klimaschutzmanager „einen langen Atem braucht“. 

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