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Junges Blut wird benötigt

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Von: Detlef Sundermann

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DRK-Chef Ralf-Rainer Piesold mit einer alten Festschrift mit einem Foto von Henri Dunant.
DRK-Chef Ralf-Rainer Piesold mit einer alten Festschrift mit einem Foto von Henri Dunant. © Jülich

Hanau Der DRK Ortsverein feiert 125-jähriges Bestehen / Es mangelt an Nachwuchs

Der Hanauer Verein des Roten Kreuzes kann auf eine lange Geschichte zurückblicken: Vor 125 Jahren ist er gegründet worden. Aus diesem Anlass kamen am Samstag knapp 100 Gäste zur akademischen Feier in Schloss Philippsruhe. Der Vorsitzende des DRK Hanau, Ralf-Rainer Piesold, blickte bei dem Fest auf die Historie zurück.

Am 29. Februar im Schaltjahr 1888 schlossen sich nach einem Vortrag des Frankfurter Konsuls Mappes 36 Männer des Kriegervereins zu einer Sanitätskolonne zusammen. Das war eine Folge der vorangegangenen Gemetzels auf den Schlachtfeldern. Der Deutsch-Französische Krieg von 1870/71 soll nach Piesolds Darstellung mit zur Schaffung einer Roten-Kreuz-Gruppe in der Stadt beigetragen haben. An die Versorgung von Zivilisten war dabei eigentlich nicht gedacht worden.

Nach der Gründung kam es allerdings lange Jahre zu keinem erneuten Krieg. Die ehrenamtlichen Helfer übten sich deshalb in der ambulanten Verletztenpflege oder standen als Ersthelfer bei Veranstaltungen wie Turnfesten oder dem Jubiläum zu 300 Jahren Neustadt bereit.

Im Jahr 1911 – man hatte sich fünf Jahre zuvor vom Kriegerverein getrennt – eröffneten die Rot-Kreuzler die erste Rettungswache der Stadt, die nach heutigen Maßstäben mit völlig unzureichendem Gerät ausgestattet war. So soll das Rettungsfahrzeug aus einer Trage bestanden haben, die zwischen zwei Fahrrädern befestigt war.

Während des Ersten Weltkriegs wurden Zehntausende Verletzte versorgt

Die Sanitätskolonne versorgte dann während des Ersten Weltkriegs 21000 deutsche und 15500 ausländische Soldaten. Nach Kriegsende kam es zu einer deutlichen Entwicklung und Vergrößerung des Vereins. So wurde das DRK Hanau um eine 20-köpfigen Frauenabteilung und eine Jugendgruppe erweitert. Bis 1933 zählte der damalige Vorstand 595 Mitglieder.

Mit dem Zweiten Weltkrieg standen die Ehrenamtlichen erneut in den Hanauer Lazaretten, um den Kriegsopfern beizustehen. Die Nachkriegsära war 1946 mit der Neuzulassung und dem Wiederaufbau eines Vereinsheim eingeläutet worden. Man fing damals mit praktisch nichts an, wie der Vorsitzende Piesold berichtet.

Vor rund einem Jahr begann mit dem Umzug in das neu erstellte Gefahrenabwehrzentrum im Lamboy die jüngste Epoche des DRK Hanau. DRK-Chef Piesold sagte zur FR, er hoffe, dass von den besseren Räumlichkeiten auch Impulse zur Stärkung des Ehrenamts ausgehen werden und dass die Organisation nunmehr eine attraktivere Adresse für potenzielle Mitglieder darstelle.

Wie bei vielen Vereinen gehe auch die demografische Entwicklung am DRK nicht spurlos vorbei. Tradition und der Dienst am Menschen reichten heute nicht mehr aus, um das Ehrenamt beim Deutschen Roten Kreuz zu einem Selbstläufer zu machen. In nächster Zeit sollen daher Konzepte erstellt werden, wie vor allem junge Leute angeworben werden können.

Möglich sind für Ralf-Rainer Piesold etwa Aktionen an Schulen. Aber auch Migranten, von denen im DRK Hanau zurzeit sehr wenige aktiv sind, sollen für das Ehrenamt interessiert werden. Im Juni soll es zudem mit einem Tag der offenen Tür Eigenwerbung im großen Stil geben.

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