Edda Rose und Wolfgang Heinemann in den alten Räumen.
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Edda Rose und Wolfgang Heinemann in den alten Räumen.

Bibliothek der Wetterauischen Gesellschaft

In den Büchern ist der Wurm drin

Die Wetterauische Gesellschaft wird durch den geplanten Umzug in ihrem Bestand bedroht. In den bis zu 500 Jahre alten Büchern machen sich Sporen breit. Eine sechsstellige Summe wäre nötig, die Bücher umzugsfähig zu machen.

Von Christoph Süß

Die Wetterauische Gesellschaft steht drei Jahre nach ihrem 200. Geburtstag vor dem Aus. Eine Untersuchung ihrer Bibliothek im ehemaligen Kanzleigebäude hat ergeben, dass zwei Drittel der bis zu 500 Jahre alten Bücher mit Sporen befallen sind. Wenn der Verein wie geplant in einigen Jahren in den Neubau auf dem Freiheitsplatz umziehen soll, müssten diese aufwendig behandelt werden. „Das würden wir nicht schaffen“, sagt der Vorsitzende, Wolfgang Heinemann (72). Experten haben ausgerechnet, dass eine sechsstellige Summe nötig wäre, um die Bücher umzugsfähig zu machen.

„Die Sporen sind dann immer noch drin“, sagt Heinemann. Er würde mit seinem Verein am liebsten in den alten Räumen am Schlossplatz bleiben, in denen die Gesellschaft seit 1868 ihren Sitz hat. Doch dort soll nach dem Willen der Stadt entweder ein Brüder-Grimm-Kulturzentrum oder ein Hotel entstehen.

Im Laufe des Jahres wird das Parlament darüber entscheiden, ob die Stadt das Kulturzentrum bauen soll. Falls nicht, steht Unternehmer Albrecht Krebs bereit, der das historische Gebäude in einen Ableger für sein Hotelgebäude am Kurt-Blaum-Platz umbauen will. Die Wetterauische Gesellschaft müsste spätestens wenn die neuen Nutzer einziehen ihre beiden Räume frei machen. „Am liebsten würden wir unsere Bestände hier weiterführen“, sagt Heinemann.

Der Diplom-Chemiker hängt an den alten Büchern. Im Zweiten Weltkrieg wurden diese schwer beschädigt, als das Obergeschoss des Kanzleigebäudes mitsamt des Museums der Gesellschaft einstürzte und Wasser in die Seiten kroch. „Die Sporen ruhen“, weiß Heinemann. Bei einem Umzug müssten die Bücher jedoch einzeln verpackt und von Experten in Augenschein genommen werden. „Wir sind doch nur Laien“, so Heinemann. Edda Rose (71) nickt zustimmend. Seit vielen Jahren hilft die ehemalige Lehrerin Heinemann, das ehemals so rege Vereinsleben aufrecht zu halten. Ihr alter Arbeitsplatz an der Karl-Rehbein-Schule befindet sich direkt nebenan. „Unsere Veranstaltungen sind sehr gut besucht“, findet sie. Die große Eiszeit-Ausstellung im Jubiläumsjahr sei ein großer Erfolg gewesen.

Woran es der Gesellschaft mangelt, sind Mitglieder – nur 20 Euro zahlen diese pro Jahr. „Wenn ich an den Umzug denke, bekomme ich Magenschmerzen“, sagt Heinemann. Um die Bücher der Öffentlichkeit danach wieder zeigen zu können, wären riesige Summen notwendig. Er sei laufend dabei zu betteln und die Stadt habe eine große Summe in Aussicht gestellt. „Doch selbst damit sind wir weit von dem entfernt, was wir bräuchten“, seufzt der Hobby-Naturforscher.

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