Langenselbold

Nur 20 von 100 Jobs bleiben

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Einigung bei umstrittener Stellenverlagerung ins Ausland bei Thermo Fisher. Unternehmen muss hohe Abfindungen zahlen.

Im Konflikt um den Stellenabbau beim Gerätehersteller Thermo Fisher in Langenselbold zeichnet sich nach mehr als eineinhalb Jahren eine Lösung ab. Vor der Einigungsstelle des Arbeitsgerichts konnten Betriebsrat und Arbeitgeber einen Interessenausgleich und Sozialplan aushandeln. Die Tarifkommission der IG Metall (IGM) empfiehlt nach Prüfung des Ergebnisses den IGM-Mitgliedern bei Thermo Fisher, bei der Abstimmung am Freitag, 24. Januar, für die Vereinbarung zur votieren, teilt Robert Weißenbrunner, Erster Bevollmächtigter IGM Hanau-Fulda, mit. Der US-Konzern mit weltweit rund 70 000 Beschäftigten unterhält in Langenselbold eine Produktion mit rund 700 Mitarbeitern. Der Konzernumsatz soll rund 18 Milliarden US-Dollar betragen (2016). In Langenselbold sollen mit Handel und Produktion etwa 500 Millionen Euro umgesetzt worden sein.

„Wir sind der Auffassung, dass wir unter den gegebenen rechtlichen Rahmenbedingungen mit den erzielten Verhandlungsergebnissen unsere Möglichkeiten ausgeschöpft haben“, so Weißenbrunner. Der Kompromiss sieht vor, dass nur 80 statt 100 Arbeitsplätze aus dem Servicebereich nach Budapest (Ungarn) und ins schottische Paisley verlagert werden, ob der niedrigeren Gehälter dort.

Wer in Langenselbold seinen Job verliert, werde nach einer „überdurchschnittlich hohen Abfindungsregelung“ entschädigt, so Weißenbrunner. Damit sei eine zentrale Sozialtarifforderung durchgesetzt worden. Die Regelung besagt, dass je nach individueller Situation des Betroffenen bis zu zweieinhalb Monatsgehälter pro Jahr Betriebszugehörigkeit fällig werden können. Vereinbart worden sei auch, nicht nach einer Namensliste, sondern nach Sozialauswahl zu entlassen. Beschäftigte hätten somit die Möglichkeit einer Kündigungsschutzklage. Vom Stellenabbau, der bis September abgeschlossen sein soll, sind laut Weißenbrunner noch rund 50 Mitarbeiter betroffen.

Die IGM sieht das Verhandlungsergebnis als Erfolg des massiven Drucks von innen und außen, etwa mit Warnstreiks, Demonstration und der Rückendeckung durch Kommunal-, Landes- und Bundespolitiker. Allerdings konnten Betriebsrat und Gewerkschaft nicht ihre Maximalforderung durchsetzen, alle 100 Stellen zu retten. Der Konzern habe sich bis zum Schluss geweigert, Verhandlungen hierüber zu führen. Auch die Forderung des Betriebsrates, zumindest 63 Stellen am Standort zu belassen, lehnte das Unternehmen ab. Auf Verlangen von Thermo Fisher wurde die Einigungsstelle eingerichtet. Laut IG Metall besteht die Gefahr, dass es über kurz oder lang zu einem erneuten Jobabbau bei Thermo Fisher in Langenselbold kommt. Denn in den Verhandlungen konnte keine mittelfristige Standort- und Beschäftigungssicherung vereinbart werden, heißt es.

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