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Elementares Erlebnis bei nahezu vollem Mond: Die nächtliche Pilgerwanderung der Männer.
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Elementares Erlebnis bei nahezu vollem Mond: Die nächtliche Pilgerwanderung der Männer.

Pilgern

„Jesus als Beispiel für Männer von heute “

Pfarrer Henning über nächtliches Pilgern, die Passionsgeschichte, Freundschaft, Verrat und das Standhalten

Pfarrer Henning, im vergangenen Jahr sind Sie zusammen mit 40 Männern die ganze Nacht hindurch gepilgert. Wie haben Sie sich am Morgen gefühlt?

Tief spirituell berührt. Zum Abschluss haben wir einander im Kreis den Segen zugesprochen. Das war einer der tiefsten Momente dieser Nacht für mich.

Ist man nach 32 Kilometern durch die kalte Nacht ohne Schlaf nicht auch einfach froh, es geschafft zu haben?

Ja. Und auch stolz. Das war schon auch eine Grenzerfahrung. Und mancher hat sich morgens um drei Uhr gefragt: Was mache ich hier eigentlich, wieso tue ich mir das an? Da lag der Gedanke nahe, sich abholen zu lassen.

Hat das jemand getan?

Nein. Wir haben es geschafft, dass alle zusammen am Ziel angekommen sind. Das ist eine unserer nächtlichen Pilgerregeln: Wir bleiben zusammen, sind solidarisch. Und eine weitere lautet: Das Kreuz geht voran, und der Kreuzträger bestimmt den Rhythmus. Und so hat dann auch mal derjenige das 1,50 Meter große Kreuz voran getragen, der schon fast schlapp gemacht hatte.

Der konnte ja nun eine zusätzliche Last gar nicht gebrauchen.

Doch. Diese Aufgabe gibt auch einen Schub. Auch wenn es kalt ist, die Füße schmerzen und die Knie weich sind. Einige Teilnehmer haben gesagt: Das Kreuz hat uns gezogen.

Trotzdem sind es diesmal wesentlich weniger Kilometer?

Ja. Wir laufen von Linsengericht-Großenhausen nach Freigericht-Bernbach, mit einigen Schleifen und Stationen.

Warum pilgern Sie nachts?

Die Nacht ist sehr elementar. Sie hat etwas Schützendes und etwas Bedrohliches. Wir können ein Feuer machen. Und der Mond wird noch fast voll sein, das ist eine ganz eigene Stimmung.

Was unterscheidet diesen Pilgerweg von einer munteren Nachtwanderung?

Ganz starke spirituelle Erfahrungen. Mehrere Male stoppen wir, zünden ein Feuer an, hören Passagen aus der Leidensgeschichte Jesu, singen meditative Lieder, schweigen und schauen ins Feuer. Wer möchte, kann beim Gehen reden, doch niemand sagt: Bring Dich doch mal ein. Und niemand fragt, wer was glaubt. Es ist ein ökumenischer Pilgerweg, das ist wichtig. Und wir sind nicht allein, in ganz Deutschland sind etwa 600 Männer in derselben Nacht unterwegs.

Wieso gerade die Nacht von Gründonnerstag auf Karfreitag?

Es geht um die Erlebnisse Jesu in der Nacht vor der Kreuzigung im Garten Gethsemane, wie sie im Matthäusevangelium stehen. Jesus fürchtet sich, doch seine Freunde schlafen ein, er fühlt sich allein, ein Jünger will ihn mit dem Schwert verteidigen – doch am Ende nimmt Jesus an, was auf ihn zukommt: Gefangennahme, Folter und Tod am Kreuz.

Und was können Männer heute daraus lernen?

Wir können Jesus als Beispiel nehmen, wie sich ein Mann verhalten kann. Dazu gehören Solidarität, mit Enttäuschungen umgehen, sich der Einsamkeit und Ohnmacht stellen, seine Versagensängste verstehen, Freundschaft leben und nicht flüchten, sondern sich der Situation stellen.

Und das gilt nur für Männer?

Nein, nicht grundsätzlich. Aber diese Nacht wollen wir nur unter Männern erleben, ohne Imponiergehabe, ohne die Pflichten des Alltags. In der Passionsgeschichte geht es um Freundschaft und Verrat, Aggressivität, Macht und Ohnmacht, Enttäuschung, Schweiß und Blut. Das sind Männerthemen, die in den Gottesdiensten sonst nicht angesprochen werden.

Das Interview führte W. Rannenberg

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