Mit der Kulturloge könnten Bedürftige Stücke wie die „Zauberflöte“, hier inszeniert von der Kammeroper Frankfurt, sehen.
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Mit der Kulturloge könnten Bedürftige Stücke wie die „Zauberflöte“, hier inszeniert von der Kammeroper Frankfurt, sehen.

Hanau

„Jeder hat das Recht auf Kultur“

  • Gregor Haschnik
    vonGregor Haschnik
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  • Elena Müller
    Elena Müller
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Hanauer Institutionen wollen bei der Kulturloge mitmachen und Karten an Bedürftige abgeben. Sozial- und Schuldezernent Axel Weiss-Thiel (SPD) unterstützt den Plan.

Viele Menschen, die zu uns in die Beratung kommen, haben ein großes Interesse an Kultur, aber nicht genug Geld dafür“, sagt Bernd Laukel, Geschäftsführer des Diakonischen Werks Hanau. Die Schuldnerberatung etwa, so Laukel, nutzen zum einen Menschen, die schon lange in prekären Verhältnissen leben und sich Eintrittskarten nicht leisten können, aber zum Beispiel gerne an Theaterbesuche in der Schule zurückdenken. Zum anderen stammen viele Ratsuchende aus den sogenannten bürgerlichen Kreisen. Sie konnten Kulturangebote früher intensiv wahrnehmen, sind aber plötzlich in Not geraten und können Tickets nicht mehr bezahlen. „Deshalb würden wir in einer Kulturloge sehr gerne als Vermittler aktiv werden“, sagt Laukel.

Das Diakonische Werk gehört zu den bisher etwa zehn sozialen Einrichtungen und sechs Veranstaltern, die sich in der geplanten Kulturloge engagieren wollen. Dabei sollen freie Kartenkontingente für Kulturveranstaltungen an Bedürftige gehen. Das Prinzip: Wer an Karten interessiert ist, kreuzt auf einem Flyer, den es beispielsweise beim Diakonischen Werk geben soll, an, welches Kulturangebot er nutzen möchte. Wenn die Loge dafür Karten hat, ruft sie die Interessierten an und lässt die Tickets an der Kasse hinterlegen.

Sozial- und Schuldezernent Axel Weiss-Thiel (SPD) unterstützt den Plan für die Kulturloge. „Sozialpolitik bedeutet meiner Ansicht nach auch, Teilhabe zu ermöglichen. Bildung und Kultur sind dabei besonders wichtig“, sagt der Stadtrat. Bedürftige könnten durch die Loge die Gelegenheit bekommen, rauszukommen, auf andere Gedanken zu kommen und etwas Schönes zu erleben.

Als Sitz des Vereins Kulturloge, der gegründet werden soll, biete sich das Haus am Steinheimer Tor an, so Weiss-Thiel. Dort könnte der Verein ein Büro bekommen und auf das Netzwerk von Freiwilligenagentur und Seniorenbüro zurückgreifen.

Bereits zweimal war Hilde Rektorschek in Hanau, um das Konzept der Kulturloge vorzustellen. Die 69-Jährige aus Marburg ist die Gründerin der Initiative und freut sich über das Interesse der Hanauer Stadtverwaltung und der Institutionen an ihrem Projekt. Warum die Kulturloge etwas besonderes ist, macht sie im Gespräch schnell deutlich.

„Wir wollen den Menschen das Gefühl geben, zur Gesellschaft dazuzugehören“, so Rektorschek, „sie sollen nicht als Bittsteller auftreten müssen.“ Es gehe darum, nicht einfach nur Restkarten zu verteilen, „die kein Mensch braucht“, sondern die Möglichkeit der Partizipation an Kultur zu bieten, „denn die ist schließlich ein Menschenrecht“, so die Gründerin weiter.

Aus ihrer Arbeit im Projekt weiß sie, dass die fehlenden Möglichkeiten für bedürftige Menschen, ins Theater, Kino oder zu Konzerten gehen zu können, diese oft traurig und isoliert zurücklässt. „Viele brauchen am Anfang zunächst Ermutigung, damit sie sich überhaupt trauen, in ein Theater oder einen Veranstaltungssaal zu gehen“, erzählt sie.

Stadtverordnetenvorsteherin Beate Funck (SPD) fördert die Idee von Anfang an und ist froh, dass sich Hanauer Veranstalter bereiterklärt haben, Karten für die Kulturloge zur Verfügung zu stellen. „Jeder hat das Recht auf Kultur“, pflichtet Funck der Gründerin Rektorschek bei.

Auch Dirk Eisermann, der für die Agentur Shooter Promotions am Projekt beteiligt ist, sieht in der Kulturloge eine gute Möglichkeit, Hilfe für finanziell Bedürftige schnell und einfach umzusetzen. „Plätze für diese Aktion zur Verfügung zu stellen, ist aus meiner Sicht bei jeder Veranstaltung möglich“, so Eisermann.

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