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Wird genug oder zu wenig geschossen  – das ist hier die Frage.
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Wird genug oder zu wenig geschossen – das ist hier die Frage.

Wildschwein-Plage

Zum Jagen tragen

Zu viele Schwarzkittel: Der CDU-Politiker Rolf Müller nimmt Waidleute und Wildschweine im Main-Kinzig-Kreis aufs Korn.

Von Alexander Polaschek

Der Jäger macht es sich gerne leicht und verschießt sein Pulver vor allem dort, wo es am lukrativsten ist. Deshalb müssen viele Rehe und Feldhasen dran glauben, während Wildschweine und Waschbären in wachsender Zahl über Felder und Gärten herfallen. Dieses Szenario legt der Landtagsabgeordnete Rolf Müller (CDU) aus Gelnhausen mit seinem Kommentar zur aktuellen Jagdstatistik nahe. Waidmänner und -frauen sind empört.

Müller sieht in der Bilanz des Jagdjahres 2009/10 „schlechte Nachrichten für Landwirte und Anlieger von Waldrändern“. Er nennt die Statistik „ausgesprochen unerfreulich“ und kritisiert besonders das Minus beim Abschuss von Wildschweinen. Demnach wurden bundesweit 200000 Schwarzkittel weniger als im Vorjahr (640000) zur Strecke gebracht. Ein entsprechender Rückgang ist auch im Main-Kinzig-Kreis festzustellen. Gemessen an 1,15 Millionen Stück Rehwild sei das „ausgesprochen mager“ und „sehr zum Leidwesen von Anliegern an Waldränden und betroffenen Landwirten“, rügt Müller.

Der promovierte Germanist kennt das Problem aus eigener Anschauung. Besonders im mittleren und östlichen Main-Kinzig-Kreis dringen Wildschweine auf der Suche nach Futter in waldnahe Siedlungsgebiete ein. Schon mancher penibel gepflegte Zierrasen sah danach aus wie frisch umgepflügt.

Nicht lukrativ genug

Auch Bauern ärgern sich, wenn ihre Maisfelder über Nacht grob abgeerntet werden. Anders als Privatleute haben sie zwar Anspruch auf Schadenersatz. Aber den müssen diejenigen Jäger bezahlen, die wiederum von den Landwirten die Jagd gepachtet haben, wie Kreislandwirt Bruno Wörner aus Erlensee zu bedenken gibt. Und diese Jäger seien eigentlich nicht verantwortlich, da die Schweine aus dem Wald, also einem anderen Jagdbezirk, kämen.

„Inzwischen muss man in manchen Gebieten schon die Entschädigungspflicht auf 1000 Euro im Jahr begrenzen“, sagt Wörner, „sonst findet sich kein Pächter mehr“. Die Landwirte forderten deshalb „mehr gemeinsame Drückjagden in Wald und Feld, um noch mehr Wildschweine zu schießen“. Es gebe leider Forstgebiete, „in denen nicht genug geschossen wird“.

Eine Ursache für nachlassendes Engagement bei den Waidleuten, „marodierende Wildschweine“ aufs Korn zu nehmen, sieht Müller im Preisverfall des reichlich angebotenen Fleisches. Das mache die Jagd „nicht gerade lukrativ“. Hinweise auf solchen Zusammenhang gebe auch die Statistik: „Mehr als 380000 Hasen wurden erlegt, fast genau so viele wie Wildschweine“, obwohl der Feldhase in Feld und Flur wesentlich seltener anzutreffen sei.

Ärger auch mit Waschbären

„Ebenfalls wenig Ertrag für die Jäger bringen auch Waschbären“, erweitert der Abgeordnete seine Kritik auf „eine weitere Plage für die Menschen im Kinzigtal und Spessart“. Neun Prozent weniger Waschbären als im Vorjahr (Main-Kinzig: 1574 gegenüber 1664) hätten die Jäger erlegt, „obwohl diese Art mittlerweile regelmäßig Mülltonnen plündert und sich bis auf die Terrassen von Wohnhäusern vorwagt“. Um 17 Prozent gestiegen sei hingegen der Abschuss von Graugänsen, insgesamt 62000 bundesweit.

„So ein Quatsch“, reagiert Waidmann Karlheinz Hölzinger auf diese Vorhaltungen. Der Gründauer ist Kreisjagdberater und Vorsitzender des Kreisjagdvereins Gelnhausen. Er sieht die 650 Jäger im Main-Kinzig-Kreis zu Unrecht attackiert. „Die Abschusszahl hängt davon ab, wie viele Wildschweine vorhanden sind, und nicht davon, ob die Jäger gut oder schlecht sind“, hält er dagegen. So zeige die Statistik (siehe FR-Grafik) ja gerade den Erfolg der intensiven Bejagung der Wildschweine im Jahr davor: „2008/09 hatten wir die größte Strecke seit Menschengedenken. Das zeigt Wirkung, wie auch die drastisch verringerten Wildschäden im Folgejahr beweisen.“ Darüber hinaus „können wir doch nicht jede Woche eine Drückjagd veranstalten. Das bringt viel zu viel Unruhe ins Revier“.

Der Waschbären versuchten die Jäger nach wie vor, mit der Fallenjagd Herr zu werden, versichert Hölzinger. Das Problem mit den possierlichen Einwanderern sei aber durchaus auch hausgemacht. „Die Leute locken die Tiere erst mit Futter an. Wenn dann die Gärten leergeräubert werden, rufen sie nach dem Jäger.“

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