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Das Kraftwerk Staudinger in Großkrotzenburg.
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Das Kraftwerk Staudinger in Großkrotzenburg.

Kraftwerk Staudinger

Investor steigt bei Block 6 aus

Den Stadtwerke Hannover wird die Mitfinanzierung des Staudinger-Ausbaus im Osten des Rhein-Main-Gebiets zu riskant. Ursprünglich wollten die Stadtwerke 300 Millionen zu der Investition von 1,2 Milliarden Euro für eines der weltweit größten Kohlekraftwerke beisteuern.

Von Alexander Polaschek

Der Aufsichtsrat der Stadtwerke Hannover (Enercity) hat am Montagabend den Rückzug aus dem geplanten Neubau des Blocks 6 im Kraftwerk Staudinger beschlossen. Das kommunale Unternehmen war zuletzt mit 12,6 Prozent an dem umstrittenen Vorhaben des Eon-Konzerns in Großkrotzenburg beteiligt.

Bereits im vorigen Jahr hatte Enercity seinen Anteil an dem Projekt halbiert. Ursprünglich wollte man 300 Millionen zu der Investition von 1,2 Milliarden Euro für eines der weltweit größten Kohlekraftwerke beisteuern.

Der kurzfristige Ausstieg erfolge „aus Gründen der internen Risikostrukturierung“, sagte Enercity-Sprecherin Bianca Bartels. Die rechtlichen, energiepolitischen und wirtschaftlichen Rahmenbedingungen für Kohlekraftprojekte in Deutschland seien unsicher geworden – „auch im Zusammenhang mit dem Energiekonzept der Bundesregierung“, fügte sie hinzu. Der Ausstieg sei für Enercity kostenneutral. Mit einem Jahresumsatz von rund 1,7 Milliarden Euro gehören die Stadtwerke Hannover nach eigenen Angaben zu den zehn größten Energieversorgungsunternehmen in Deutschland.

Zu wenig Ökostrom

Nach Darstellung der grünen Ratsfraktion stehen die Stadtwerke unter Druck, ihren Energiemix umzustrukturieren. Der Anteil regenerativer Energien an der gesamten Stromerzeugung betrage bei Enercity nur zwei Prozent gegenüber dem bundesweiten Schnitt von 16 Prozent, erklärte Michael Dette, stellvertretender Fraktionsvorsitzender, energie- und umweltpolitischer Sprecher der grünen Ratsfraktion. Die Grünen sind in Hannover Koalitionspartner der SPD.

Dette verweist auch darauf, dass Hannover noch relativ viel Strom aus Kohlekraft beziehe. Deshalb habe die Stadt beim Wettbewerb „Bundeshauptstadt im Klimaschutz 2010“ der deutschen Umwelthilfe mit Rang 67 der 73 beteiligten Städte schlecht abgeschnitten. „Dies zeigt uns, dass wir in Hannover beim Umstieg auf erneuerbare Energien noch Nachholbedarf haben.“

Der Rückzug des Partners „ändert für uns nichts an dem Projekt“, sagte Eon-Pressesprecher Andreas Brandtner der Frankfurter Rundschau. „Deswegen werden wir keine andere Entscheidung treffen.“ Der Bund für Umwelt und Naturschutz (BUND) sieht bereits Anzeichen, dass auch Eon seinen Kurs ändert und den 1100-Megawatt-Block fallen lässt. Der Konzern will seine Pläne auf einer Investorentagung am 10. November in London vorstellen.

Bei der Bürgerinitiative „Stopp Staudinger“ stößt der Enercity-Ausstieg naturgemäß auf Beifall. „Darauf haben wir dreieinhalb Jahre massiv gedrängt“, sagte Sprecher Winfried Schwab-Posselt der Frankfurter Rundschau am Dienstag. Die Aufsichtsratsentscheidung sei „ein weiterer Mosaikstein, um die Staudinger-Ausbaupläne endgültig zu Fall zu bringen“.

Der Vorstand der Hanauer Grünen spricht „mit Genugtuung“ von einem positiven Zeichen, „dass sich die kommunalen Energieversorger aus der klimafeindlichen Politik der Energieriesen befreien können, um selbstständig in erneuerbare Energieträger zu investieren“. Dies sei nach der vom Bundestag beschlossenen Laufzeitverlängerung für Atomkraftwerke dringend notwendig, um die Macht der Energiekonzerne zu begrenzen, heißt es in der Stellungnahme. Die kommunalen Energieversorger, so auch die Stadtwerke Hanau, müssten den Anteil des Atom- und Kohlestroms in ihren Verteilgebieten stark verringern. Ziel sei eine umweltfreundliche und dezentrale Energiedienstleistung.

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