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Investor rückt von Motel-Plan ab

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Der verwunschene Garten des historischen Gelnhäuser Rathauses
Der verwunschene Garten des historischen Gelnhäuser Rathauses © Renate Hoyer

Seit den 90er Jahren stand das historische Rathaus neben der Kaiserpfalz leer. Jetzt hat die Stadt eine Interessentin gefunden, die das verfallene Fachwerkhaus restaurieren will. Der in der Nachbarschaft geplante Appartement-Komplex ist offenbar vom Tisch.

Von Jörg Andersson

Ministerin Eva Kühne-Hörmann staunte am Mittwoch nicht nur über die Stahlkonstruktion mit dem freischwebenden Glasdach, die den Eingangsbereich der Kaiserpfalz schützt. Zusätzlich zu den Sanierungsarbeiten an Torhalle und Kapelle eines der besterhaltenen Staufersitze in Deutschland sind nun auch Rettungspläne für das alte Rathaus im einstigen Burgmannviertel geschmiedet worden. Angesichts eines Sanierungsbedarfs von 400.000 Euro hatte die Stadt etwaige Nutzungen als Museum oder Kulturstätte wiederholt verworfen und das seit den 90er Jahren leerstehende Gebäude dem Verfall preisgegeben. Nun will eine Interessentin das Fachwerkhaus aus dem 15. Jahrhundert auf 99 Jahre für einen Erbbauzins von 600 Euro per annum pachten und auf eigene Rechnung behutsam instand setzen lassen.

Neben dem Erbaurechtsvertrag sollen Gelnhausens Stadtverordnete am Mittwoch, 25. August, auch über eine Grundstücksangelegenheit im bis 1895 selbständigen Stadtteil Burg rund um die Kaiserpfalz beschließen. Für knapp 500 Quadratmeter Fläche will der Gründauer Paul Hohmann eine rund 60 Meter lange einstige Stadtmauer zur Zehntscheune nachbilden. Die Sitzungsunterlagen verraten, dass hinter dem Tauschgeschäft ein millionenschwerer Bebauungsplan steckt: eine Computergraphik zeigt Fenster in der mit waagerechten Fugen skizzierten Mauer und zwei Gebäudekomplexe, wo heute noch reihenweise Bäume stehen. Gegenüber der Barbarossaburg könnte eine Anlage für „möbliertes Wohnen auf Zeit“ entstehen, so die Idee. Ein Gebäudekomplex für bis zu 48 Appartements ist seit längerem mit dem Kreisdenkmalbeirat abgestimmt.

So modern wie in der Computeransicht solle der Komplex keinesfalls ausfallen, versichert Günter Kauder. „Das ist abstrahiert“, sagt Gelnhausens Bauamtsleiter, der nie einen Hehl aus seiner Sympathie für die Bebauung gemacht hat. Das Projekt sei „klasse“ und verspreche eine „stadtgestalterische Abrundung“, ließ Kauder die Frankfurter Rundschau schon im Frühsommer 2008 wissen, als Kritiker einen großzügigen Neubau fürchteten, der das Burgviertel und das Kaiserpfalzensemble empfindlich stören könnte. An der Geschäftsidee zweifelten hingegen wenige. Hohmann ist Besitzer des A-66-Motels in Hailer und einer Gewerbeimmobilie in Lieblos.

Für das Projekt in der Gelnhäuser Burg sind mehrere Planungsvarianten erstellt worden, darunter die Errichtung zweigeschossiger Gebäudekomplexe mit Satteldach. Die jüngsten Entwürfe sind Kompromisse. Hohmann, dem das Gebäude Burgstraße 13 gehört, wollte ursprünglich auch die benachbarte Burgschänke kaufen und spekulierte zudem auf das alte Rathaus, das er nach der Sanierung angeblich als Empfangsgebäude und Motelrezeption vorgesehen hatte. „Dafür hätte ich das Haus kaufen müssen, mit Erbbaurecht funktioniert das nicht“, sagt Hohmann. Da er zwischenzeitlich auch die Gaststätte nicht erwerben konnte, will der Gründauer vom Appartement-Komplex nichts mehr wissen.

„Das rechnet sich wirtschaftlich nicht mehr“, sagt Hohmann, der nach dem Tauschgeschäft mit der Stadt immer noch über mehr als 2000 Quadratmeter verfügen würde. Die wolle er nun nur für Privatzwecke nutzen, behauptet er. Die Abrissgenehmigung für die Burgstraße 13 liege vor. Um den Neubau werde er einen Park mit vielen Bäumen genießen.

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