Initiative warnt vor Krebsgefahr

Hainstadt Erhöhte Staubbelastung soll aus Kraftwerk Staudinger stammen

Das Kohlekraftwerk Staudinger in Großkrotzenburg soll für Grenzwertüberschreitungen bei der Belastung der Luft mit gesundheitsgefährdenden Feinstäuben verantwortlich sein. Der Energiekonzern Eon täusche die Bevölkerung über das wahre Ausmaß der Schadstoffbelastung. Diesen Vorwurf erhebt die Bürgerinitiative Stopp Staudinger. Dabei stützen sich die Gegner des geplanten neuen Block 6 auf ein Gutachten zur Feinstaubbelastung in der Kindertagesstätte (Kita) "Arche Noah" in Hainburg-Hainstadt.

Laut der Expertise, die der FR auszugsweise vorliegt, wurden am 20. und 21. Dezember 2007 in der Kita Feinstaubbelastungen gemessen, die bis zu 60 Prozent über den einschlägigen Richtwerten liegen. Für BI-Sprecher Winfried Schwab-Posselt ist "zweifelsfrei" das 800 Meter entfernte Kraftwerk der Verursacher. "Seit Jahren regnen so tausende Tonnen Schadstoffe, ein Giftcocktail aus Schwefeloxiden, Stickoxiden, Feinstäuben und Schwermetallen wie Tallium, Arsen, Blei und Quecksilber auf Land und Leute hernieder." Auch der hessische Umweltatlas dokumentiere eine erhöhte Feinstaubkonzentration in der Kraftwerksumgebung.

Trügerische Mittelwerte

Die hauptsächlich über die Kühltürme freigesetzten Aerosole hätten ein viel größeres Gewicht als trockene Partikel. Damit würden diese besonders lungengängigen Schadstoffe nicht mehr weit weg transportiert, sondern regneten in die nähere Umgebung ab. Laut Ärzten, die sich gegen den geplanten Block 6 engagierten, seien die feinsten Staubpartikel Ursache für die Zunahme von Lungenkrebs, schweren Atemwegserkrankungen und Herz-Kreislauf-Problemen. Die BI wirft Eon vor, "die enorme Schadstoffbelastung" hinter Jahresmittelwerten zu verstecken. Dass TÜV-Messungen im Raumordnungsverfahren dies nicht bestätigten, liege an der falscher Aufstellung der Messstellen.

Im Hainstädter Rathaus werden die Schlussfolgerungen aus den Kita-Messungen allerdings nicht geteilt. Tatsächlich sei an den Messtagen zwar auch draußen infolge Inversionswetterlage die Feinstaubbelastung hoch gewesen. In Innenräumen aber stamme Feinstaub beispielsweise auch aus Reinigungsmitteln. Die Zusammensetzung des Staubs sei nicht untersucht worden, hieß es.

"An den genannten Tagen herrschte in ganz Hessen eine erhöhte Belastung", weist Eon-Sprecherin Julia Katzenbach die Vorwürfe zurück. Block 6 und neue Kohlebunker sollten die Emissionen doch erheblich verringern. lex

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