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Buchhändler Dieter Dausien: „Bücher müssen in der Stadt präsent sein.“
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Buchhändler Dieter Dausien: „Bücher müssen in der Stadt präsent sein.“

Hanau

„Ich bin kein Dinosaurier im Wollpulli“

Dieter Dausien über 30 Jahre „Buchladen am Freiheitsplatz“ und das Überleben zu Zeiten des Online-Handels.

Von Sebastian Meineck

Im Blog auf boersenblatt.net schrieben Sie vom Buchhändler als „kleinem Dinosaurier im Wollpulli, der nicht gecheckt hat, wie der netzaffine Leser tickt“. Sind Sie so einer?
Ich hoffe doch, nicht! Da habe ich nur karikiert, wie manche den klassischen Buchhändler sehen. Dieses Klischee stimmt aber in der Regel nicht, und natürlich sehe ich mich auch nicht so. Im Gegenteil: Wir nehmen Veränderungen des Buchmarktes auf. Wir haben zum Beispiel eine Website, damit unsere Kunden auch online bei uns bestellen können.

War ihr Vater, Otto Dausien, ein Dinosaurier im Wollpulli?
Damals waren die Veränderungen im Buchmarkt noch nicht so rasant wie heute. Vielleicht hätte er sich dahin entwickelt. Er ist mit diesem Buchladen fast achtzig Jahre alt geworden. Als er starb, habe ich den Laden übernommen. Das war 1977, in meinem zweiten Lehrjahr als Buchhändler. Nun habe ich alle Freiheiten, den Buchladen nach meinem Gusto zu gestalten.

Wie haben Sie den Laden verändert?
Der Laden drückt aus, was mir und meinen Mitarbeitern wichtig ist. In den ersten Jahren waren das vor allem politische Themen: Es ging um Abrüstung und Umweltschutz. Politische Aktionen waren eng mit dem Laden verbunden. Das ist weniger geworden, aber immer noch spielen gesellschaftliche Themen wie etwa der gläserne Mensch und das Internet eine große Rolle. Nach wie vor ist das Programm des Buchladens nicht der schnelle Umsatz, sondern das, was uns inhaltlich am Herzen liegt.

Riesigen Umsatz machen Online-Händler. Wie können Sie da bestehen?
Indem wir das bieten, was online nicht geht: Kein noch so ausgefuchster Algorithmus kann eine persönliche Beratung ersetzen. Wir kennen unsere Kunden. Schon bei Neuerscheinungen fällt uns ein, wem die Bücher gefallen könnten. Was wir verkaufen, haben Leute aus dem Team gelesen und können es persönlich empfehlen. Bücher sind keine Ware wie jede andere, Bücher transportieren Inhalte. Es ist wichtig, dass sie im Alltag und auch in der Innenstadt präsent sind.

Was für Leute kommen in Ihren Buchladen?
Viele Kunden sind aus meiner Generation und haben Interesse an gesellschaftlichen Themen. Etwa drei Viertel sind Stammkunden, zum Teil schon seit Jahrzehnten. Aber ständig wachsen neue Leserinnen und Leser nach, die zu uns kommen, das freut uns sehr. Dreimal haben unsere Kunden sogar selbst den Laden übernommen, als wir auf einem Betriebsausflug waren.

Draußen lärmen die Bagger am Freiheitsplatz. Wie kann man da arbeiten?
Das ist nicht immer leicht, aber bei aller berechtigter Kritik: Als alter Hanauer freue ich mich, wenn die Stadt attraktiver wird. Einige Kunden sagen: „Man findet euch gar nicht mehr!“ Für die haben wir auf unserer Website eine Karte, die immer den aktuellen Weg zu uns zeigt.

Was war Ihre größte Krise?
Es gab finanzielle Grenzsituationen, in denen ich mit mir selbst um eine sparsame Lebensweise gewetteifert habe. Aber das ist zum Glück Geschichte. Der Laden ist langsam aber sehr stetig gewachsen. Heute habe ich sieben tolle Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter.

Was war die Sternstunde des Buchladens?
Das war vielleicht unsere Renovierung 1991, die ein Innenarchitekt mit uns geplant hatte. Da ging es weg vom Ikea-Stil, hin zu einem türkis-schwarz-gelbem Farbkonzept. Besonders gefällt mir die Deckenkonstruktion mit dem Blitz-Muster.

Und wie sieht der Laden in 30 Jahren aus?
Ich hoffe, dann er ist noch da, wenn auch ohne mich. Sicher werde ich noch 15 Jahre weitermachen, meine Frau fürchtet, länger. Ich hoffe, danach gibt es Menschen, die das Projekt weiterführen: Eine Buchhandlung, die persönlich ist, eigensinnig und kreativ.

Interview: Sebastian Meineck.

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