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Hooligans anno 1925

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Fußballspiel Anfang der 30er Jahre
Fußballspiel Anfang der 30er Jahre © picture-alliance/ dpa

Hätten Sie's gewusst? Hessens ältester Fußballverein heißt Hanau 93 - und stand vor exakt 85 Jahren im Mittelpunkt des größten Fußballskandals der Weimarer Republik.

Von Alexander Polaschek

Das Spiel wuchs sich leider mit Schluss der ersten Hälfte zu einem sportlichen Skandal aus, als der Internationale Knöpfle einen Hanauer Spieler in Gegenwart des Schiedsrichters derart in die Leistengegend trat, dass der Beschädigte regungslos zusammenbrach. Das in der Erregung wild gewordene Publikum drohte einzuschreiten.“ So schildert ein Sportreporter im Oktober 1930, wie die Begegnung zwischen dem 1. Fußball Klub Hanau 93 und dem FSV Frankfurt entgleiste.

Nicht zum ersten Mal kam es zu Handgreiflichkeiten. Das Spiel wurde abgebrochen, weil zu befürchten war, dass fanatisierte Hanauer Fans das Spielfeld stürmen und die Gastmannschaft massakrieren würden. Die Hanauer Fußballgeschichte, zuletzt mit dem nachgeholten Endspiel um die Deutsche Meisterschaft von 1894 im Blickpunkt, hat auch ihre Schattenseiten. „Ausschreitungen waren häufiger als heute, und die Brutalität war teilweise enorm“, hat der Sporthistoriker Rudolf Oswald (43) herausgefunden. Seine Forschungsergebnisse zum Zeitraum zwischen den beiden Weltkriegen präsentiert er auf Einladung von Hanau 93 und Geschichtsverein demnächst in einem Vortrag.

Besonders brisant war die Stimmung laut Oswald ab Ende 1925, als die 93er versuchten, den FSV, den Erzrivalen um die Meisterschaft in der Bezirksliga Main, mit einer Denunziation zu stoppen. Daraus, so Oswald, entwickelte sich die „Affäre Linnighäuser“ , der größte Fußballskandal der Weimarer Republik.

Anfällig für Bestechung

Linnighäuser war ein Spieler des FSV Frankfurt, der wegen einer Unsportlichkeit für vier Wochen Spielverbot hatte. Als er vorzeitig wieder auf dem Platz auflief, erstatteten die Hanauer Anzeige beim Süddeutschen Fußballverband. Dem FSV sollten die Siegpunkte des entsprechenden Spiels gestrichen werden, was die Hanauer Meisterschaftschancen verbessert hätte. Laut Oswald stellte sich während des Verbandsgerichtsverfahrens heraus, dass einige Mitarbeiter des westmainischen Fußballgaus in hohem Maße für Bestechungen anfällig waren. Der Clou: Am Ende ging der FSV als Sieger vom Platz. Hanau 93 wurde wegen Denunziation mit befristetem Verbandsausschluss bestraft.

„Das Klima im Fußball der Region war vergiftet,“ beschreibt Oswald die Folgen. „Jedes seltsame Ergebnis wurde angezweifelt, es kam vermehrt zu Ausschreitungen.“ Im Unterschied zur heutigen Hooligan-Gewalt seien Schlägereien aber stets spontan und wegen der Ereignisse auf dem Spielfeld entstanden.

Vortrag am Donnerstag, 27. Januar, 19.30 Uhr im Roten Saal Uhr von Schloss Philippsruhe in Kesselstadt, Eintritt frei.

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