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Hitze-Stau im Kohle-Bunker

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Gilt als     Luftverschmutzer: das Kraftwerk Staudinger.
Gilt als Luftverschmutzer: das Kraftwerk Staudinger. © dpa

Ein dubioser Zwischenfall im neu gebauten gigantischen Brennstoffbunker erhitzt nachhaltig die Gemüter in der Nachbarschaft.

Von Alexander Polaschek

Stand das neue Kohlelager des Eon-Kraftwerks Staudinger in Großkrotzenburg bei Hanau kurz vor einem verheerenden Großbrand? Oder war es nur harmloses „Schwitzen“ aufgeheizter Kohle, was Anwohnern beißenden Gestank, Atemnot und Husten bescherte? Ein dubioser Zwischenfall im neu gebauten gigantischen Brennstoffbunker erhitzt nachhaltig die Gemüter in der Nachbarschaft. Hanaus Oberbürgermeister Claus Kaminsky (SPD) wirft dem Darmstädter Regierungspräsidium (RP) vor, seine Aufklärungs- und Aufsichtspflicht nicht zu erfüllen.

Kaminsky präsentierte dazu am Donnerstag ein Gutachten einer vereidigten Sachverständigen. Es soll belegen, dass es in der Nacht des Zwischenfalls vom 9. auf den 10. Juli neben außergewöhnlich intensivem Teer- und Kohlegestank „auch erhebliche Luftverschmutzungen gegeben hat, deren Ursache mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit das Kohlelager ist“. Drei Tage nach dem Hitze-Vorfall hat die Gutachterin schwarzen Niederschlag an und in einem Wohnhaus 400 Meter nördlich des Kraftwerks als Steinkohlestaub identifiziert, der erst kürzlich vom Kraftwerk emittiert worden sei.

Betreiber Eon räumt bisher nur ein, dass Radlader die rund 20 Meter hohe Kohlehalde in dem Rundsilo von 126 Metern Durchmesser umschichten mussten, um „Hitzenester freizulegen“. Möglicherweise sei durch offene Tore Staub ins Freie gelangt. Die Kohle werde seitdem stärker bewässert, um Brandgefahr auszuschließen.

Das RP in Darmstadt sieht bisher keinen Handlungsbedarf, um etwa die Betriebsgenehmigung des Lagers zu revidieren. Für neue Sicherheitsauflagen gebe es keinen Anlass, sagte RP-Sprecher Gerhard Müller. Kaminsky hofft, dass das Staub-Gutachten diese Haltung ändern werde. „Um endlich zu erfahren, was in der Nacht am 9. Juli passiert ist, habe ich auch Akteneinsicht begehrt.“

Für lückenlose Aufklärung

Außerdem seien per Anwalt nachträgliche Auflagen beantragt, „die Brandgefahren und Luftverschmutzung definitiv ausschließen“, so Kaminsky. Andernfalls dürfe das Kohlelager nicht weiter betrieben werden. Der OB will die Bunker-Problematik auch im Genehmigungsverfahren für den von Hanau bekämpften neuen Steinkohleblock 6 gewichtet wissen. Solange der Vorfall, den auch die Staatsanwaltschaft untersucht, nicht lückenlos geklärt sei, wäre eine Genehmigung abwegig.

Das RP hat die für diesen Sommer avisierte Entscheidung bereits wegen ausstehender Naturschutz-Gutachten auf Oktober vertagt. Im Falle einer Genehmigung für Block 6, eines der weltgrößten Kohlekraftwerke, will Eon noch einen weiteren Silo bauen. Erfahrungen mit derartigen Lagern hatte der Konzern laut einer Sprecherin bislang nicht.

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