Hanu

Rat und Hilfe für Pflegende

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Die Stadt Hanau baut mit einem Förderverein einen Stützpunkt für„Palliative Patienten-Hilfe“ auf. Aktuelle Anlaufstelle ist in Gelnhausen.

Pflegende Angehörige sind in ihrer schwierigen Situation oft alleingelassen“, sagt Elke Wenske. Die Hanauerin kümmert sich um ihren Mann, seitdem er einen Hirnschlag erlitten hat. Sie ist mittlerweile Expertin und engagiert sich im Verein „Wir pflegen“. Doch gerade am Anfang stünden Betroffene vor unzähligen Fragen und Hürden, zum Beispiel wenn es um Hilfsmittel oder die Begutachtung des Pflegegrades geht.

Kompetente Ratgeber seien da wichtig. „Ein Pflegestützpunkt ist für eine große Stadt wie Hanau ein Muss“, so Wenske. Eine solche Anlaufstelle gibt es hier aber nicht. Stützpunkte aufzubauen – die die Kassen und kommunalen Spitzenverbände 2008 beschlossen haben – obliegt nämlich dem Main-Kinzig-Kreis. Dieser priorisierte Gelnhausen und Schlüchtern, schuf zunächst dort Standorte. Viele Hanauer, gerade ältere, können den weiten Weg nicht auf sich nehmen, berichtet Wenske.

Bald sollen Betroffene nicht mehr lange fahren müssen – was Wenske begrüßt. Denn die Stadt kündigt an, im Zentrum eine Anlaufstelle für Pflege zu schaffen, in ihrem „Haus am Steinheimer Tor“, wo schon viele soziale Institutionen ihren Sitz haben, etwa das Seniorenbüro oder der VdK. „Hier gibt es bereits ein Netzwerk, das die Angebote des Stützpunkts potenzieren wird“, sagt Bürgermeister Axel Weiss-Thiel (SPD).

Die Stützpunkte übernehmen eine Art Lotsenfunktion. Hier können sich Pflegebedürftige und Angehörige beraten lassen, und zwar unabhängig, etwa zu Rechten, Pflichten, wohnortnahen Hilfsangeboten. Die Einrichtungen werden je zur Hälfte von Kassen und Kommunen finanziert.

Der Bedarf ist groß

Wenn das Land der von Hanau zum 1. April 2021 angestrebten Kreisfreiheit zustimmt, werde der Pflegestützpunkt an dem Tag die Arbeit aufnehmen, bei einer entsprechenden Vereinbarung früher, verspricht Weiss-Thiel. Das Angebot solle auch Menschen aus dem Westkreis offenstehen. Eröffnet werde die Einrichtung in jedem Fall – wenn nicht als Stützpunkt, dann als „Beratungszentrum“. Letzteres würde die Stadt mit dem Förderverein „Palliative Patienten-Hilfe Hanau“ finanzieren. Laut Weiss-Thiel ist der Bedarf groß: Derzeit seien 18 000 der knapp 100 000 Hanauer 65 und älter, in 20 Jahren werden es etwa 24 000 sein. Der Sozialdezernent kritisiert den Kreis: Der Mietvertrag für einen Stützpunkt in Hanau sei fast fertig gewesen, doch dann habe sich der Kreis für Schlüchtern entschieden, wo 2018 die zweite Anlaufstelle startete. Für Weiss-Thiel völlig unverständlich, weil 60 Prozent der Bewohner des Main-Kinzig-Kreises im westlichen Teil leben. Der Kreis argumentierte damals unter anderem damit, dass die Nachfrage auch im Raum Schlüchtern groß und ein dritter Stützpunkt für Hanau weiter geplant sei. Doch die Hanauer Verantwortlichen sagen, sie könnten und wollten nicht länger warten.

Maria Haas-Weber, Ärztin und Vorsitzende des Fördervereins, kennt die Nöte der Betroffenen, von denen viele „körperlich und psychisch überfordert sind“. Ein Pflegestützpunkt in Hanau als erste Anlaufstelle „ist dringend notwendig“, appelliert Haas-Weber. Sie und ihre Mitstreiter haben schon vor zwei Jahren ein Konzept entwickelt, in dem sich der Verein bereiterklärte, innerhalb von drei Jahren 60 000 Euro beizusteuern.

Für Haas-Weber ist es ein Herzensanliegen: Die mit Pflege einhergehenden gesellschaftspolitischen Herausforderungen „werden weiter wachsen“, auch wegen vieler an Demenz erkrankter Menschen und solcher, denen eine ganze Reihe von Krankheiten zusetzt. „Wir müssen deshalb eine Sorgekultur etablieren und leben.“

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