Comoedienhaus

Die doppelte Knef

  • Pamela Dörhöfer
    vonPamela Dörhöfer
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Gelungene Premiere des Stücks über die Künstlerin Hildegard Knef im Comoedienhaus.

Sie ist auf dem Höhepunkt ihrer Karriere als Autorin und Sängerin angekommen. Ihre Bücher sind Bestseller, ihre Platten verkaufen sich gut. Doch Hildegard Knef wäre nicht sie selbst, wäre sie damit zufrieden. Und es gab ja tatsächlich immer wieder Rückschläge, so auch jetzt, Mitte der 70er Jahre. Ihre gerade überwundene Krebserkrankung hat die Diva schwer mitgenommen, ihr zweiter Mann hat sie verlassen.

Vor diesem Hintergrund spielt das Stück „Knef. Für mich soll’s rote Rosen regnen“, ein „musikalisch-seelisches Porträt“ von James Edward Lyons. Am Donnerstagabend hatte es in der Inszenierung des Hanauer Regisseurs Benjamin Baumann im Comoedienhaus Wilhelmsbad Premiere: Die Knef in ihren mittleren Jahren (Petra Mathein) sitzt auf der spartanisch ausgestatteten Bühne in einem undefinierbaren Raum, einem Nirgendwo, vermutlich ein Hotelzimmer zu nachtschlafender Zeit. Ein Ort, um zurückzublicken: Sie nimmt ihr Tagebuch, begegnet ihrem jüngeren Ich (Simone Kerchner), mit dem sie – mal zänkisch, mal nachdenklich und sehr oft an sich selbst zweifelnd – die eigene Vergangenheit aufarbeitet.

Kein leichter Stoff, von dem das Stück handelt, und auch kein einfacher Rahmen, in den die Geschichte gepackt ist – zumal ständig die Ebenen wechseln und die beiden Schauspielerinnen zwei Stunden lang die Bühne füllen müssen.

Doch Petra Mathein und Simone Kerchner als doppelte Hilde meistern das alles großartig. Gemeinsam lassen sie das bisherige bewegte Leben der exzentrischen Diva Revue passieren: Die Jugend im Zweiten Weltkrieg, die ersten Schritte als Schauspielerin. Die frühe Karriere in Hollywood. Der Skandal im Nachkriegsdeutschland wegen ihrer Nacktszene in dem Film die „Sünderin“. Die zweite und dritte Karriere als Sängerin und Schriftstellerin. Ihre gescheiterten Beziehungen, die späte Mutterschaft. Und immer wieder Krankheiten, von Kindheit an, bis hin zum Brustkrebs; öffentlich ausgelebt wie so vieles.

Petra Mathein erzählt vieles aus dem Leben der Künstlerin in der Retrospektive; und das macht sie hervorragend. Man kann ihr gut zuhören, ohne zu ermüden – ein Gabe, die auch ihre Beliebtheit als „Vorleserin“ der Literaturreihe im Café Schien ausmacht. Als 50-jährige Knef ist sie lakonisch, herb, kantig, steht oft in eigenartiger Distanz zu sich selbst. Simone Kerchner wirkt emotionaler, jugendlicher – aber niemals naiv, auch niemals unbeschwert und schon in jungen Jahren etwas überspannt, sich gern suhlend in ihren diversen Malaisen.

Beide Frauen passen auf ihre persönliche Weise wunderbar in die Rolle der eigenwilligen Künstlerin. Das gilt auch für ihre Interpretationen der Chansons, deren bilderreiche, zuweilen sperrige Texte die Knef selbst geschrieben hat. Die Lieder fügen sich wie selbstverständlich in das Kammerspiel ein und illustrieren musikalisch die Lebensstationen des Weltstars. Mathein und Kerchner geben sie auf ihre eigene Art wieder, im Stil der Knef zwar, aber ohne sie nachzuahmen. Ein anspruchsvoller Theaterabend – der dennoch vorzüglich unterhält.

Die nächsten Vorstellungen beginnen heute und morgen sowie am 23. und 24. Februar jeweils um 19.30 Uhr. Karten gibt es für 19 bis 27 Euro bei Frankfurt Ticket am Markt und bei der Volksbühne, Nürnberger Straße 2.

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