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Hessisch-französisches Projekt

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Marie hatte hugenottische Vorfahren / Einfluss auf die Märchen

Auch wenn die Entdeckung des Wohnhauses der Marie Hassenpflug am Neustädter Markt die größte Sensation war, so haben die Recherchen der Literaturwissenschaftler Heiner Boehncke und Phoebe Alexa Schmidt noch viel mehr zutage gefördert, was die Forschung über die Brüder Grimm und die Stadtgeschichte Hanaus bereichert.

Maries Vorfahren mütterlicherseits waren Hugenotten. Die Hanauer Neustadt war eine Gründung calvinistischer Glaubensflüchtlinge aus Frankreich und den Niederlanden, die bei den Hanauern aus der Altstadt anfangs auf erhebliche Widerstände stieß. Die Märchen, die Marie als Kind im Haus Lossow kennen lernte, stammen ursprünglich aus Frankreich. So ähnelt „Dornröschen“ dem französischen Märchen „La Belle au bois dormant“ von Charles Perrault. „Dornröschen“ hat Marie Hassenpflug den Brüdern Grimm erzählt. Ein Teil von Jacobs Niederschrift ist im Buch abgebildet.

Hybriden in der Doppelstadt

„Hanau war, als die Familie Hassenpflug dort wohnte, eine, zugespitzt formuliert, deutsch-französische Doppelstadt, in der Hybriden wie Dornröschen von Perrault und den Brüdern Grimm an der Tagesordnung waren“, heißt es bei Boehncke und Schmidt. Marie Hassenpflug ist die Gewährsfrau für den französischen Anteil am hessischen Märchenprojekt der Brüder Grimm. „Es war ein erzählendes Haus mit einer interessanten Familiengeschichte“, sagte Boehncke bei der Vorstellung seiner Forschungen. Aufschlussreich sei die Verbindung zu Johann Kämpf, Leibarzt am Hof von Hessen-Homburg, und seinem Neffen Franz Wilhelm Jung. Die beiden waren radikale Befürworter der Französischen Revolution und wurden „Hofdemokraten“ genannt.

Boehncke schlug vor, in Hanau einen Gedenkpfad für Marie Hassenpflug einzurichten, der vom Haus Lossow am Neustädter Markt über das Rathaus zur Paradiesgasse, wo die Schule war, und zur Wallonisch-Niederländischen Kirche führen könnte. Oberbürgermeister Claus Kaminsky (SPD) will die Anregung gern aufnehmen. (uta)

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