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Für die Kartoffel wird jetzt in Hessen ein Kultort geschaffen.

Kartoffelmuseum

Hessens erstes Kartoffelmuseum

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In Haitz soll Hessens erstes Kartoffelmuseum entstehen. Mehr als 1000 Exponate sind bereits gesammelt.

Auch im Raum Gelnhausen haben die Bewohner der Ortschaften im besten Sinne merkwürdige Spitznamen, deren Ursprung in der Geschichte liegt. Die Leute aus dem Stadtteil Haitz sind in der lokalen Mundart die „Keerscht“ – was auf die „Karst“ zurückgeht, eine Hacke mit zwei oder drei Zinken. Sie soll früher auch bei der einen oder anderen Auseinandersetzung benutzt worden sein. In erster Linie war sie aber ein unverzichtbares Werkzeug, weil Haitz aus steinigen Äckern bestand und sehr viele „Haatzer“ Kartoffeln anpflanzten, um in der kargen Landschaft nicht hungern zu müssen.

Das und einiges mehr verbindet Haitz und die Kartoffel. Der Arbeitskreis Haitzer Geschichte, der schließlich im Verein „Haatzer Keerscht“ aufging, beschäftigt sich seit fast 25 Jahren damit. „Wir haben im Laufe der Jahre mehr als 1000 Exponate zum Thema Kartoffel gesammelt“, sagt der Vereinsvorsitzende Herbert Vetter. Jetzt wollen sie einen Kultort für die Erdäpfel schaffen, Hessens erstes Kartoffelmuseum.

Ein Grundstück hat der Verein bereits: Die Stadt Gelnhausen verpachtet ihm das 800 Quadratmeter große Areal am Ortseingang von Haitz, das hinter den dortigen Geschäften liegt, für einen symbolischen Betrag von zwölf Euro im Jahr. Bis 2021 sollen die Pläne verwirklicht werden. In Deutschland gibt es bereits Museen, die sich den Erdäpfeln widmen, etwa in Fußgönheim in Rheinland-Pfalz, in Hessen aber noch nicht.

Die Haatzer Keerscht wollen in einer Art Scheune sowie im Außenbereich des Museums Wissens- und Sehenswertes über die Kartoffel, die von Südamerika nach Europa kam, präsentieren. Etwa zu Geschichte, Kultur, Anbau und Verwendung, sowohl im Haushalt als auch in der Wirtschaft. „Wir möchten zum Beispiel die interessante Entwicklung der Geräte darstellen, vom Grabstock bis zum Pflug“, so Vetter. Der Verein verfügt allein über 15 Pflüge. Die Anbaustufen werden ebenfalls gezeigt, wie das Eggen und Pflanzen. Ein Diorama und audiovisuelle Elemente sollen auch eine Rolle spielen. 

Besonderen Wert legen der 76-jährige Sozialpädagoge und seine Mitstreiter darauf, dass es ein Mitmachmuseum wird: „Besucher sollen selbst Kartoffelgerichte zubereiten können.“ Geplant ist ein Kochbereich, in dem Workshops stattfinden, auch für junge Gäste. Vetter pflanzt schon seit zehn Jahren mit Kita-Kindern Kartoffeln an. Es ist ihm wichtig, die Kultur weiterzugeben.

Der Lokalhistoriker ist fasziniert von der Kartoffel, weil sie einfach gut schmecke und auch seine Familie sie anbaute – wie so viele in Haitz, das bis zur Gebietsreform 1970 eine eigenständige Gemeinde war. „Viele haben im Nebenerwerb Landwirtschaft betrieben, so wie wir. Das gehört zu meinen frühesten Erinnerungen. Man half sich gegenseitig.“ Als nach dem Zweiten Weltkrieg viele Vertriebene in Haitz eine neue Heimat fanden und es kaum etwas zu essen gab, bekamen sie alle ein kleines Stück Land und nutzten es für den Kartoffelanbau. Ein Stück Haitzer Geschichte, die das Museum aufgreifen wird.

Die Kosten für den Rohbau der Museumsscheune beziffert Vetter auf etwa 75 000 Euro. Diesen Betrag hat der Verein, der demnächst mit der Bodenplatte der Museumsscheune anfangen will, schon zusammen. Insgesamt werden sie mehrere Hunderttausend Euro brauchen und beantragen daher Geld aus einer ganzen Reihe von Fördertöpfen, auch von der EU. „Wir möchten ein außergewöhnliches Heimatmuseum schaffen, mit dem Fokus auf einem besonderen Thema“, sagt Vetter. Es soll ein interessanter und sinnlicher Kultort werden.

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