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Markierungen der Ermittler in der Industriestraße.

Gewalttat in Wächtersbach

Reaktionen auf die rassistische Gewalttat von Wächtersbach: „Die Leute sind erschüttert“

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Wie die Initiative „Schwarze Menschen in Deutschland“ auf die rassistische Gewalttat von Wächtersbach blickt.

Seit am Montag in Wächtersbach der 55-jährige Roland K. aus rassistischen Motiven auf einen Eritreer schoss, melden sich bei Zerai Kiros Abraham viele besorgte Menschen. Der Frankfurter Sozialarbeiter ist gut vernetzt in der eritreischen Community des Rhein-Main-Gebiets. Als 13-Jähriger mit seiner Familie aus dem ostafrikanischen Staat geflohen, unterstützt er heute insbesondere junge Menschen aus eritreischen Familien. „Schon nach dem Mord am Regierungspräsidenten Lübcke haben mich viele gefragt: ,Wenn es schon einen deutschen Politiker treffen kann, was ist dann erst mit uns?’“

Der 42-Jährige sagt, er versuche die Verängstigten dann zu beruhigen. „Es betrifft mich, aber ich versuche auch, das differenziert zu betrachten.“ Als Reaktion auf rassistische Gewalttaten sei es umso wichtiger, als Community aktiv und sichtbar zu sein. „Wir können uns jetzt zurückziehen und Angst haben, oder rausgehen und für die gute Sache aktiv sein. Für Menschenrechte, für das Grundrecht auf Asyl und dafür, dass die Menschen verstehen, dass wir ein Teil Deutschlands sind. Denn es geht hier auch um einen Angriff auf unsere deutschen Werte.“ Und er betont: „Was passiert ist, ist unmenschlich, aber wir dürfen unsere Menschlichkeit deswegen nicht verlieren. Es braucht einen Aufstand gegen den Rechtsruck. Menschen, die sich rechts radikalisieren und den Populisten, die diese Stimmung anheizen, muss man den Boden entreißen.“

Nach rassistischem Angriff in Wächtersbach: Weniger Angst als Wut

Auch innerhalb der Initiative Schwarze Menschen in Deutschland (ISD) ist die rassistische Gewalttat von Wächtersbach Thema. „Die Leute sind erschüttert“, sagt Siraad Wiedenroth vom ISD-Vorstand. Die 32-Jährige betont aber auch, um die Gefahr, auf offener Straße Opfer rassistischer Gewalt werden zu können, wisse man in der schwarzen Community leider ohnehin. „Nach dem Mord an Lübcke hat man vielleicht noch sagen können, wenn ich nicht auffalle, bin ich nicht so angreifbar. Aber Hautfarbe fällt immer auf. Und es gab ja auch vorher immer wieder Fälle“, verweist sie auf die Historie rassistischer Gewalttaten bis hin zum NSU-Komplex.

Sie selbst verspüre weniger Angst als „Wut, dass nicht adäquat reagiert wird auf rassistische Gewalt“. Zwar zeigten sich auf persönlicher Ebene stets viele Menschen betroffen – gesellschaftlich und politisch passiere aber zu wenig. „Auch Politiker, die sich in der Mitte verorten, sprechen davon, dass Grenzen dichtgemacht werden müssen oder bewerten, wer dazugehört und wer nicht.“ Solcher Sprachgebrauch verschärfe ein gesellschaftliches Klima, in dem rassistische Gewalt verübt werde – „und dabei geht es uns nicht nur um tödliche Gewalt, sondern auch um alltägliche Angriffe“.

Manche verspürten deshalb ein Ohnmachtsgefühl, sagt Wiedenroth. Als Community sei es aber wichtig, weiter aktiv die Grenzen des Sagbaren und deren Überschreitung aufzuzeigen. „Und Solidarität zu zeigen mit den Betroffenen und deren Angehörigen.“

(Von Marie-Sophie Adeoso)


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