Die Inhaber der Galerie 88, das Ehepaar Gesine und Wolfgang Dell, im privaten Wohnzimmer - unter Bildern.
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Die Inhaber der Galerie 88, das Ehepaar Gesine und Wolfgang Dell, im privaten Wohnzimmer - unter Bildern.

Kunst in Hanau

Ein Herz für Nischen-Künstler

  • Detlef Sundermann
    vonDetlef Sundermann
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Engagierte Galeristen bieten ein breites Spektrum kreativen Schaffens. Zu ihnen gehören auch Gesine Simpfendörfer-Dell und Holger Dell, die das 25-jährige Bestehen der Galerie 88 feiern.

Der Anfang soll etwas chaotisch gewesen sein. Wasser stand in der Wohnung über der Galerie, kurz vor der Vernissage zur ersten Ausstellung in den neuen Räumen. Gesine Simpfendörfer-Dell und Holger Dell erzählen heute die Geschichte mit einem Lachen. 23 Jahre ist das her. Das Ereignis kann aus heutiger Sicht auch als Vorbote einer bewegten 25-jährigen Geschichte der Galerie 88 gedeutet werden. Die Dells verschrieben sich zunächst der Moderne nicht systemkonformer Künstler in der DDR, schon allein das klingt nach Abenteuer.

Es waren in den 80er Jahren die grafischen Blätter von Jürgen Wölbing zu Texten des Schriftstellers Wolfgang Hilbig, aber auch die Lesewanderungen und Treffen mit Künstler aus Ostdeutschland, die für die Dells das spätere Fundament der Galerie bildeten. Wegen seiner familiären Beziehungen in der Nähe zum thüringischen Erfurt lernte Holger Dell die Kunstszene hinter dem Eiserner Vorhang kennen. „Herausragende Nischenkünstler, die hierzulande kaum bekannt waren“, sagt er. Günther Huniat, Eckhard Robert Schwandt oder Frieder Heinze und Gil Schlesinger. Die beiden Letztgenannten haben eine lange Wegstrecke mit der Galerie 88 zurückgelegt.

Die Künstler aus der Deutschen Demokratischen Republik wie auch solche aus der BRD und Europa fanden in der Hanauer Gustav-Adolf-Straße schon bald ein Forum. „Die Besucher haben immer gesagt, bei euch sieht es aus wie in einer Galerie“, erzählt Gesine Dell. Die Äußerung wurde 1988 in die Tat umgesetzt. Zwei Jahre war die Wohnung des Ehepaars Privatraum und Galerie.

Als das Haus, in dem sie lebten, zum Verkauf stand, nutzten sie die Chance und erwarben es. Die Büros im Erdgeschoss wurden zur Galerie umgebaut. Umgestaltet wurde auch der bis dato trostlos wirkende Garten. Er wandelte sich über die Jahre zum Skulpturenpark. Mit der Vergrößerung stellte sich für das Ehepaar die Frage, den Beruf für die neue Aufgabe aufzugeben oder nicht. Die Antwort lautete Nein. Gesine Dell blieb als Lektorin beim S. Fischer Verlag und Ehemann Holger als Journalist bei der Frankfurter Allgemeinen Zeitung. Man zog es vor „Galerist mit Herz und Seele“ zu sein, als ständig an den Umsatz denken zu müssen.

Das Paar sieht sich im Nachhinein in seiner damaligen Einschätzung bestätigt. „Wir haben viele Sachen gemacht, aber nicht wegen des Umsatzes, sondern aus Spaß.“ Die Entscheidung sei nicht zu Lasten der Professionalität gegangen. 1993 hielten die Dells die Zulassung zur Art Frankfurt.

Die Vermittlung von Gemälden, Skulpturen und anderer Kunst beschränkte sich schon sehr früh nicht allein auf die Ausstellungen in der eigenen Galerie. Museen, Firmen und der öffentlich Raum im In- und Ausland wurden in Szene gesetzt. Denkwürdig hierbei Helmut Jahns 224 Quadratmeter großes Gemälde „Augengarten“ zu Landesgartenschau 2002 in Hanau oder Frieder Heinzes meterhohe Stelen. Zwei Beispiele aus einer langen Liste.

2004 kam aus privaten Gründen die Zäsur. „The Last Exhibition“ hieß es auf der Einladung. Fünf Jahre wurde nur im kleinen Rahmen ausgestellt. Erst 2009 meldete sich das Galeristenpaar mit großen Schauen zurück. Nicht mehr im eigene Haus, sondern in der Kanzlei „Nickel Rechtsanwälte“ in der ehemaligen Hutier-Kaserne. Wegen der großen Bürofläche biete sich dort eine deutlich größere Ausstellungsmöglichkeit, sagt Holger Dell.

Zwei Sonderschauen im Jahr kuratiert er dort mit seiner Frau. Zudem beraten sie beim Aufbau der Unternehmenssammlung. „Die Aufnahme in der Kunstbuch ‚Corporate Collections‘ sehen wir als Würdigung unserer Arbeit“, sagt der Galerist.

Gleichwohl, die Wurzeln zum alten Standort der Galerie 88 sind nicht abgeschlagen worden. In der Gustav-Adolf-Straße findet der Kunstinteressent aktuell die Schau „konkrete Kunst“ – im Treppenhaus.

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