Neuer, naturgerechter Lauf für den Hellenbach. Flugsamen soll zu einer natürlichen Begrünung beitragen.
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Neuer, naturgerechter Lauf für den Hellenbach. Flugsamen soll zu einer natürlichen Begrünung beitragen.

Hanau

Hellenbach ist saniert

  • Detlef Sundermann
    vonDetlef Sundermann
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Benutztes Klopapier, Tampons, Fäkalien und anderen unappetitlichen Dingen im Gebüsch entlang des Hellenbachs nach einem Starkregen sollen Geschichte sein. Der Abschnitt zwischen dem alten Klärwerk Klein-Auheim und der Mündung im Altarm des Mains ist saniert und renaturiert. Die Probleme des Altmains sind jedoch damit nicht gelöst.

Nach langjähriger Diskussion zwischen politisch Verantwortlichen, Hegegemeinschaft Hellenbach und der Fischerzunft Steinheim konnte im März ein Sanierungskonzept vorgestellt werden. Nach Ende der Brut- und Setzzeit begannen die Bauarbeiten. Das Wasser des Hellenbachs, der von Hainstadt kommt, und die stinkenden Sturzfluten aus dem vor Jahren zum Regenüberlaufbecken umfunktionierten Klärwerk, nehmen nun getrennte Wege. Die Zuleitung zum Hochwasserhebewerk am Main ist verrohrt worden – erst dort treffen Hellenbach und das Regenabwassergemisch wieder aufeinander. Zudem werden Feststoffe aus dem Überlaufbecken von einem Sieb zurückgehalten.

Am Oberlauf ist der Hellenbach aus seiner Verschalung befreit worden. Im Unterlauf erhielt er ein neues Flussbett, das mäandert und von Flachuferzonen gefasst wird, in denen Tiere und Pflanzen sich ansiedeln sollen. „Nach den Bauarbeiten sieht es dort wüst aus“, sagt Umweltdezernent Andreas Kowol (Grüne). Flugsamen werde rasch eine landschaftstypische Begrünung herstellen, erklärt er. Die Kosten – eine Million Euro – gehen zu Lasten der Hanau Infrastruktur Service. Die Ausgabe wird aus den Abwassergebühren finanziert, so Kowol. Die Bachsanierung mit 150 000 Euro muss die Stadt zahlen, Zuschüsse vom Land werden aber erwartet.

Geplant sei auch eine Renaturierung des Hellenbachs zwischen Hochwasserpumpwerk und Main. Es hänge von Zuschüssen des Bundes ab, wann dort die Verrohrung zurückgebaut wird.

Altmainöffnung

Auf der Agenda bei Kowol steht weiterhin der Altmain. Größere Frachtschiffe und mehr Schifffahrt lautete einst die Prognose für die Bundeswasserstraße – auch wegen des seinerzeit geplanten Main-Donau-Kanals. Vor 40 Jahren ist deshalb bei Steinheim der Main quasi begradigt, die 600 Meter lange, enge Main-Kurve flussaufwärts geschlossen worden. Seitdem verschlechtert sich im Altmain die Gewässerqualität, kritisiert die Fischerzunft.

In dem einst sechs Meter tiefen Flussabschnitt lagere heute eine gut zwei Meter hohe Schlammschicht und bilde für frühere Fischarten kein Laichgebiet mehr. Die Fischerzunft habe sich immer gegen die Schließung des Altmains ausgesprochen, betonte Zunftvorsitzender Olaf Adam bei der Vorstellung der Hellenbachsanierung im März. Der Bach sei Mitverursacher. Mit der Öffnung des Altmains werde die Strömung den Morast mitnehmen.

Beim Wasser- und Schifffahrtsamt Aschaffenburg (WSA) gibt man sich grundsätzlich offen für die Forderung, hegt aber Skepsis hinsichtlich der Verwirklichung. „In einem hydraulischen Modell muss zunächst die Wirkung auf die Schifffahrt untersucht werden“, sagt Dietmar Droste, Abteilung Wasserstraßenüberwachung beim WSA. Wegen des Altmain-Bogens könnte an dessen Ende eine besonders für kleine Boote gefährliche Querströmung entstehen – vor allem wenn die Öffnung sehr schmal ausfalle. Als mögliche bessere Lösung sieht Droste eine Überlaufkante. Ob die jedoch ausreiche, um Sedimente fortzuschwemmen, müsse sich zuvor im Modell beweisen.

Unklar ist auch, wer die mutmaßlich hohen Kosten einer Altmainöffnung übernimmt. Nicht auszuschließen ist, dass die Ausgabe als Naturausgleich für Neubaugebiete gegengerechnet werden kann. Das Regierungspräsidium Darmstadt schloss dies auf Anfrage nicht grundsätzlich aus.

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