Brüder-Grimm-Festspiele

Die Brüder Grimm als Musicalstars in Hanau

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Neben Klassikern präsentieren die Festspiele in der 35. Saison ein Stück über die Märchensammler.

Es waren einmal zwei Brüder: Jacob und Wilhelm Grimm. Sie hatten gerade ihr Studium beendet und wollten anfangen, Märchen zu sammeln. Doch da stach sich Jacob mit einer Spindel und landete plötzlich in einem Reich, in dem märchenhafte Figuren lebten, darunter Rotkäppchen, Rapunzel, der gestiefelte Kater. Und Dornröschen, in das Jacob sich verliebte.

Darum geht es in dem Musical „Jacob und Wilhelm – Weltenwandler“, das am 10. Mai im Amphitheater in Schloss Philippsruhe als Uraufführung die 35. Brüder-Grimm-Festspiele eröffnet. Das Stück, bei dem eine sechsköpfige Liveband für die oft balladenhafte Musik sorgt, soll keinen langatmigen biografischen Ansatz verfolgen. Es konzentriert sich auf den spannenden Beginn der Grimmschen Schaffensphase und stellt ihn als fantastisches Abenteuer dar. Eine Phase, in der die gebürtigen Hanauer besonders neugierig gewesen seien, sagt Intendant Frank-Lorenz Engel, und die Liebe kennengelernt hätten.

„Exklusive, innovative Aufführungen und Interpretationen“ zu liefern – das ist der Anspruch des seit 2013 amtierenden Engel, den auch die anderen Stücke erfüllen sollen: Neben dem Musical werden „Die Bremer Stadtmusikanten“ und „Schneewittchen“ aufgeführt. Das Buch für das zweite Werk hat der Wiener Stefan Lack verfasst und sich damit beim Autorenwettbewerb der Spiele gegen 31 Konkurrenten durchgesetzt. Auch hier gibt es einige Besonderheiten: Die Zwerge zum Beispiel sind ziemlich groß und individuelle, eigenwillige Charaktere, die immer wieder aus der Rolle fallen und sich mit dem Verlauf der Handlung auseinandersetzen. 

Einige Besonderheiten

Schneewittchen wird mit anderen Märchenfiguren kombiniert, und die Aktualität stellt etwa das „Spieglein, Spieglein an der Wand“ her. Das Märchen thematisiert Schönheitskult und Fake News. Die Jury des Wettbewerbs attestiert Lacks Buch eine gute Mischung aus Nähe zum Grimmschen Stoff und Bezügen zu heute, frische Dialoge und die „mir sehr wichtige Prise Humor“, sagt Engel.

In den von ihm eingeführten Reihen „Grimm Zeitgenossen“ und „Junge Talente“ werden Friedrich Schillers Drama „Maria Stuart“ beziehungsweise „Die Leiden des jungen Werther“ zu sehen sein, der bereits 2018 Jahr gezeigt wurde und stets ausverkauft war.

OB und Kulturdezernent Claus Kaminsky (SPD) ist zufrieden mit der Entwicklung der Festspiele. Sie hätten deutlich an Renommee gewonnen, was die gestiegenen Zuschauerzahlen, Gastspiele etwa in Berlin und Auszeichnungen beim Deutschen Musicalpreis belegten. Auch das Interesse der Sponsoren steige. Die Spiele seien „das Flaggschiff“ bei der Vermarktung Hanaus als Brüder-Grimm-Stadt. In zwei Monaten wird eine Einrichtung eröffnet, die zum zweiten Zugpferd werden soll: „Grimms Märchenreich“. Ein vor allem auf Kinder zugeschnittenes Mitmachmuseum in Schloss Philippsruhe.

Die 35. Brüder-Grimm-Festspiele finden vom 10. Mai bis 28. Juli statt. Im Amphitheater in Schloss Philippsruhe werden die Märchen „Schneewittchen“ und „Die Bremer Stadtmusikanten“ (Familienstück mit Musik), das Musical „Jacob und Wilhelm – Weltenwandler“ sowie das Schillers „Maria Stuart“ aufgeführt, in der Ruine der Wallonisch-Niederländischen Kirche „Die Leiden des jungen Werther“. Die Ticketpreise im Vorverkauf liegen zwischen 10 und 33 Euro. Karteninhaber können sich während der Festspiele kostenlos das Mitmachmuseum „Grimms Märchenreich“ anschauen.

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