Bitte deaktivieren Sie Ihren Ad-Blocker

Für die Finanzierung unseres journalistischen Angebots sind wir auf die Anzeigen unserer Werbepartner angewiesen.

Klicken Sie oben rechts in Ihren Browser auf den Button Ihres Ad-Blockers und deaktivieren Sie die Werbeblockierung für FR.de. Danach lesen Sie FR.de gratis mit Werbung.

Lesen Sie wie gewohnt mit aktiviertem Ad-Blocker auf FR.de
  • Zum Start nur 0,99€ monatlich
  • Zugang zu allen Berichten und Artikeln
  • Ihr Beitrag für unabhängigen Journalismus
  • Jederzeit kündbar

Sie haben das Produkt bereits gekauft und sehen dieses Banner trotzdem? Bitte aktualisieren Sie die Seite oder loggen sich aus und wieder ein.

Ein Storchenmast mit zwei Störchen im Storchennest, aufgenommen an der Scharmühle an den Niddawiesen im Bereich der renaturierten Nidda in Gronau. Bild: Rolf Oeser
+
Ein Storchenmast mit zwei Störchen im Storchennest, aufgenommen an der Scharmühle an den Niddawiesen im Bereich der renaturierten Nidda in Gronau. Bild: Rolf Oeser

Main-Kinzig/Wetterau

Zahl der Störche auf Höchststand

  • Detlef Sundermann
    VonDetlef Sundermann
    schließen

Im Main-Kinzig-Kreis und in der Wetterau gibt es so viele Störche wie noch nie. Nicht alle erfreut das. Jäger verlangen zum Beispiel eine Lösung zum Schutze des Hasen.

Auf dem alten Wehrturm in Niederrodenbach (Main-Kinzig) klappert er seit einigen Tagen. Die Partnerin fehlt ihm noch. Für die Weißstörche beginnt die Brutsaison. Im Vorjahr erreichte ihre Population im Main-Kinzig- und im Wetteraukreis mit insgesamt 212 Brutpaaren einen Nachkriegshöchststand. Ein Plus von 16,5 Prozent im Vergleich zu 2019. Dabei sah es Mitte der 80er Jahre so aus, dass Adebar vom Aussterben bedroht war. Ob der Entwicklung fordern Jäger, der Storch solle nun ohne menschliche Hilfe auskommen - zum Schutze des Hasen.

„Es ist ein heikles Thema, weil der Storch ein Sympathieträger ist“, sagt Markus Stifter, Pressesprecher des Landesjagdverbands (LJV). Manches Wort eines Jägers sei schon in den falschen Hals geraten und so gedeutet worden, dass man den Abschuss fordere. „Das ist nicht richtig und nicht nötig“, sagt Stifter. Es würde reichen, Nisthilfen zu reduzieren, um den Fressdruck zu verringern. Laut LJV schnappt sich Adebar auch Junghasen. Vor 60, 70 Jahren wäre das ohne Bedeutung für den Bestand gewesen, aber heute befinde sich der Hase in der Situation, in der sich der Weißstorch vor 30 Jahren befand.

2015 appellierte der BUND sogar an die Jägerschaft, Hasen zu verschonen. Der Langohren-Bestand hat sich auch Dank dem Umdenken der Landwirte stabilisiert, auf niedrigem Niveau, so Stifter. Ein Monitoring in 2016/17 der Uni Gießen mit Hasenzählungen in mehr als 100 Hegegemeinschaften in Hessen bestätigt das. Demnach wurden gut 18 000 Hasen erfasst, was gegenüber 2012 ein Zuwachs um 30 Prozent ist.

Die Population

Der niedrigsten Stand in Deutschland lag in den 1980er Jahren bei 2949 Storchenpaare, aktuell sind es 9000.

Die Arbeitsgruppe Weißstorchberingung in Hessen erfasst die Bestände nach Landkreisen.

Spitzenreiter 2020 war der Groß-Gerau (284 Brutpaare), gefolgt vom Wetteraukreis (138) und Main-Kinzig-Kreis (74).

In einem Gelege können sich bis zu acht Eier befinden, statisch kommen pro Nest drei Küken zur Welt. sun

Dass der als Allesfresser geltende Storch kleine Hasen verspeist, hält Udo Seum, Leiter der Arbeitsgruppe Störche bei der Hessischen Gesellschaft für Ornithologie und Naturschutz (Hgon) Wetterau, hingegen für selten. Der Storch finde mit den in jüngster Zeit geschaffenen und vernetzten Biotopen einen reich gedeckten Tisch, auch wenn das nicht der alleinige Zweck sei.

„Wir haben Biotope angelegt und verbessert, um einen Lebensraum für geschützte Tiere wie den Kiebitz zu schaffen“, sagt Susanne Hufmann, Geschäftsführerin der Gesellschaft für Naturschutz und Auenentwicklung (GNA). Während sich der adulte Storch mit 500 Gramm Futter am Tag begnüge, verlange der Nachwuchs bis zu 1,5 Kilogramm. Jedoch ist der Storch nur einer von vielen Beutegreifern in Auen und auf Feldern. Beide Landschaftstypen verschwinden zudem immer mehr wegen Baugebieten, so etwa auch in Niederrodenbach, wo es demnächst 50 Hektar seien werden. Es sei daher wichtig, genug Biotope zu schaffen, damit mehr Kiebitze und andere geschützte Arten übrigbleiben.

„Nur weil derzeit viele Störche da sind, muss das nicht so bleiben“, bemerkt die Biologin. Zum einen sei nasskaltes Wetter ein Feind der Küken, zum anderen werde es für Adebar ob des Klimawandels beschwerlicher, sich auf den Zug gen Afrika zu machen. Offenbar überwintern immer mehr Störche hierzulande. Wenn das natürliche Futter wegen Frost ausbleibt, treffen sich hessische Störche etwa auf einer Deponie im südhessischen Büttelborn. „In diesem Winter wurden dort 240 gezählt, knapp 40 davon kamen nachweislich aus der Wetterau“, sagt Seum.

Die Population um jeden Preis zu vergrößern, gilt daher für die Vogelschützer nicht. Seit zwei Jahren werden in der Wetterau keine neuen Nisthilfen aufgestellt. Adebar weiß sich aber manchmal zu helfen und baut sein Nest etwa auf dem Ausleger eines Hochspannungsmasten.

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare