Bitte deaktivieren Sie Ihren Ad-Blocker

Für die Finanzierung unseres journalistischen Angebots sind wir auf die Anzeigen unserer Werbepartner angewiesen.

Klicken Sie oben rechts in Ihren Browser auf den Button Ihres Ad-Blockers und deaktivieren Sie die Werbeblockierung für FR.de. Danach lesen Sie FR.de gratis mit Werbung.

Lesen Sie wie gewohnt mit aktiviertem Ad-Blocker auf FR.de
  • Zum Start nur 0,99€ monatlich
  • Zugang zu allen Berichten und Artikeln
  • Ihr Beitrag für unabhängigen Journalismus
  • Jederzeit kündbar

Sie haben das Produkt bereits gekauft und sehen dieses Banner trotzdem? Bitte aktualisieren Sie die Seite oder loggen sich aus und wieder ein.

Theo Fecher, Leiter naturwissenschaftlich-technische Aus- und Weiterbildung, Hanau und Rheinfelden.
+
Theo Fecher, Leiter naturwissenschaftlich-technische Aus- und Weiterbildung, Hanau und Rheinfelden.

Hanau

„Wir legen die Latte nicht tiefer“

  • Detlef Sundermann
    VonDetlef Sundermann
    schließen

Evonik-Ausbilder Theo Fecher über Schule in Corona-Zeit und Lehrstellennachfrage. Nur wenige haben sich für Qualifizierungsmaßnahmen beworben.

Wegen der erschwerten Unterrichtsbedingungen während der Corona-Pandemie fordern Lehrerverbände einen „Nachteilsausgleich“ wie Sitzenbleiben auszusetzen oder die Mittlere Reife ohne Abschluss. Evonik, Hersteller von Spezialchemie, bildet in 17 Berufen und Kooperativen Studiengängen an elf Standorten aus.

Herr Fecher, in vergangenen Jahren beklagten die Ausbildungsbetriebe einen Bewerberrückgang. Hat die Corona-Pandemie eine Trendwende eingeleitet?

Kein Jahr ist wie das andere. Richtig ist, dass auch ohne Corona ein Trend zu weniger Bewerbungen besteht, da wirkt das Corona-Jahr nur verstärkend. Festzustellen ist nunmehr auch, dass sich für unsere sechsmonatige Qualifizierungsmaßnahme „Start in den Beruf“ – zur Berufsvorbereitung für junge Menschen die bisher noch keinen Ausbildungsplatz gefunden haben, sehr wenige Kandidaten fanden.

Warum wirkt das Corona-Jahr verstärkend auf die Situation?

Manch einer wird wegen der schwierigen Zeit die Schule um ein Jahr verlängern. Aufgrund der aktuellen Corona-Situation war in den Schulen nur sehr eingeschränkt Berufsberatung möglich und nicht zuletzt gab es in den Betrieben kaum Gelegenheit, Schülern Veranstaltungen zur Berufsinformation zu bieten. Auch Werkspraktika mussten wegen der Pandemie fast alle ausfallen.

Wird das Folgen für die nächsten Jahre haben?

Nein. Wir haben auf Online-Berufsmessen umgestellt. Zwei sind bislang gelaufen und das mit gutem Erfolg. Trotzdem kann das auf Dauer kein vollständiger Ersatz für eine Präsenzmesse sein.

Wie viele Ausbildungsplätze haben Sie für Herbst zu vergeben?

Es sind 36.

Mit Chance alle zu besetzten?

Ja, davon können wir ausgehen. In der Regel gibt es auf eine Stelle durchschnittlich noch sieben Bewerber:innen. Bei weniger nachgefragten Berufen wie Chemikant oder Koch ist das Verhältnis jedoch deutlich geringer.

Sind bereits alle besetzt?

Vor zehn Jahren war es üblich, dass ein Jahr vor Ausbildungsbeginn alle Plätze vergeben waren. Heute nehmen wir Bewerber:innen manchmal auch noch einen Tag vor Ausbildungsbeginn unter Vertrag.

Woran liegt das?

Zum einen gibt es in der Region eine enorme Stellenauswahl, zum anderen fahren nicht wenige Jugendliche mehrgleisig. Das heißt, sie haben mehrere Bewerbungen laufen und nehmen am Ende das aus ihrer Sicht beste Angebot.

Die Lehrerverbände verweisen dieser Tage nach einem Jahr coronabedingten Unterrichtsschwierigkeiten auf den gesunkenen Bildungsstand der Schüler. Wie reagiert Evonik darauf?

Wegen des Corona-Jahrs werden wir für Schüler und Studenten die Latte nicht tiefer legen. Ich glaube, das ist auch nicht nötig. Im vergangenen Jahr haben wir erstmals einen Online-Eignungstest geschaltet. Die Ergebnisse zeigen, dass wir keine Kompromisse machen müssen. Das kann für den Jahrgang 2021 gesagt werden. Wie es 2022 seien wird, ist heute natürlich noch offen.

Kann in der Ausbildung das kompensiert werden, was in der Schule oder im Homeschooling nicht oder unzureichend vermittelt werden konnte?

Auch vor Corona waren immer wieder schulische Defizite bei Auszubildenden festzustellen und auszugleichen. Dazu bieten wir zur Lehre einen Werksausgleichunterricht, der hat sich bislang gut bewährt. Nicht zuletzt, weil die jungen Leute engagiert daran teilgenommen haben.

Werden nach Corona die Zeugnisnoten an Strahlkraft für Ausbildungsbetriebe eingebüßt haben?

Für uns ist zunächst wichtig, wie die Eingangstests und das Bewerbungsgespräch gelaufen sind und ob die Vorstellungen des Bewerbers mit seinen Fähigkeiten weitgehend in Einklang stehen. Soziale Kompetenzen wie Teamfähigkeit sind uns auch sehr wichtig. Natürlich schauen wir auch weiterhin interessiert auf die Zeugnisnoten. Wir suchen uns aber nicht nur Einser-Kandidaten aus.

Interview: Detlef Sundermann

Das könnte Sie auch interessieren

Mehr zum Thema

Kommentare