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Seit Juli 2016 dreht sich das historische Karussell wieder – nach etwa 80 Jahren Stillstand.

Hanau

Hanauer Wilhelmsbad aufwerten

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Karussell-Förderverein startet neue Projekte. Die Parkwirtschaft wird wieder aufgebaut.

Vor gut 20 Jahren hat Stefan Bahn einen Förderverein gegründet, der ein anfangs fast unerreichbar scheinendes Ziel hatte: das im Zweiten Weltkrieg zerstörte Karussell im Kurpark Wilhelmsbad – mit 240 Jahren das wohl älteste der Welt – wieder in Betrieb zu nehmen. Vor drei Jahren gelang dies. Bahns Begeisterung für das Karussell hat nicht nachgelassen. „Wenn ältere Leute nach der Fahrt Tränen in den Augen haben und sich an früher erinnern, läuft es mir eiskalt den Rücken runter“, sagt er.

Bahn und seine Mitstreiter kümmern sich aber nicht nur um das Karussell. Das Karussell sei für ihn das Herz der Kuranlage, so Bahn. Es „schlägt wunderbar“, doch in einem gesunden Körper müssten auch die andere Organe funktionieren. Deshalb will sich der Verein nun in Zusammenarbeit mit der hessischen Schlösserverwaltung verstärkt anderen Dingen im Park widmen und dafür Geld sammeln: Eine historische Brücke am Teich soll, so der Wunsch, rekonstruiert, und der Sitz des Einsiedlers erneuert werden. Dessen Höhle muss statisch untersucht werden, genauso wie der Tunnel in der Nähe des Karussells. Dieser ist derzeit geschlossen, auch weil sich Steine von der Decke lösen könnten. Der Spielplatz braucht ebenfalls eine Modernisierung.

„Es gibt viel zu tun“, so Bahn. Kürzlich hat der Förderverein eine Stuhlpatenschaft initiiert, um neue Technik für das Parktheater Comoedienhaus zu finanzieren. Damit für all das möglichst viele Spenden zusammenkommen und sich den 280 Mitgliedern weitere anschließen, hat der Verein jetzt eine Kampagne mit dem Slogan „Wilhelmsbad im Herzen“ gestartet. Dazu gehört ein Flyer mit einer Auflage von 10 000 Stück, der unter anderem das Comoedienhaus-Projekt vorstellt, die Fahrtzeiten des Karussells und Termine für Führungen auflistet. Der nächste Karusselltag ist am Ostermontag. Laut Bahn ist das Fahrvergnügen „weiterhin ein Besuchermagnet“. Seit Juli 2016 hat der Verein 22 000 Fahrten gezählt, zu den 215 Führungen kamen 4350 Besucher, bei zuletzt steigender Tendenz.

Bahn geht davon aus, dass noch mehr Besucher kommen, wenn die Sanierungen in Wilhelmsbad abgeschlossen sind. Der Arkadenbau wird nach wie vor erneuert. In den vergangenen Jahren hatten sich die Reparaturen immer wieder verzögert, unter anderem wegen Pilzbefall an den Dachstuhlbalken. Die Kosten für die Erneuerung des Baus wurde auf 16 Millionen Euro beziffert.

Derweil hat der Wiederaufbau der „Kleinen Parkwirtschaft“, die 2015 durch Brandstifter zerstört worden war, begonnen. Derzeit ist das italienische Restaurant in Spezialcontainern untergebracht. Im kommenden Jahr soll die „Kleine Parkwirtschaft“ neu eröffnen.

Was mit der „Großen Parkwirtschaft“ an der Promenade geschieht, ist hingegen weiter unklar. Zuletzt gab es seitens der Schlösserverwaltung Überlegungen, hier kein großes Restaurant zu etablieren, sondern eine Dauerausstellung zum Thema Gartenkunst und draußen einen Biergarten oder mobile Gastronomie. Bahn spricht sich dafür aus, bald zumindest eine provisorische Lösung zu schaffen. „Gerade im Sommer bräuchte es ein Café.“

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