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Beliebt bei Tierpaten: große und kleine Wildschweine. Aktuell gibt es 36 Paten für das an sich eher scheue Borstenvieh.

Hanau

Ein Wildschwein für 100 Euro

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Seit 20 Jahren leisten Tierpatenschaften im Wildpark Alte Fasanerie in Hanau einen wichtigen Beitrag.

Elch, Wolf und Luchs sind schon aus. Kaninchen, Rotwild oder Vorwerkhühner sind noch zu haben. Seit gut 20 Jahren können im Wildpark Alte Fasanerie Tierpatenschaften geschlossen werden. Mit Schafbock Joschi hat es angefangen. Manche Patenschaft dauert nur ein Jahr, einige sogar ein ganzes Tier- oder Menschenleben. Von den mehr als 300 Tieren haben gut 200 einen Sponsor. Für den Förderverein, der die Tierpatenschaften verwaltet, ist es eine wichtige Einnahmequelle.

„Mit dem Geld werden Tiere angeschafft und vor allem Gehege gebaut oder modernisiert“, sagt Hannelore Moravec, Vorsitzende des Fördervereins. Erst vor zwei Jahren gab der Verein 100 000 Euro zur Erweiterung des Wisentgeländes, zwei Jahre davor gab es 70 000 Euro für den Bau eines großen Wildkatzengeheges. Laut Moravec wird zurzeit an einer Fischotteranlage geplant.

Mit rund 28 000 Euro im Jahr steuern die Tierpatenschaften bei diesen Investitionen einen bedeutenden Beitrag zur zeitgemäßen Tierhaltung im Wildpark bei, so Moravec. Die 1705 von Erzbischof Lothar Franz von Schönborn geschaffene Fasanerie im Klein-Auheimer Wald wurde 1967 als Wildpark eröffnet. Damals galten noch andere Vorstellungen von Wildtierhaltung. „Die Tiere leben heute auf großen Flächen, die reichlich Möglichkeit bieten, sich zurückzuziehen“, sagt Moravec.

Rund 40 Tierarten aus Mittel- und Nordeuropa werden auf 107 Hektar Waldfläche gehalten.

Besitzer ist das Land Hessen. Der Betrieb wird vom Forstamt Hanau-Wolfgang geführt.

Pro Tier gibt es nur einem Paten, betont Moravec. Per Formular kann man sich bewerben oder auf eine Warteliste setzen lassen, etwa beim Uhu. Jungtiere, die noch geworfen werden oder schon da sind, können erst nach der Freigabe von Wildbiologin Marion Ebel Paten erhalten. „Es ist nicht selbstverständlich, dass Junge die Geburt oder die ersten Wochen danach überleben“, so die Vorsitzende.

Das Tiersponsoring gibt es zu festen Preisen, es fängt bei 75 Euro etwa für ein Kleintier oder Huhn an und endet bei 500 Euro im Jahr. Zu diesem Preis darf man sich einen Elch näher verbunden fühlen. Aber die sind schon alle vergeben, genau so wie Wolf, Luchs und andere Tiere mit einem gewissen Beliebtheitswert. Dazu zählen auch die Vierbeiner in der Streichelabteilung des Wildparks. Kinder seien deshalb ebenso Tierpaten.

Den Tieren wurde auch mal die Nase gekrault. 

Wildschweine seien bei Sponsoren auch beliebt, aber wer welche Wutz für 100 Euro begünstigt, das lässt sich nicht auseinanderhalten. Bei Wildparkbewohnern, die klar zugeordnet werden können, wie Esel, Wolf oder Uhu, entwickle der Pate nicht nur eine emotionale Bindung, sondern auch Fürsorge. „Die Leute informieren sich über ihr Tier und geben Wildparkmitarbeitern Bescheid, wenn sie meinen, es sei etwas nicht in Ordnung.“ Wenn ein solches Tier stirbt, erfährt es der Pate mit als erster.

Der Mensch erhält für seinen monetären Beitrag nicht nur eine Urkunde und einen emotionalen Gegenwert. Der Förderverein kümmert sich um die Paten mit exklusiven Rundgängen und Kaffeerunden sowie regelmäßigen Informationen zu Veranstaltungen. Zudem gibt es während der Patenschaftsdauer freien Eintritt in den Park.

Infos gibt es unter www.hessen-forst.de/wildparke und www.foerderverein-alte-fasanerie.de.

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