Hanau

Wildpark-Jagdhaus wird endlich saniert

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Pfusch und Verfall trotz Denkmalschutz.

Der Wildpark Alte Fasanerie in Klein-Auheim zieht Menschen aus der gesamten Region an. Rund 210 000 Besucher kamen 2018, nicht zuletzt wegen der Polar- und Tundrawölfe. Viele Gäste loben den Park, klagen aber über das gastronomische Angebot. Zwar werden an Imbisswagen Würstchen und andere Snacks verkauft, doch ein Restaurant gibt es nicht. Denn das Jagdhaus unterhalb der Fasanerie wird seit drei Jahren nicht mehr bewirtschaftet.

Das 1705 errichtete, denkmalgeschützte Gebäude ist noch nie richtig saniert worden, zudem wurde an dem schönen Haus immer wieder gepfuscht. Nach einer mehrjährigen Hängepartie – mit Gutachten und einem Kampf um die Finanzierung – steht jetzt der Sanierungsplan, und die vorbereitenden Arbeiten haben begonnen.

Nach Angaben von Forstamtsleiter Christian Schaefer, der auch für das Jagdhaus zuständig ist, nimmt der Eigentümer, der Landesbetrieb Hessen-Forst, aus seinen Rücklagen 1,2 Millionen Euro, um das Haus zu erneuern. Für eine vollständige Sanierung reicht das Geld nicht, aber – laut Schätzung – für Erdgeschoss und Außengelände, so dass „hier wieder eine angemessene Gastronomie geboten wird“.

Im Obergeschoss will Schaefer, etwa durch Reparaturen an der Substanz, zumindest die Voraussetzungen dafür schaffen, dass die Erneuerung „nach der nächsten Geldspritze“ weitergehen kann. Schaefer sagt, er hätte liebend gern schon früher saniert, „aber wir bekamen nicht die notwendigen Mittel“.

Im kommenden Jahr, so das Ziel, soll der Pächter präsentiert werden und starten können. Nach den Worten von Schaefer wird ein gutbürgerliches, aber nicht hochpreisiges Lokal angestrebt, das Wildparkgäste und externe Besucher sowie Gesellschaften anspricht. Es hätten sich bereits Interessenten gemeldet. Wie viel der ausgewählte Gastronom noch in die Räumlichkeiten investieren muss, soll verhandelt werden.

Architekt Christian Bernard vom Kasseler Büro punkt4 will „so viel Substanz wie möglich erhalten, aber auch einiges ändern“. So werden zum Beispiel die Sanitäranlagen in den angrenzenden Stall verlegt, der barrierefrei umgebaut und über einen Durchgang erreichbar sein wird. Dadurch bekommt die Gastronomie im Jagdhaus mehr Platz, etwa 100 Quadratmeter werden nur für die Gäste zur Verfügung stehen. Im Innenhof entsteht ein Biergarten.

Vorher müssen Bernard und die Handwerker eine Herkulesaufgabe bewältigen. Die Mängel sind so eklatant, dass man sich fragt, wieso Denkmalschutzbehörde und Bauaufsicht nicht eingeschritten sind und das Land nicht viel früher Geld bereitgestellt hat, um den Verfall aufzuhalten. Die Statik des Hauses sei „eminent gestört“, so Bernard.

Das liegt auch daran, dass es zum Teil auf sandigem Boden errichtet wurde. Es geriet in Schieflage, die durch aufgeschütteten Sand ausgeglichen wurde. Insgesamt etwa 60 Tonnen davon wurden herausgeholt. Dort, wo auf Sand gebaut wurde, will der Architekt das Haus mit Hilfe einer Pfahlkonstruktion, die 4,50 Meter unter der Erde beginnt, stützen.

Eine weitere Herausforderung sind die Pfuschereien, die in den vergangenen 30 Jahren begangen wurden: Mal wurde mit Bauschaum verschlimmbessert, mal mit Metallkonstruktionen oder Styropor. Bernard ist dennoch zuversichtlich, weil die Grundsubstanz gut sei. „Wir kriegen das hin.“

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