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Im Mordprozess gegen Sektenführerin Sylvia D. am Landgericht hat am Montag ihr jüngerer leiblicher Sohn ausgesagt und die 72-Jährige belastet.

Hanau

„Wie auf einem Minenfeld“

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Im Mordprozess gegen die Sektenchefin Sylvia D. berichtet ihr 41-jähriger Sohn von Psychoterror und Prügeln.

Manchmal sei Sylvia D. eine liebende Mutterfigur gewesen, sagt Manuel D. Doch die Stimmung konnte heftig umschlagen. Wie auf einem Minenfeld fühlte er sich. Man habe nie gewusst, wann es explodiert. Der heute 41-Jährige berichtet von Prügelorgien seiner Mutter, von Psychoterror und Bespitzelung. Meistens seien seine angeblich „von den Dunklen besessenen“ Adoptivgeschwister die Opfer gewesen, mitunter aber auch sein Bruder und er. Wenn sie als „Thronfolger“ die Anforderungen nicht erfüllten, etwa indem die beiden D.s Lehren hinterfragten oder etwas im Haus kaputtging.

Im Mordprozess gegen Sektenführerin Sylvia D. am Landgericht hat am Montag ihr jüngerer leiblicher Sohn ausgesagt und die 72-Jährige belastet. Ihr System fuße darauf, dass sie sich für „den einzig wahren Menschen“ halte, der Träume deuten und mit Gott kommunizieren könne. Die Erziehung beschreibt er als „brutal in jeder Hinsicht“.

Die Staatsanwaltschaft wirft Sylvia D. vor, sie habe 1988 Jan H., den Sohn von Anhängern, in einem Sack ersticken lassen, weil sie ihn als Hitlers Wiedergeburt betrachtete. Manuel D. bestätigte, dass der Junge misshandelt worden sei. Sylvia D. habe ihn angeschrien und ihm Essen in den Mund gestopft; er habe in einem engen, oben zusammengebundenen Sack schlafen müssen.

Wer D. nicht blind folgte, dem habe sie schwere Krankheiten angedroht. Nach Jans Tod hieß es demnach, Gott habe ihn „abräumen“ müssen, weil er böse gewesen sei – eine Warnung.

D., die schweigt und ein paar Mal erbost auf ihren Sohn starrte, ließ den Mordvorwurf durch ihre Verteidiger bestreiten. Ihre Mandantin sei Opfer einer Hetzkampagne mit dem Ziel, die Produktionsfirma der D.s zu ruinieren.

Manuel D., der auch als Art Direktor tätig ist, wies den Vorwurf zurück. Nach seinen Worten sitzen die meisten seiner Kunden in der Schweiz und haben nichts mit Aeon zu tun. Es sei darum gegangen, aufzuklären und zu verhindern, dass junge Leute über das Unternehmen in die Gruppe geraten. Fassungslos fragte Manuel D.: Wie könne die Firma nach den Aussagen des Ehepaars H. auf ihrer Webseite noch schreiben, es handle sich um eine Kampagne? Die Behauptung könne seinen Ruf schädigen, so Manuel D., und lasse sich nicht halten. Aus den Aussagen der H.s, die für Aeon arbeiten und Unterlagen geht unter anderem hervor, dass die Anhänger sich von Sylvia D. ausbeuten ließen und Jan H. zum Schlafen eingeschnürt worden sei. Claudia H. hatte sexuelle „Energiezeiten“ mit D.s Mann, um Gott „zu stärken“. Interne Schreiben belegen zudem, dass die Firma als göttlich betrachtet wird und mit der Gruppe verwoben ist. 

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