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Ein Saxophon-Spieler.

Main-Kinzig

Wegen Corona-Virus: Auch Musikschulen im Main-Kinzig-Kreis schalten auf Fernunterricht um

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Die Musikschulen im Main-Kinzig-Kreis kämpfen mit Ersatzangeboten ums Überleben. Es gibt Forderung an das Land, das Förderungsysytem zu ändern.

Wer ein Instrument lernt, muss dies derzeit nicht ohne fachliche Anleitung tun. Mit der Schließung der regulären Schulen wegen der Corona-Epidemie haben zwar auch die Musikschulen den klassischen Lehrer-Schüler-Unterricht eingestellt. Mit Fernunterricht versuchen die öffentlichen Musikschulen im Kreis Ersatz zu bieten. Die Schulleiter sehen ansonsten die Institution Musikschule in Gefahr. Die Krise zeige auch, dass die bisherige Finanzierung, überwiegend aus Gebühren, überdacht werden müsse, heißt es.

„Beschissen ist noch geprahlt“, beschreibt Jörn Pick, Leiter der Hanauer Paul-Hindemith-Musikschule, deutlich die Situation. Er fühlt sich von der Landespolitik alleingelassen. Aber nicht nur er. Erst dieser Tage hat die hessische Kulturministerin Angela Dorn (Grüne) auch den Kulturschaffenden Nothilfe aus dem 7,5 Milliarden Euro schweren Hilfsfonds des Landes zugesagt. Wie diese Hilfe konkret – vor allem für die vielen freiberuflichen Musikpädagogen – aussehe und wann sie komme, sei jedoch noch unbekannt, sagt Hans-Joachim Rieß, Geschäftsführer des Hessischen Landesverbands im Verband Deutscher Musikschulen.

Auch habe bis vergangenen Mittwoch Irritation darüber geherrscht, ob Musikschulen überhaupt geschlossen werden müssten. Diese Anweisung sei dann mit der vierten Verordnung der Landesregierung zur Bekämpfung des Coronavirus erfolgt. Damit könnten nun Hilfen für die Musikschulen und deren Lehrkräfte beantragt werden, heißt es weiter.

Solidarität der Eltern wichtig

Das Überleben der Musikschulen hänge aber auch im hohen Maße von der Solidarität der Eltern ab, die zurzeit groß sei, sagt Schulleiter Pick. „Wenn es euch nach der Krise nicht mehr gibt, haben wir einen großen Verlust“, hätten Eltern ihre Unterstützung erklärt. Vielleicht auch, weil die Musikschulen ihre Schüler nun nicht im Stich lassen. „Mit Beginn der Corona-Krise haben wir sofort reagiert“, sagt Pick. Es wurden zwei Modelle aufgestellt. Eines, bei dem der Stundenausfall in zwei Wochen der Sommerferien nachgeholt wird, das zweite heißt Fernunterricht per Skype und E-Mail. Innerhalb kurzer Zeit hätten sich die Lehrkräfte in die neue Unterrichtsform eingearbeitet, mit vielen Überstunden. Die Reaktion von Eltern und Schülern auf das Angebot sei durchweg positiv, so Pick.

Diese Erfahrung machten auch die Musikschule Nidderau-Schöneck-Niederdorfelden und die Musikschule Main-Kinzig in Gelnhausen. Man habe sich schnell umgestellt, auch die älteren Kollegen, berichtet Christoph Möller, Schulleiter in Nidderau. Die Lehrkräfte seien „hochmotiviert“ drangegangen. Allerdings könnten Skype, Videos oder schriftliche Übungen auf Dauer nicht den direkten Lehrer-Schüler-Unterricht ersetzen. Ähnlich sieht es sein Kollege aus Gelnhausen, Harry Wenz. „Wir versuchen aber alles, die Treue nach oben zu spülen“, sagt er.

Den Unterricht mit anderen Mittel fortzusetzen, sei auch wegen der sinnvollen Beschäftigung der Kinder nötig, die nun in der Wohnung ausharren müssten, so Wenz. Für die Musikschule sollte 2020 ein Jubeljahr sein. Ein umfangreiches Konzertprogramm war für das 40-jährige Bestehen aufgestellt worden, darunter mit einem 60-köpfigen Symphonieorchester. Alles ist mittlerweile abgesagt.

So gut wie keine Kündigung

Die Leiter der drei Musikschulen hoffen, dass es nach den Osterferien ab 20. April regulär weitergehen kann. Bislang habe es so gut wie keine Kündigung gegeben, aber auch keine Neuanmeldung, wegen des ungewissen Unterrichtsbeginns. Eine längere Schließung und krisenbedingte finanzielle Veränderungen in manchen Familien könnten jedoch eine Kündigungswelle auslösen. Eine vorzeitige Auflösung des Vertrags sei wegen der höheren Gewalt schwierig. Man werde den Eltern helfen, etwa mit sozialen Ermäßigungen, so Wenz.

Die Musikschulen fordern daher, dass sich das Land nach dem Vorbild Bayerns stärker finanziell einbringt, um die Abhängigkeit von den Gebühren zu mindern. Der Freistaat bezuschusst mit knapp 18 Millionen Euro zwölf Prozent der Personalkosten, in Hessen sind es 2,6 Millionen Euro (2019). Der Elternanteil beträgt dort bis zu 80 Prozent, in Bayern sind es 41 Prozent.

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