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Von draußen direkt hinein: Notschlafstelle für Wohnungslose im Franziskus-Haus.

Hanau

Ein warmer Platz in kalter Nacht in Hanau

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Die Notschlafstelle „Schneckenhaus“ im Franziskus-Haus in Hanau besteht seit rund 25 Jahren.

Wer in einer kuschelig warmen Wohnung sitzt, wünscht sich gern einen frostigen, schneereichen Winter. Keinen Sinn für eine solche Winterromantik haben hingegen Menschen, die „Platte machen“ - und das sind auch in Hanau und Umgebung nicht wenige. Diese Personen können jetzt wieder bis in den März hinein nächtliche Zuflucht im „Schneckenhaus“ finden. Die Notschlafstelle des Franziskus-Hauses besteht nunmehr seit fast 25 Jahren. Die Nachfrage ist für die Einrichtung nach wie vor ungebrochen. In dem relativ milden Winter 2018/19 suchten 68 Personen dort 189 Mal für eine Nacht Quartier, sagt Rainer Broßmann, Leiter des Hauses.

Bis zu drei Personen können im Schneckenhaus übernachten, sagt Broßmann. Bei höherem Bedarf werden rasch eben Provisorien geschaffen. Die Schutzsuchenden müssen sich weder anmelden noch zu einer bestimmten Uhrzeit da sein - auch wenn im Franziskus-Haus schon längst Feierabend herrscht. An der Tür zum „Schneckenhaus“ gibt es eine Klingel, die direkt mit dem Bereitschaftsdienst verbunden ist. Binnen kurzer Zeit öffnet ein Nachtdiensthelfer die Tür.

„Es sind EU-Bürger, Obdachlose aus Hanau und Menschen, die im Kreisgebiet herumziehen“, beschreibt Broßmann die Nutzer. Eine andere Klientel seien Männer, die die Polizei wegen häuslicher Gewalt aus der ehelichen Wohnung verwiesen hat. „Keiner soll vor der Tür bleiben“, heißt es. Doch es gibt auch Ausnahmen, um die Bewohner des Übergangswohnheims und die Beschäftigten zu schützen und nicht zu überfordern. Personen, die pflegebedürftig oder nicht gehfähig sind, können nicht aufgenommen werden, ebenso Betrunkene und Menschen, gegen die bereits im Franziskus-Haus ein Hausverbot ausgesprochen worden ist.

Das Franziskus-Haus, Matthias-Daßbach-Straße 2, ist die ökumenische Wohnungslosenhilfe der Caritas Main-Kinzig. Sie unterhält dort Tagesstätte, Übergangswohnheim und die Notschlafstelle „Schneckenhaus“. 


Weitere Einrichtungen sind die Stiftung Lichtblick der evangelischen Marienkirche und der Verein Straßenengel.

Infos unter www.caritas-mkk.de, www.lichtblick-in-hanau.de oder www.strassenengel.org. sun

Der Aufenthalt im „Schneckenhaus“ darf nur eine Nacht dauern. Allerdings kann es nach Tagen erneut aufgesucht werden. Es wird nicht nur ein Bett geboten, sondern auch ein Bad für Körperhygiene und etwas zum Anziehen aus der Kleiderkammer. Ein Frühstück und eine freiwillige Beratung gibt es am nächsten Morgen. „In der vergangenen Saison haben nur acht Personen nichts von beidem genutzt und waren morgens einfach weg“, sagt Broßmann. Die Hilfe der ambulanten Fachberatung könne dabei der erste Schritt wieder in ein normales Leben sein.

Den Willigen gibt das Haus mehr als Rat und Adressen. Mit dem eigenen Übergangswohnheim wird nach einer Phase des Ankommens aktive Unterstützung bei der Arbeits- und Wohnungssuche oder bei gesundheitlichen Problemen wie chronische Erkrankungen oder Alkoholismus gegeben. Dazu schließen Franziskus-Haus und „Gast“ einen Vertrag ab, der einen Hilfeplan beinhaltet. Die Verweildauer beträgt zwei Jahre. „Der Wohnungsmarkt macht es für diese Menschen schwierig, eine Bleibe zu finden“, sagt Broßmann. Viel Netzwerkarbeit, etwa mit der Hanauer Baugesellschaft, sei erforderlich.

Das Übergangswohnheim des Hauses hat eine Auslastung von 90 Prozent. Vor rund drei Jahren wurde es erweitert und vor allem modernisiert, so dass die nunmehr 14 Einzel- und vier Doppelzimmer eine eigene Dusche samt Toilette besitzen. Ein Fortschritt, der zudem der Privatsphäre der Bewohner zugute kommt.

Allein bleiben etwa an Heiligabend muss keiner im Wohnheim, auch die Menschen nicht, die kein Dach über dem Kopf haben. In diesem Jahr gab es am Abend des 24. Dezembers wieder das Weihnachtsfest in der Tagesstätte des Franziskus-Hauses. Mehr als 60 Menschen folgten der Einladung, gemeinsam am Festmahl aus Putenkeule, Knödeln und Rotkraut teilzunehmen, das von ehrenamtlichen Helfern zubereitet und serviert wurde. Die Weihnachtszeit ist für die Menschen auf der Straße eine besonders emotionale Zeit, bemerkt Sozialarbeiterin Susanne Ziegenhain. „Bei vielen weckt sie Erinnerungen an frühere Zeiten, geliebte Menschen, aber auch an Schicksalsschläge.“

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