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Die Brüder Grimm haben Spuren in Hanau hinterlassen, unter anderem Form des Denkmals auf dem Marktplatz.
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Die Brüder Grimm haben Spuren in Hanau hinterlassen, unter anderem Form des Denkmals auf dem Marktplatz.

Hanau

Von Grimms bis Knigge

  • Detlef Sundermann
    vonDetlef Sundermann
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Über die Literaturgeschichte der Stadt Hanau ist ein Buch erschienen. Und es liefert neben den bekannten Märchen-Brüdern auch neue Erkenntnisse.

Hanau und Literaturgeschichte, eine Paarung, die wohl zumeist ein ungläubiges Kopfschütteln hervorbringt. Der Literaturwissenschaftler Heiner Boehncke und der Historiker Hans Sarkowicz erbringen mit ihrem jüngsten Werk „Märchen und so viel mehr“ in der Reihe „Hanauer Geschichtsblätter“ den Gegenbeweis. Auf 450 Seiten sind 400 Jahren schriftstellerisches Schaffen alles andere als sperrig niedergeschrieben worden. Laut der Autoren sogar mit einigen neuen Erkenntnissen. Überdies wird das frühe, bedeutende Verlags- und Druckwesen in Hanau beleuchtet.

Dass das Autorenduo Erfahrung in investigativer Arbeit besitzt, zeigte es mit ihrem 2020 erschienen Buch „Der fremde Ferdinand“, über den weitgehend verschwiegenen Bruder der Grimms.

Boehnke und Sarkowicz müssen bei ihrer Recherche so manchen Stein in der Hanauer Geschichte umgedreht haben, um darunter literarisches Wirken zu entdecken – und das ist nicht wenig. Die bekannten Märchensammler und Germanisten Jacob und Wilhelm Grimm nehmen dabei gar kein übermäßig dickes Kapitel in dem Buch ein, das der Hanauer Geschichtsverein mit der Stadt herausgibt. In der Darstellung werden Schreiber:innen von Romanen, Gedichten oder Märchen ebenso aufgenommen, wie solche, die sich mit gesellschaftlichen Themen auseinandersetzten.

Von allem was bietet etwa Johann Michael Moscherosch, 1601 im hanau-lichtenbergischen Willstätt geboren. Mit dem späteren Rechtsberater des Grafen Friedrich Casimir von Hanau heben die Autoren hervor, das Hanau auch eine Stadt der Barockliteratur sei.

In „Märchen und so viel mehr“ fanden auch auswärtige Autor:innen Eingang, die einen mehr oder weniger langen Lebensabschnitt in der Stadt verbrachten wie Grimmelshausen, Adolph Knigge oder die Familie Cancrin. In Sachen Familien haben Boehnke und Sarkowicz bislang bloß vermutete Verbindungen zwischen den Hassenpflug-Schwestern, die den Grimms von französischen Märchen erzählten, und den Günderrode-Schwestern mit der Dichterin Karoline von Günderrode nun nachgewiesen.

Dem Autorengespann Boehnke und Sarkowicz wurden keine Vorgaben gemacht. Die beiden haben durch ihre früheren Publikationen und Texte über Grimms und Märchen den Impuls für das Buch gegeben. Es sei kein Nebenprodukt vom „Der fremde Ferdinand“, sagt Boehnke. Dass das eine vor dem anderen erschienen sei, habe an der aufwendigen Recherche gelegen. „Wir haben immer wieder neues, spannendes Material entdeckt“, so Boehnke. Und so habe man beim Mitinitiator, Kulturamtsleiter Martin Hoppe, um mehr Zeit gebeten. Allerdings konnten die Autoren die letzten Hundert Jahre zügig durcharbeiten. „Nach dem 19. Jahrhundert erlahmte das literarische Schaffen in Hanau.“

„Märchen und so viel mehr“ ist laut Boehnke keineswegs für Expert:innen oder Forschende geschrieben. Das bleibt unwidersprochen. Die Texte sind eingängig zu lesen und vermitteln viel Hintergründiges zur Hanauer Historie. Der Geschichtsverein rechnet denn auch mit einem weiten Leser:innenkreis. Laut Vorsitzendem Michael H. Sprenger sei die Auflage mit 750 Exemplaren für den 53. Band der Geschichtsblätter diesmal höher.

Märchen und so viel mehr: Hrsg.: Hanauer Geschichtsverein und Stadt Hanau, 454 Seiten, ISBN 978-3-935395-36-6, 39 Euro.

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