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Forstamtsleiter Christian Schaefer und Architektin Anja Thede im „nackig gemachten“ Jagdschlösschen.

Sanierung

Verspäteter Wiedereinzug in Hanau

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Die Arbeiten am historischen Forstamt  in Wolfgang verzögern sich. Grund sind Bauschäden und fehlende Firmen.

Über die Eingangstreppe gibt es für Forstamtsleiter Christian Schaefer nichts zu verhandeln. „Die bleibt, wie sie ist“, sagt er. Architektin Anja Thedo macht ein nachdenkliches Gesicht, argumentiert mit Arbeitsschutz und künftig glattem Anschluss an die Türschwelle. Aber nein, die von tausenden Schuhen gewetzte Delle in der obersten Stufe, die bezeugt, dass Generationen von Forstbeamten und Waldarbeitern durch den rechten Türflügel in der einstige Jagdschlösschen hinein und hinaus gegangen sind, will Schaefer so erhalten. „Die Stufe zeigt doch, dass hier Leben ist im Haus“, sagt er und Thede verspricht, mit dem Handwerker eine Lösung zu finden, die Arbeitsschutz und Schaefer zufrieden stellt.

Seit gut einem Jahr steht das Forstamt Hanau-Wolfgang von Gerüst und Staubschutzgazen umgeben im Wald an der Rodenbacher Chaussee. Dabei sollten Schaefer und seine Leute eigentlich schon wieder zurückgezogen sein, aus dem im Vergleich idyllischen Exil auf dem ehemaligen Erlenseer Fliegerhorst. Doch es haben sich mehrere Probleme ergeben, berichtet Thede. Zum einen herrsche Hochkonjunktur auf dem Bau, „die Betriebe haben volle Auftragsbücher und sind derzeit an Ausschreibungen der öffentlichen Hand nicht so interessiert.“ Zum anderen habe sich beim „Nackigmachen des Gebäudes“ gezeigt, dass an einigen Stellen mehr Schäden vorhanden sind, als die Bauvoruntersuchung zutage brachte.

Reinhard Philipp III. ließ das Gebäude 1715 bauen. In den gut 300 Jahren wurde das zweigeschossige Gebäude mit einem mit hohen Gauben besetzten Dach erweitert und umgebaut sowie mehrmals saniert, vor allem von 1868 an, mit der Nutzung als Forstamt. In den 70er und 80er Jahren sei letztmalig renoviert worden, aber aus heutiger Erkenntnis mit für derart alte Gebäude untauglichen Materialien, so Thede. Die Folge: Feuchtigkeit sammelte sich in Wänden, die den Eichenbalken schwer zusetzte und einen Teilaustausch erforderlich machte. Bei der jetzigen Sanierung ist daher nicht die Rekonstruktion von 1715 wichtig. „Das Gebäude muss seine ursprüngliche Materialität wieder erhalten“, so Thede. Dabei gilt es auch, den Spagat zwischen Denkmalschutz und Energieeffizienz hinzubekommen.

Voraussichtlich im November kann das Forstamt wieder in das denkmalgeschützte Gebäude aus der Barockzeit einziehen.

Dass das Schlösschen noch eine Weile innen mit von Putz befreiten Wänden dasteht, soll für ein baugeschichtliches Gutachten genutzt werden. Das Erdgeschoss ist aus Steinwänden errichtet worden, die Etage darüber besteht aus Fachwerk. Wandabschnitte aus unterschiedlichen Ziegelsteinen sind Hinweise auf Veränderungen, ebenso wie die irgendwann zugemauerten Kamine, die mutmaßlich vom Treppenhaus aus befeuert wurden, um die Zimmer rauch- und aschefrei zu halten. Mit dem „Nackigmachen“ kamen zudem Tapetenreste und Wandmalereien zum Vorscheinen, so im früheren Büro von Schaefer, wo an einer Stelle dunkelblaue Blattdekoration zu sehen ist. „Das bleibt alles sichtbar.“

Freigelegter wird auch die zu einem Halbbogen ins erste Obergeschoss hinaufführende Treppe stehen. Das historische Holzgeländer mit seinen gedrechselten Stäben bleibt erhalten, die allerdings um 20 Zentimeter erhöht werden. Der Arbeitsschutz.

In welcher Farbe die Fassade angelegt wird, steht noch nicht fest. Der historische Farbton ist unbekannt. Laut Schaefer zeigt eine Fotografie von 1912 einen hellen Anstrich. Somit: „Es muss in die Landschaft passen“, die aus vielen Bäumen besteht. In den Anstrich werden auf jeden Fall Naturpigmente, etwa aus Sand und Erde, eingerührt, so Thede. Der Farbton werde zwischen dem heutigen Blassgelb und Ocker changieren.

Laut Thede werde sich die Sanierung um zehn bis 15 Prozent verteuern. Der Kostenansatz lautete vor einem Jahr 750 000 Euro. Mit dem Bauarbeiten soll es bald zügig weitergehen. Noch im November soll das Forstamt wieder ins Schlösschen einziehen. Viel später darf es für Schaefer aber nicht werden, sonst kann er seine wunderbare Dienststelle nur noch als Pensionär besichtigen.

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