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„Die Bremsen sind noch gut“: Auktionator Reinhard Paul fand für jedes Rad die passende Laudatio.

Hanau

Velos zum Schleuderpreis in Hanau

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Bei einer Auktion des Ordnungsamtes Auktion kommen Fundfahrräder unter den Hammer. Die Stadt hat damit einige Hundert Euro verdient.

Stellt euch mal vor, euch wollte keine mit nach Hause nehmen“, versuchte es Auktionator Reinhardt Paul. Aber die Mitleidstour half bei wenigen Drahteseln überhaupt nicht, bei einigen löste sie immerhin nach eine Weile einen kurzen Bietersturm aus, der sich jedoch bei 15 bis 28 Euro legte und das „... zum Dritten“ fiel.

Der Einzelhandel lockte am Samstag unter dem Motto „Hanau räumt die Lager“. Davon fühlte sich das Ordnungsamt der Stadt ebenfalls angesprochen, jedoch als Akteur, um mal das Depot mit Fund-Velos zu räumen: Fahrräder, die herrenlos in der Stadt herumstanden oder von der Polizei als Fundsache gebracht worden sind. Wenn sich nach einer Aufbewahrungsfrist von sechs Monaten niemand ob des Verlustes meldet, geht das Objekt in den Besitz einer Kommune über, so steht es im deutschen Fundrecht.

In drei Auktionen wurden am Samstag auf dem Freiheitsplatz jeweils 20 Fahrräder, für beider Geschlecht und für jedes Alter sowie fast jeden Zweck, aufgerufen. Bereits eine Stunde vor der ersten Versteigerung war die Besichtigung der rollenden Ware möglich. Alles wurde so angeboten, wie es dem Ordnungsamt gebracht worden ist. Kein Velo war geputzt oder repariert, falls erforderlich. Der Rost auf Kette und Zahnradkränzen blieb im Originalzustand. Selbst der Reifendruck ist nicht aufgebessert worden, um bestmögliche Preise zu erzielen.

„Ersteigert, so wie gesehen“, sagt Christian Klein von der Stadtverwaltung. Testfahrten gibt es keine, ein Recht auf Garantie oder Rücknahme sowieso nicht. Die potenziellen Bieter fragen auch erst gar nicht nach einer Proberunde. Soweit möglich, wurde aus allen Winkeln mit dem Blick geprüft, für die meisten machte es das Begrabbeln von Bedienelementen wie Bremsen oder Schaltung unnötig. 

Das Publikum begutachtete die Fundsachen vor der Versteigerung.  

Manch Daumen und Zeigefinger presste jedoch den Pneu, wenn sich dessen Lauffläche mit stumpfen Profil zeigte. Über den technischen Zustand gab zudem eine Check-Liste am Lenker Auskunft, etwa über Rahmenmaterial oder technische Mängeln. „Experten haben sich die Räder angesehen und auch einen Schätzpreis genannt“, sagt Klein. Beeindruckt von dem ziemlich guten Zustand nicht weniger Räder bemerkte eine Interessentin verwundert: „Wie kann man nur solche Fahrräder vergessen?“

Einige der Vehikel zogen die Blicke ob ihres guten optischen Zustand oder des Markennamens auf dem Rahmenrohr an, zum Beispiel zwei leichtgewichtige Mountainbikes. Ein gut erhaltenes solides Alltagsrad ließ ebenfalls die Begehrlichkeit in die Höhe gehen. Das dunkelrote Damenrad des niederländischen Herstellers Gazelle löste bei Auktionsgewinnerin einen gedämpfen Jubelruf aus. Zuvor ausgeguckte Ware erhöhte die Anspannung unter den Bietern. Noch mal mitgehen, vielleicht geben die Mitbewerber nach, war mancher stille Gedanke.

Das Bieten kam per dezenten Handzeichen oder mit einem Ruf aus der dicht stehenden Menge von 50, 60 Menschen. Wer sich mündlich meldete, durchbrach gelegentlich den Fortgang von Zwei-, Fünf- oder Zehn-Euro-Schritten. Psychologie, um die Mitbewerber mit einem kleinen Preisschock abzuschütteln? Im Stress und unter den fortlaufenden Aufforderungen von Paul überbot sich schon mal einer selbst. Damit verteuerte sich ungewollt der Erwerb etwa in einem Fall um drei Euro, von 15 auf 18 Euro. Das ersteigerte Velo musste sofort bezahlt werden, in bar. Das Geld geht der Stadtkasse zu. Hanau ist am Samstag somit um einige Hundert Euro reicher geworden.

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