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Neo* Hülcker bespielt die Herrenmühle mit einer Klanginstallation zur Zukunft von Mensch und Tier.
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Neo* Hülcker bespielt die Herrenmühle mit einer Klanginstallation zur Zukunft von Mensch und Tier.

Hanau

Utopische Klanginstallation in Hanaus Herrenmühle

  • Detlef Sundermann
    VonDetlef Sundermann
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Es quiekt, grunzt und brummt. Der Komponist Neo* Hülcker hat für die Tage der Industriekultur an der Herrenmühle in Hanau eine Toninstallation geschaffen.

Das Klappern der Mühle hört sich bei Neo* Hülcker ganz anders als in der Romanik an - abgesehen davon bewegt sich an der Herrenmühle schon seit Jahrzehnten kein Mühlrad mehr. Tierische oder tierähnliche Laute vom Quieken, Grunzen bis Trompeten erschallen dort nun, durchbrochen vom Vorlesen lateinischer Bezeichnungen, die aus einer wissenschaftlichen Abhandlungen verschiedener Spezies stammen könnten, im Wechsel mit deutschsprachigen Gattungsbenennungen. Was der Besucher hört, ist Utopia! Die aus zwei Stationen bestehenden Klanginstallation „Camille“ in der Reihe Klangkunst in der Industriekultur des Kulturfonds Frankfurt-Rhein-Main ist noch bis kommenden Sonntag an der Herrenmühle zu hören.

Für die Klanginstallation hat sich Hülcker die Frage gestellt: „Wie können Mensch und Tier in Zukunft weiter leben?“ Eine Antwort darauf fand der Künstler* bei der US-amerikanischen Wissenschaftlerin, Feminismusforscherin und Schriftstellerin Donna Haraway. Wie der Name einer Protagonistin in ihren utopischen Geschichten trägt das Tonwerk den Namen „Camille“. Bei Haraway gibt es „Syms“, die als menschliche Träger von Erbgut bedrohter Tiere fungieren. In einer Symbiose sorgen so die Menschen für die Tiere und umgekehrt.

klAngkunst

Zehn Toninstallationen in zehn Orten zählen dieses Jahr zum Programm der Tage der Industriekultur.

Aufführungsort ist immer ein Industriedenkmal etwa die Hanauer Herrenmühle in der Nordstraße 86.

„Camille “ ist bis Sonntag, 29. August, dort und im Tiefgarten an der Otto-Wels-Straße von 17.30 bis 21.30 Uhr zu hören. sun

Das ganze Programm unter:
www.krfrm.de/tdik2021

Hülcker, der an der Musikhochschule Lübeck Komposition studierte und als Komponist* und Performer* zahlreiche nationale sowie internationale Auftritte hatte, wurde zur Teilnahme an der Klangkunst eingeladen. „Für die Installation hatte ich verschiedene Orte zur Auswahl“, sagt er*. Die Herrenmühle habe es ihm* sofort angetan. Hülcker hatte sich verschiedene Mühle angesehen und dabei gefragt, „wie klingt die Mühle“. Und: Gleichwohl das Gelände und das alte Mühlengebäude von Firmen seit Jahren neu bespielt wird, ist es für Hülcker ob der enthobenen ursprünglichen Funktion Brachland, das eine Utopie benötigt.

Ein weiterer Inspirationsort ergab sich mit dem knapp 50 Meter langen Mühlenstauwehr, über dessen ganzer Breite die Kinzig mit Getöse knapp zwei Meter in die Tiefe fällt. Auf der gegenüber liegenden Uferseite befindet sich ein weitläufiger Tiefgarten. Das Rauschen bildet eine ständige Kulisse. „Es hat mich gereizt herauszufinden, mit welchen Klängen kann ich den Lärm und die Weite des Wehrs überbrücken“, sagt der in Berlin lebte Künstler*.

Die Installation besteht aus Lautsprechern in schwarzen, beleuchteten Kokons. An der Realisierung des Projektes waren Carla Caggiano (Sound) und Lisa Füttern (Objekte) beteiligt. Während über das Wehr Klänge von Tieren, Wind und Wasser geschickt werden, ist es an der zweiten Station, dem Mühlengraben, eben diese von Haraway inspirierte Utopia, das sich nach etlichen Minuten mit Regen und Froschgequake ausblendet, um dann neu zu beginnen.

Die Tierlaute sind von der Kreatur selbst aufgenommen sowie von Hülcker und Tierbesitzer:innen nachgemacht worden. Klingen letztere schon wie ihr Tier? In wiefern lässt es sich noch heraushören, was ist Mensch und was Tier? Hülckers Installation lässt hier aufhorchen und möglicherweise den Gedanken aufkommen, ist die Haraway’sche Utopia vielleicht doch schon angebrochen - zumindest akustisch? Gleichwohl haben gesellschaftliche Utopien bekanntlich etwas Unerreichbares.

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