Razzia bei der TÜV-Niederlassung in Hanau.
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Razzia bei der TÜV-Niederlassung in Hanau.

Hanau Korruption TÜV

TÜV-Plaketten für Schrottautos

  • Wiebke Rannenberg
    vonWiebke Rannenberg
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Bei der TÜV-Niederlassung in Hanau macht die Polizei eine Razzia. Zwei TÜV-Mitarbeiter sollen an Schrottautos TÜV-Plaketten geklebt haben. Die Staatsanwalt ermittelt wegen Korruption. Auch Werkstätten geraten in den Fokus der Ermittler.

Zwei Mitarbeiter der TÜV-Niederlassung in Hanau sollen Autos, die nicht verkehrssicher waren, mit Prüfplaketten versehen und dafür Geld kassiert haben. Staatsanwaltschaft und Kripo „ermitteln wegen Korruption und Falschbeurkundung“, teilte der TÜV Hessen am Freitag mit und zeigte sich „erschüttert über diese Ereignisse“.

„Autos bekamen Plaketten, die keine hätten bekommen dürfen“, sagte Unternehmenssprecher Wolfgang Krüger der Frankfurter Rundschau. Das Ganze sei systematisch mit der Hilfe von Werkstätten und Zulassungsdiensten gelaufen, es seien „nicht nur ein paar Euro“ genommen worden. Den beiden Mitarbeitern werde fristlos gekündigt, auch ihre amtlichen Befugnisse als Prüfer würden aberkannt.

Hunderte von Autos betroffen

Der TÜV sprach von mehreren Fällen. Aus dem Aufwand, den die Polizei am Freitag bei einer Razzia betrieb, lässt sich aber ableiten, dass es sich um Hunderte von Fällen handeln muss. Gegen 10.30 Uhr waren Polizeiwagen auf das Areal an der Bruchköbeler Landstraße gefahren. Die Tore wurden verriegelt, ein Schild verwies die überraschten Kunden an die Prüfstelle in Gelnhausen. Auf dem Gelände blätterten Polizisten in Papieren und untersuchten Autos. Nach und nach verließen Mitarbeiter das Gelände, der Schock war ihnen anzusehen, nur wenige wollten sich äußern. „Das ist peinlich für uns“, sagte einer. Zuvor waren sie von Ermittlern informiert und befragt worden.

Doch Durchsuchungen liefen wohl nicht nur in der Prüfstelle. Der TÜV spricht von einem „komplexen Netzwerk“ aus Zulassungsdiensten, Werkstätten und den zwei beschuldigten Männern. Im Einsatz war auch ein Hanauer Staatsanwalt. Offiziell bestätigte die Staatsanwaltschaft nur die Durchsuchung in Hanau. Nach Informationen der FR gab es auch Razzien in Werkstätten in Hanau und Offenbach. Auch dort standen Polizeiwagen vor den Toren.
Die Großaktion am Freitag geschah nicht auf Verdacht hin. Ihr waren umfangreiche und aufwendige Ermittlungen der Kripo im Polizeipräsidium Südosthessen vorausgegangen. Der TÜV spricht von einer Arbeitsgruppe im Polizei-Wirtschaftskommissariat, die extra für diese Korruptionsfälle eingerichtet worden sei. Nach Informationen der FR sollen die Beamten sogar auf Videoüberwachungen und präparierte Wagen zurückgegriffen haben.

TÜV bemerkte Abweichungen

Auch der TÜV Hessen hat nach eigenen Angaben eine Rolle gespielt: Bei Routineauswertungen der Prüfberichte seien „nicht erklärbare Abweichungen“ aufgefallen. Interne Kontrollen hätten den Verdacht auf Korruption und Falschbeurkundung bestätigt, der TÜV habe sofort Staatsanwaltschaft und Regierungspräsidium informiert. Ende der 1990er Jahre hatte es einen großen Bestechungsskandal beim Frankfurter TÜV gegeben. Danach seien die internen Kontrollmechanismen verstärkt worden, sagte Krüger.

Ob die Besitzer der Werkstätten und Zulassungsdienste die Wagen selbst vorführten oder ob auch Mittelsmänner im Spiel waren, muss geklärt werden. Klar ist aber, dass alle betroffenen Wagen erneut untersucht werden müssen – „um die Verkehrssicherheit zu gewährleisten“, schreibt der TÜV, der die Halter informieren will. Es ist davon auszugehen, dass Fahrzeuge als Gebrauchtwagen mit vermeintlich neuen TÜV-Plaketten verkauft wurden. Deshalb werde auch bundesweit nach den neuen Haltern geforscht, sagte der TÜV-Sprecher.

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