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Bisher bedienen sich Nutzer von Elektroautos meist an öffentlichen Ladesäulen.

Hanau

Hanau: Tankstelle im eigenen Haus

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In Hanau helfen E-Lotsen bei der Planung von privaten Ladestationen für Elektroautos.

Anders als bei einem mit Benzin, Diesel oder Gas betriebenen Fahrzeug muss der Nutzer eines Elektroautos sich zum Teil selbst um die Infrastruktur zum „Betanken“ kümmern. Das produziert nicht nur mehr Kosten. Bei der wichtigen Frage der Ladeoptionen können nun E-Lotsen in der Stadt Antwort geben. Katharina Lenz, Produktmanagerin Elektromobilität bei den Stadtwerken Hanau (SWH), und Anja Zeller von der städtischen Stabsstelle Nachhaltige Strategien zählen zu den hessenweit mehr als hundert Personen, die sich für diese Aufgabe von der Landesgesellschaft Hessen Agentur unter dem Titel „Zukunftsorientierte Mobilität in der Kommune gestalten“ qualifizieren ließen.

Laut Stadtwerke Hanau gibt es aktuell im Stadtgebiet sieben eigene Ladesäulen und acht weitere in den Großgaragen der städtischen Parkhausgesellschaft. Gemessen an der tatsächlichen Zahl der E-Autos sei damit die Tankinfrastruktur mittlerweile komfortabel, so der Versorger. Daher konzentrierten sich die SWH nunmehr auf den Vertrieb von Ladeinfrastruktur an gewerbliche und private Kunden, heißt es. Langfristig betrachtet ein komplexes Thema. Einfach den Elektroinstallateur mit dem Anbringen etwa einer Wallbox in der heimischen Garage zu beauftragen, ist im Einzelfall und bei einer derzeitigen E-Auto-Menge, die einer homöopathischen Dosis entspricht, durchaus die erste Lösung.

„Wichtig ist dabei, dass der Stromanschluss des Hauses nicht überlastet wird“, notiert E-Lotsin Lenz. Je nach Art der Ladesäule, Ladedauer und der Akkukapazität im Fahrzeug kann diese Grenze schnell erreicht werden.

Neue Herausforderungen

Wer den 40 bis 100 Kilowattstunden speichernden Akku zum Laden an die üblichen Hausleitung „hängt“, wird sich sehr in Geduld üben müssen. Der Hausstrom schafft nicht mehr als 3,7 Kilowatt pro Anschluss. Schnelltanker benötigen deshalb die Energie aus Drehphasenwechselstromkabel, umgangssprachlich Drehstrom genannt, und dicken Kabeln, um etwa nach zwei Stunden am Ladegerät 80 Prozent der Akkuladung erreicht zu haben.

Bei Mehrparteienhäusern kann die Nachrüstung mehrerer oder aller Stellplätze mit Ladestationen zu einem kostspieligen Vorhaben werden und somit den Ausbau von privater Infrastruktur bremsen. Laut Lenz sind deshalb die Bauträger im wachsenden Wohnquartier Pioneer Park die Selbstverpflichtung eingegangen, ein Viertel der Stellplätze bereits zu verkabeln. Dies sei zudem günstiger. Überdies empfehle das Stadtplanungsamt auch anderen Bauherren von Mehrfamilienhäusern, ausreichende technische Voraussetzungen für Ladesäulen an den Bewohnerparkplätzen gleich zu schaffen. Die Stadtwerke schlössen dann mit den einzelnen Nutzern einen individuelleren Mietvertrag ab. „Dann können wir gezielter den Stromverbrauch der gesamten Immobilie steuern“, erläutert Lenz.

Für Stromanbieter und Netzbetreiber stellen sich mit steigenden Verkaufszahlen für E-Autos neue, zum Teil problematische Herausforderungen. „Wenn alle, die um 19 Uhr nach Hause kommen, sofort an ihre Station wollen, wird das nicht gehen“, prognostiziert Florian Samweber von der Forschungsstelle für Energiewirtschaft in einem Betrag der „Wirtschafts-woche“. Die Hauptursache sieht Samweber nicht so sehr in der begrenzten Stromkapazität oder in schwache Leitungen, sondern in den Ortsnetztransformatoren, die hierzulande jeweils 50 bis 200 Haushalte mit 230 Volt Spannung versorgten.

Kritische Situationen

Heikel für die lokale Netzstabilität sind somit erst recht Schnellladeeinrichtungen. Laut einer Information aus dem Bundesumweltministerium kann es „im Einzelfall (viele gleichzeitige Ladevorgänge, zum Beispiel zu Ferien-/Wochenendbeginn) zu kritischen Situationen kommen“. Bei größeren Schnellladevorrichtungen sei jedoch bereits heute die Technik mit den erforderlichen Spezialtrafos und Pufferspeichern gesichert, heißt es. Das Umweltministerium gibt für ein Elektroauto bei normaler Nutzung einen statistischen Jahresverbrauch von 2400 Kilowattstunden an, das ist gut die Hälfte des Jahresverbrauchs eines Vier-Personen-Haushaltes. Laut der Hanauer Expertin Katharina Lenz wird es daher eine klare Prioritätenverteilung geben. Die lautet, „dass Elektrogeräte in den jeweiligen Häusern stets Vorrang vor den Ladesäulen haben müssen“.

Kontakt zu den E-Lotsen: e-mobilitaet@stadtwerke-hanau.de und klima@hanau.de.

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