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Kristina Hänel kämpft für das Recht auf Selbstbestimmung

Ärztin

Kristina Hänel kommt nach Hanau

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Die engagierte Ärztin Kristina Hänel liest in Hanau aus ihrem neuen Buch.

Sie knickt nicht ein, sondern kämpft, trotz aller Widerstände, für uns alle. Und ist fest entschlossen, durch alle Instanzen zu gehen.“ Das entgegnet Brigitte Schlich-Heinze auf die Frage, was sie an der Ärztin Kristina Hänel bewundert, die sich für eine Abschaffung des Paragrafen 219 a einsetzt, der angebliche Werbung für Schwangerschaftsabbrüche unter Strafe stellt.

Schlich-Heinze ist eine langjährige Mitstreiterin Hänels, zusammen mit anderen Frauen kämpften sie auch gegen den Paragrafen 218, nach dem ein Abbruch eine Straftat ist. Die frühere Leiterin der Hanauer Beratungsstelle von Pro Familia engagiert sich nun in deren Förderverein, genauso wie Ärztin Annette Schulmerich.

Schlich-Heinzes und Schulmerichs Initiative im Förderverein ist es zu verdanken, dass Hänel an diesem Mittwoch nach Hanau kommt, um aus ihrem im April erschienenen Buch „Das Politische ist persönlich: Tagebuch einer ,Abtreibungsärztin’“ zu lesen. Die Veranstaltung – hinter der neben dem Pro-Familia-Förderverein der Verein Frauen helfen Frauen, der Hanauer Kulturverein und das städtische Frauenbüro stehen – beginnt um 19 Uhr in der Remisengalerie im Schloss Philippsruhe. Der Eintritt kostet vier Euro. Die Moderation übernimmt Annette Schulmerich, die auch im Vorstand des Kulturvereins ist. Nach der Lesung gibt es die Gelegenheit zu diskutieren.

Kristina Hänel kämpft gegen Paragraf 219 a

Wegen der Rechtslage bestätigte das Landgericht Gießen 2018 ein früheres Urteil gegen Hänel und ordnete 6000 Euro Geldstrafe an, wobei der Richter anmerkte: „Sie müssen dieses Urteil tragen wie einen Ehrentitel im Kampf um ein besseres Gesetz.“ Ihr Buch hat Hänel während der Verfahren gegen sie verfasst. Die Ärztin und Triathletin beschreibt darin ihre Gedanken und Emotionen im Einsatz für das Recht auf Aufklärung, Selbstbestimmung und Respekt für die von Frauen getroffenen Entscheidungen. Offen und eindrücklich schildert sie ihre inneren und äußeren Kämpfe.

Statt den Paragrafen 219 a zu streichen, beschloss der Bundestag 2019 eine „Reform“. Ärzte dürfen jetzt nur mitteilen, dass sie den Eingriff anbieten, nicht aber darüber informieren. Sie würden nach wie vor – vor allem von selbsternannten „Lebensschützern“ – kriminalisiert. Und viele Betroffene im Stich gelassen, so Schlich-Heinze.

Das Thema Abbruch und die Aufklärung darüber ist nach wie vor hochaktuell, auch im Main-Kinzig-Kreis. „Die Ärzteschaft wird eingeschüchtert“, sagt Schlich-Heinze. Im bevölkerungsreichsten Kreis Hessens können sich Frauen nur an eine einzige Arztpraxis wenden. Im Internet gestaltet sich schon die Suche nach ersten Informationen extrem schwierig. „Wir dürfen Kristina Hänel nicht alleine lassen. Dass sie so attackiert wird, zeugt auch von einem Rechtsruck in der Gesellschaft. Deshalb geht das Thema uns alle an“, appelliert Schlich-Heinze.

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In ihrem Buch analysiert Kristina Hänel, wie beim Tabu-Thema Abtreibung das Politische persönlich wird.

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