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60 Jahre alt wird das Hanauer Heinrich Fischer Bad

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60 Jahre Heinrich-Fischer-Bad in Hanau

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Das Heinrich-Fischer-Bad feiert am Dienstag sein 60-jähriges Bestehen.

Bei seiner Eröffnung wurde es pathetisch als „Symbol des Wiederaufbaus“ bezeichnet. Hanau hatte sich baulich längst noch nicht von den Schäden des Zweiten Weltkriegs erholt – ein Rathaus gab es erst acht Jahre später wieder. Hatten die Hanauer doch aus lauter Sparsamkeit auf die Wiederherstellung der Tramlinien verzichtet, beim Hallenbad zeigte sich Oberbürgermeister Heinrich Fischer gar nicht knauserig. Zwei Jahre darauf erfolgt die Eröffnung des Freibads hintendran. Damit wurde das Heinrich-Fischer-Bad zur ersten Schwimmstätte in Deutschland, die Hallen- und Freibad miteinander kombinierte. Heute verkörpert die Schwimmhalle - auch wenn sich das einem ob der Fassade mit ihrem etwas rauen Charme nicht gleich von außen erschließt - eine wunderbare ästhetische Architektur der 1950er-Jahre und steht als Symbol unbeschwerter Lebensfreude. Am Dienstag, 19. März, wird der 60. Jahrestag der Eröffnung gefeiert. Das Datum sei damals bewusst gewählt worden, so Uwe Weier, Geschäftsführer der Hanau Bäder GmbH. Denn am 19. März jährt sich seit 1945 der Luftangriff der Alliierten, der Hanau in Schutt und Asche legte.

Nicht mehr alles von einst ist im „Hei-Fisch“-Bad, wie die Hanauer ihr Bad auch keck nennen, noch heute so vorhanden. Funktionalität und betriebswirtschaftliche Effektivität sowie feuerpolizeiliche Auflagen brachten Veränderungen. Das Korrektiv bestand und besteht weiterhin in der Landes Denkmalbehörde – und nicht nur bei der energetischen Sanierung der Fassade.

Den wohl einmaligen wellenförmigen Boden im 25 Meter langen Schwimmerbecken kann man seit 1998 nur noch vom Technikkeller aus betrachten. So kühne Konstruktionen halten nicht ewig dicht und deren Sanierung ist aufwendig. Deshalb kam vor gut 20 Jahren eine Stahlwanne in das große Bassin – und für den Denkmalschutz konnten die in Beton gegossenen Wogen unter der Wanne erhalten bleiben.

Die mediterran anmutenden Strand- und Badeszenen im Eingangsbereich sind auch heute noch für jedermann an der Wand zu sehen. Nur fehlt vor dieser Kunst am Bau die einstige Milchbar - der Tresen ist aber noch vorhanden. Der einstige Hanauer Maler Reinhold Ewald schuf das Mosaik. Er war aufgefordert worden, zur Verfeinerung der Ästhetik Kunst zu liefern. Dies tat er ebenso für den Vorraum der Umkleide und für die Schwimmhalle. An beiden Orten hängen Keramikreliefs. Es sind zumeist Badende, Ewalds Lieblingsmotiv. Ewalds Fische haben nach der Sanierung vor zehn Jahren einen neuen Platz im Saunabereich gefunden. Einen früheren Umzug zum Schutz vor Zerstörungswut gab es für Ewalds Schreitende, die einst auf dem Brunnensockel am Eingang posierte und das nun in der Halle tut.

Der Schwimmhalle schließt sich zur einen Seite ein L-förmiger, zweigeschossiger Vestibül an. Den Frisör darin gibt es noch immer, wenn auch der Pächter nicht mehr der Gleiche ist. Weg ist hingegen die Abteilung mit den Wannen- und Duschbädern. Für kleines Geld ließ sich dort bis zur großen Sanierung des Hallenbads ein reinigendes Vollbad nehmen. Nach dem Krieg hatten noch nicht alle Wohnungen ein Badezimmer. „Eine Bäderwärtin hatte ein gewisses Level warmes Wasser in die Wanne einlaufen lassen, der Gast hat dann kaltes selbst zugegeben“, erzählt Anja Sattler, die vor 34 Jahren ihre Ausbildung im „Hei-Fisch“-Bad begann und heute als leitende Schwimmmeisterin dort ist. Eine Wannen- und Duschkabine sind für den Denkmalschutz erhalten geblieben, sagt sie.

Viele langjährige Stammgäste zähle das Bad. Es sei ein gutes Miteinander jener, die gemächlich im Bruststil durch Wasser rudern und denen, die sich mitunter spritzend durchs Nass pflügen. „Im ersten Jahrzehnt war das Heinrich-Fischer-Bad das einzige Hallenbad im weiten Umkreis“, sagt Sattler. Entsprechend groß war an manchen Tagen der Andrang. „Die Leute sollen dann nach dem Eintritt gleich wieder herausgekommen sein, weil in den Umkleiden alles voll war.“ Um der Situation Herr zu werden, sei für einige Jahre eine Zeitbegrenzung eingeführt worden, erinnert Sattler.

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