Sgraffiti des Künstlers August Peukert an den Fassaden zweier Häuser in Großauheim verschwinden unter Dämmplatten.
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Sgraffiti des Künstlers August Peukert an den Fassaden zweier Häuser in Großauheim verschwinden unter Dämmplatten.

Hanau

Streit um Kunst am Bau in Hanau

  • Detlef Sundermann
    vonDetlef Sundermann
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August Peukert ortshistorische Sgraffiti drohen wegen Fassadensanierungen zu verschwinden. Peukerts Erben und der Heimats- und Geschichtsverein wehren sich dagegen.

Wärmedämmung an alten Häusern ist eine gute Sache. Wenn damit Kunst am Bau zerstört wird, wird es jedoch schnell zu einer umstrittenen Angelegenheit. Zurzeit saniert die Baugenossenschaft Steinheim ihre zwei 50er-Jahre-Immobilien in der Marienstraße im Stadtteil Großauheim. An den Giebelfassaden hat seinerzeit der renommierte örtliche Künstler August Peukert in Sgraffiti- und Mosaiktechnik großformatige Abbildungen zur Ortsgeschichte geschaffen. Der übergroße Eisengießer der einstigen Marienhütte, die Kühlschrankmonteure der früheren BBC und die landwirtschaftlichen Darstellungen, hervorgehoben mit dem Bub‘ auf dem prachtvoll gestalteten stämmigen Bauernross, sollen nun unter Dämmplatten verschwinden - wohl nicht zerstörungsfrei. Die Wohngesellschaft hat nun einen Kompromiss vorgelegt, der weder die Erben des 1986 verstorbenen Künstlers noch den Geschichtsverein zufrieden stimmt.

Die Gebäude und die Kunst daran unterliegen nicht dem Denkmalschutz, hebt das Unternehmen hervor. Eine Bewahrung der Werke an dieser Stelle sei leider nicht möglich, teilt Marc Goss mit, Vorstand der Baugenossenschaft. In einem Gespräch mit Peukerts Sohn Rudolf und Vertretern der Stadt sei die Übereinkunft getroffen worden, dass auf den freien Putzflächen die Peukert’sche Motive mit „zeitgemäßen Mitteln zitiert werden.“ Professionelle Künstler würden hierzu beauftragt. Die Vorschläge werden nach den Sommerferien mit der Familie Peukert und der Stadtverwaltung besprochen. Bis zu 10 000 Euro will die Baugenossenschaft für die Umsetzung ausgeben.

August Peukert

Geboren am 23. November 1912 in Großauheim, ab 1926 Ausbildung an der Staatliche Zeichenakademie.

Seine Werke sind expressionistische Malerei, Glasmosaiken und Glasmalerei vor allem für Kirchenfenster.

Sgriffiti von Peukert lassen sich noch im älteren Teil Großausheims an verschiedenen Bauten entdecken. sun

Peukerts Tochter Ute steht dem Vorhaben skeptisch gegenüber. „Wenn andere Künstler die Arbeiten meines Vater interpretieren, dann sind das nicht mehr seine Werke“, steht für sie fest. Die einfache Reproduktion lediglich mit Farbe - bunt oder monochrom - sei den Originalen immer noch näher, als die Ergebnisse, die andere in Peukerts Sgraffiti sehen. Die 1:1-Wiederherstellung unter der Kratztechnik in mehrschichtigen, farbigen Putz gilt als teuer. Stuckateure, die seit dem frühen Mittelalter bekannten Methode beherrschen, sollen rar sein.

Laut Peukert sei auch nicht ausreichend geprüft wurde, welche baulichen Möglichkeiten bestünden, die Originale zu retten. Bei der Sanierung der unweiten katholischen Kita sei das Sgraffito der Madonna „wunderbar erhalten geblieben“, so Peukert.

Unklar ist bislang, ob ein Urheberschutz, der bis zu 70 Jahre nach dem Tod eines Künstler gilt, besteht,. Laut Ute Peukert sind die Sgraffiti damals von der noch eigenständigen Stadt Großauheim in Auftrag gegeben worden.

Dass überhaupt über die Peukert’schen Werke gestritten wird, ist dem Heimat- und Geschichtsverein Großauheim zuzuschreiben. „Indirekt haben wir von der Fassadensanierung erfahren“, sagt die Vorsitzende Sabine Laber-Szillat. Der Verein machte die Sache öffentlich. „Mit erster Post wurde auch Oberbürgermeister Kaminsky informiert.“ Laber-Szillat sagt, dass die Baugenossenschaft nichts illegales tue, der Verein hätte nur zuvor informiert werden können. „Wir sind froh, dass sich jetzt was bewegt“, sagt sie. Der Geschichtsverein will die Vorschläge der Baugenossenschaft unvoreingenommen bewerten .

Und, die gestalterischen Alternativen auf den Giebelfassaden werden laut Baugenossenschaft die Peukerts Werke nicht vergessen lassen. Hinweistafel an den Gebäuden sollen den Ursprungszustand zeigen, heißt es.

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