Hanau

Strafanzeige wegen rassistischer Attacke in Hanau

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Wie die Hanauer Stadtverordnete Selma Yilmaz Ilkhan berichtet, ist sie am Wochenende massiv beleidigt und bedroht worden.

Selma Yilmaz Ilkhan, SPD-Stadtverordnete und Vorsitzende des Ausländerbeirates, hatte für Sonntag einen gemütlichen Weihnachtsmarktbesuch mit ihrer Familie geplant. Doch dann geschah vor dem McDonald’s am Marktplatz etwas, das Yilmaz Ilkhan so schildert: Die Politikwissenschaftlerin begegnete einem Mann, der sie verbal angriff – sie solle sich mit ihrem „scheiß Kopftuch“ in „ihr“ Land „verpissen“. Sonst werde er ihr „eins in die Fresse knallen“. Dann ging er in das Restaurant.

Sie habe Wut und Hass in seinem Gesicht gesehen und Angst gespürt, sagte Yilmaz Ilkhan der FR. Ihre Familie war vorgegangen und schon auf dem Weihnachtsmarkt. Sie habe damit rechnen müssen, dass der Unbekannte ausrastet, und nichts entgegnet, sagt die Stadtverordnete. Yilmaz Ilkhan verständigte aber sofort die Polizei, die den Verdächtigen noch am Markt antraf und ihre Anzeige entgegennahm.

Die Hanauerin wurde in den vergangenen Jahren nach eigenen Angaben mehrmals rassistisch beleidigt, etwa als „scheiß Ausländer“ am Hauptbahnhof; die Anzeige gegen unbekannt blieb ergebnislos. Der jüngste Vorfall sei auch wegen der Aggressivität besonders heftig gewesen und ein Alarmsignal. Deshalb machte Yilmaz Ilkhan ihn im Netz öffentlich. „Ich werde es nicht zulassen, dass Menschen wie dieser Mann ihren Hass auf diese Weise von sich geben und so weitermachen können, als ob nichts passiert wäre“, schrieb sie. „Mir soll bitteschön keiner erzählen, dass wir in Deutschland und leider auch in Hanau kein Rassismusproblem hätten.“ Jeder rassistische Übergriff müsse angezeigt werden. Es sei wichtig, die Betroffenen nicht alleine zu lassen. „Ich bin in Hanau zur Welt gekommen und auch hier aufgewachsen und soll mich jetzt in ,mein‘ Land verpissen! In welches Land denn bitteschön?!“

Wenn Politik und Gesellschaft es erlaubten, dass Menschen „wegen ihres äußeren Erscheinungsbildes – in meinem Fall wegen dem Kopftuch, aber auch Kippa, Turban – benachteiligt werden“, dürften wir uns nicht wundern, wenn Menschen sich rechtsextremistisch äußern. „Wir müssen uns gegen jegliche Art von Diskriminierung stellen.“

Die Polizei teilte auf Anfrage mit, es liege eine Anzeige wegen Beleidigung vor. Die Personalien des Verdächtigen seien bekannt. Wegen der laufenden Ermittlungen könnten keine weiteren Angaben gemacht werden. 

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